07.05.2010

1. Abschied von der Arbeit


Die "Nachlässigkeiten" und die Fehler und die vergessenen und damit liegengebliebenen Dinge häuften sich.

So sehr ich mich auch bemühte, dagegen anzukommen, es war mir nicht möglich, es ging einfach nicht, selbst als mir klar wurde, dass meine Vorgesetzten, besonders mein erster Chef, schon nicht mehr zufrieden sein konnten (das war dieses Jahr gerade noch so die Grenze, so sein Kommentar).

Wenn ich nach Hause kam, war ich total fertig und kaputt, manchmal habe ich nicht einmal mehr duschen können, es langte gerade noch bis zum Zähne putzen.

Dann wurde das Laufen auch immer anstrengender und ich muss damals einen sehr komischen Gang gehabt haben, denn Bekannte und Freunde fingen schon an, mich aufzuziehen: Du hast Dir aber einen seltsamen Gang angewöhnt, ist Dir die Kur (Vom Orthopäden veranlasst) auf die Beine geschlagen.

Ich dachte damals immer noch - Bandscheibenvorfall, Osteoporose und das Alter nicht zu vergessen - aber mein Orthopäde zog mir diesen Zahn mit den Worten: Ich kann Ihnen da nicht weiter helfen und werde Sie zu einem Neurologen überweisen.


2. Bin ich verrückt - zum Neurologen?

Protest von meiner Seite: "Ich bin doch nicht verrückt"!
Aber er ging darüber hinweg und ich verließ ihn mit der Überweisung und dem Rat: An ihrer Stelle würde ich eine Anmeldung beim Neurologen nicht mehr so lange hinausschieben.


Als dann, als Folge auf die Verkrampfungen auch die Schmerzen stärker und stärker wurden, war ich endlich soweit, mich bei meinem jetzigen Neurologen anzumelden. Das Ergebnis und wie das bei mir ankam, ist schon an anderer Stelle erzählt. Ich wollte diese Diagnose einfach nicht akzeptieren und er bekam immer wieder zu hören, das kann nicht sein, diesmal haben Sie
eine Fehldiagnose gestellt.

Begeistert war er nicht, wenn ich ihm so etwas unterstellte und deshalb war er schon zufrieden, dass ich mit einem Klinikaufenthalt zur Medikamenteneinstellung einverstanden war.

Die erste Untersuchung brachte dem Oberarzt der Station schon ein Ergebnis, eines, das ich nicht anerkennen wollte.


2. Ausgerechnet ich und Parkinson?

Ich habe doch schon immer Wert gelegt auf eine gesunde Lebensweise - mich regelmäßig sportlich betätigt, vegetarisches Essen und vieles mehr, was man in so einem Zusammenhang sagen könnte.

Hatte ich denn ernsthaft geglaubt, aufgrund dessen werde ich dann im "Alter" von allen Wehwehchen verschont sein?

Es wird schon so gewesen sein! Heut kann ich über soviel Vermessenheit nur den Kopf schütteln.

Er, der Herr Oberarzt, kam am Nachmittag schon mit einem Packen Broschüren unter dem Arm in mein Krankenzimmer.

Kommentar: Lesen Sie sich das bitte gründlich durch, damit Sie wissen, wie es weiter geht.

Alle Broschüren hatten den Morbus Parkinson zum Thema.


3. Völlig unvorbereitet war ich Rentner

Ich hatte bis zum Donnerstag gearbeitet, war am Freitag in die Klinik gekommen und dort sorgten die Ärzte gemeinsam mit der Psychologin und dem sozialen Dienst dafür, dass ich gar nicht wieder zur Arbeit gehen konnte.

Da wurden für mich Termine bei meiner Versicherungsanstalt gemacht, da wurde mein Arbeitgeber informiert und ein Treffen vereinbart, da kam alles zusammen, obwohl ich das noch gar nicht wollte.

Damals habe ich mich sehr dagegen gesträubt, ich kam mir so nutzlos und so überflüssig vor, ein Mensch, der für irgendetwas bestraft wird, ohne das ich herausfinden konnte, was ich denn so Schlechtes getan hätte, das diese Strafe rechtfertigen könnte.

Ich verstrickte mich immer mehr in solche Gedanken und meine Psychologin hatte damals wirklich alle Register zu ziehen, mich aus dieser Depression zurück zu holen.

Sie hat es geschafft und heute bin ich allen sehr dankbar, die mir damals zugesetzt haben.

Damit veränderte sich aber auch mein Arbeitsleben von 1000 auf 0, heute bin ich damit ausgesöhnt und weiß, dass es für mich noch bitterer geworden wäre, hätte ich immer bewußter mitbekommen müssen, wie meine Leistungen mehr und mehr nachließen und ich immer mehr Fehler gemacht hätte.

Das war MEIN Abschied vom Arbeitsleben.