Ablenkmanöver

Die Diagnose Parkinson war erst mal, wie bei vielen von uns, ein Schock für mich. Um mich abzulenken habe ich mir gedacht, du musst jetzt etwas ganz Schönes machen, etwas, was dich fasziniert, was die bösen Gedanken vertreibt.
Ich bin ein Blumenfan und 1989 waren Orchideen mein Objekt der Begierde. Also, Kaufwut Orchideen war dran. Als die Fensterbretter dann voll standen, hörte das Wutkaufen auf und ich verlegte mich auf die Option, welche kannst du immer wieder zum Blühen bringen und , für mich war das klar, ich schaffte das auch. Ich war (und bin es auch heute noch) fasziniert von der Vielfalt der Formen und der Farben der Blüten, die zu jeder Tageszeit anders aussahen. Besonders habe ich die Dämmerung geliebt! Die Blüten schimmerten dann geheimnisvoll und sahen aus wie Seide, ein faszinierendes Schauspiel! Trotzdem konnte mich dies alles auf die Dauer nicht ablenken, ich brauchte etwas, wofür ich meine Hände einsetzen musste, ich wollte spüren und fühlen und sehen, was ich selber geschaffen hatte. Also konzentrierte ich mich auf das Töpfern. Nicht, dass ich das gelernt hätte, aber es ist schon erstaunlich, wieviel Kreativität in einem Menschen schlummert, von der man selber nichts weiß.