1.4. Allgemeines über Morbus Parkinson

Allgemeines über Morbus Parkinson

14.04.2010

1. Warten auf Veränderung

Heute haben wir schon den 14. dieses Monats, aber auch, wenn
s c h o n bedeutet, dass der OP-Termin, auf den ich so sehr warte, wieder ein Stück näher gerückt ist, es dauert immer noch viel zu lang!
Jeder Tag wird irgendwann zur Qual, Zappelei, das heißt, unwillkürliches Ummichschlagen, mit Armen und Beinen herumfuchteln, ich kann es nicht beeinflussen, dass meine blauen Flecken weniger werden, wobei das nicht das ist, was mich am meisten stört.
Aber wenn sich dann die Muskeln derartig verkrampfen, dass ich am liebsten total unbeweglich sein möchte, um den Schmerzen zu entgehen, der ganze Körper zu Zucken beginnt, es dadurch zu Atemnot kommt und ich dann zuletzt nicht mehr weiß, wie ich mir noch helfen kann, dann ist schon ein Punkt erreicht, der mich ganz sehr stört, der mich in dem, was ich Lebensqualität nenne, sehr stark beeinträchtigt.


2. Mangelnde Abwechslung, oh nein!

Irgendwann im Laufe des Tages wechselt dieser Zustand und geht über in Steifigkeit, die Knochen und Gliedmaßen sind dann so schwer, dass ich den Eindruck haben muss, da hängen Zementblöcke dran.

Selbst mein Trick mit den Walkingstöcken funktioniert nicht

Aber ich kann mich ja damit trösten, dass diese Zustände im Laufe des Tages immer mal wechseln, Zappelei, Steifigkeit und nach einer Zeitdauer, die ich mir auch nicht selbst aussuchen darf, eben wieder Zappelei.

Da soll doch noch jemand sagen, ich hätte keine Abwechslung. Aber genug davon heut. Ich möchte jetzt erst mal Allgemeines zu dieser Krankheit sagen, schon aus dem Grund, ich merke immer wieder, dass hier noch ganz viel Informationsbedarf besteht


3. Allgemeines zu Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, die eigentlich einmal "nur" eine Alterskrankheit gewesen ist.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass, wenn wir alle mehr als hundert Jahre alt werden würden, jeder 2. einen Parkinson bekäme.

Aber Alterskrankheit stimmt schon längst nicht mehr, denn die Diagnose Morbus Parkinson trifft immer öfter auch bei jüngeren Menschen unter 40 zu.

Warum dieser oder jener diese Krankheit bekommt, das ist noch weitgehend unbekannt.

Die Diagnose stellen ist auch nicht so einfach, denn die Symptome sind erst zuzuordnen, wenn schon etwa 70 % der Dopaminzellen im Gehirn abgestorben sind.


Dopamin gehört zu den Botenstoffen und ist zuständig für unsere Beweglichkeit.

Da die Zellen sich nicht selber erneuern können, kommt es mit deren Absterben zu einem Ungleichgewicht bei den Botenstoffen, wodurch letztendlich diese Krankheitssymptome ausgelöst werden


4. Jeder hat seinen eigenen Parkinson.

Wenn man die unterschiedlichen Wichtungen bei den Botenstoffen betrachtet, dazu die Krankheiten nimmt, die der- oder diejenige sowieso schon hat, die Medikamentenvertäglichkeit dazurechnet, die auch sehr unterschiedlich ist, dann ist das auch nachvollziehbar.


Allerdings gibt es drei Hauptsymptome, nach denen der Parkinson diagnostiziert wird, das sind
Tremor, Rigor und Akinese.

Tremor
ist Zittern, vor allem Zittern der Hand im entspannten Zustand

Rigor
ist Muskelverspannung, Muskelversteifung.

Akinese
bedeutet Bewegungsverarmung, Bewegungsverlangsamung

Wenn sie alle drei zusammen von Anfang an augenscheinlich sind, wäre die Diagnose leichter zu stellen.

Aber, die Symptome kommen über Jahre nur sehr schleichend zum Vorschein. Und dazu macht sich der Parkinson sehr oft erst mal nur auf einer Seite bemerkbar, die zweite Seite zieht zwar mit den Jahren gleich, aber am Anfang sind die Symptome eben schlecht zuzuordnen.

Viele Parkinsonkranke gehen wegen der zunehmenden Muskelversteifung zunächst zu einem Orthopäden und werden, so ist es mir selbst passiert, wegen der Muskelverspannungen und daraus resultierenden starken Muskelschmerzen jahrelang mit schmerzlindernden Infusionen behandelt, die aber nur sehr wenig helfen und mit der Zeit gar nicht mehr wirken.

5. Krankheit verändert

In dieser Zeit verändert sich bei den Patienten noch vieles mehr, wobei es uns als Betroffene selbst gar nicht so auffällt.

Es sind zuerst Familienmitglieder, Freunde, Arbeitskollegen, denen auffällt, dass sich die Bewegungen nicht nur verlangsamt haben, sondern die Schritte auch schlurfend werden und der Gang sich genauso verändert, wie die gesamte Person.

Ich bin da keine Ausnahme!

Natürlich waren da neben den Schmerzen mit den Jahren auch noch andere Dinge, die mir aufgefallen waren, die ich aber einfach ignorierte.

Der linke Arm hatte soviel Muskelspannung, das er sich von selbst immer wieder anwinkelte, beim Schwimmen gab es auf einmal enorme Koordinationsschwierigkeiten und mein Körper sackte linksseitig ständig ab, so dass ich immer wieder ausbalanzieren musste.

Ich wurde zunehmend schwächer, war nur noch müde, fühlte mich ständig schlapp, wie zerschlagen, konnte mich zunehmend weniger konzentrieren, je "pinglicher" ich wurde, umso mehr Fehler passierten mir auf der Arbeit.

Die Folge waren immer stärker zerfetzte Nerven, ganz viel Tränen, die einfach nicht zu stoppen waren bis hin zu depressiven Zuständen.


Wurde aufgrund all dieser Auffälligkeiten noch einmal über meinen Orthopäden zu einer Kur angemeldet und geschickt, weil ich selbst genau wie alle anderen annahm, dass die starken Schmerzen orthopädische Ursachen hatten.

Schon während des Kuraufenthalts wurde mir nahegelegt, nach deren Abschluß gleich einen Neurologen aufzusuchen.
Mein Orthopäde untersuchte mich noch einmal nach der Kur und verabschiedete mich mit einer


Überweisung zum Neurologen und den Worten, die ich jetzt auch immer wieder höre:
Ich kann ihnen wirklich nicht mehr weiterhelfen!

Nach den ersten Untersuchungen beim Neurologen hieß es dann:

Die Untersuchungen haben ergeben, sie haben Parkinson!
Sicher werden sie jetzt viele Fragen haben!


Nein, an diesem Tag hatte ich keine Fragen mehr, ich weiß nicht mal, wie ich an diesem Tag Anfang November 1998 nach Hause gekommen bin.