Alltagsgeschichten

15.07.2010

1. Alltagsgeschichten

Allen, die hier lesen, ein fröhliches Hallo!
Leute, ich hatte bei einer Kur noch nie so ein herrliches Wetter! Jeden Tag scheint die Sonne, der Himmel strahlt in seinen hellsten Farben, am Morgen wird das Vogelgezwitscher zu einem herrlichen Konzert und wenn die laveden Knochen nicht wären, die an einem jeden Morgen und auch jeden Abend meinen, sie müssten sich extra bemerkbar machen und sich freuen, wenn sie in ihrer Steifigkeit versinken, dann wäre es gar nicht auszuhalten vor lauter Gutgehen, vor lauter Lebensfreude, vor lauter "Sich-wohl-fühlen!


Gerade klopfte es an die Tür, herein kam meine ehemalige Bettnachbarin aus dem Dresdener Klinikum und brachte aus ihren unergründlichen Rollatortaschen eine Tasse mit heißem Wasser und dazu ein Päckel Cappucino, verzog sich aber gleich wieder, weil sie mich beim Schreiben nicht stören wollte.

Ich bin so froh, dass ich hier alles so leicht nehmen kann und dass alle sich so bemühen, uns das Hiersein trotz der Hitze, unter der das Personal ja noch mehr leidet, schließlich müssen sie arbeiten, während wir uns nur wohl zu fühlen brauchen, so angenehm wie möglich gestalten möchten.

Beim nächsten Klopfen kommt Schwester Y..... herein, nimmt die schmutzige Tasse mit allem mit, was ich dort angesammelt hatte, die leere Cappucinotüte, leeres Schokoladenpapier, Kaffeesahnenäpfchen, natürlich auch leer.

Ja, es ist heut wieder alles in bester Ordnung, ich habe mich wieder abgeregt und bin deshalb nicht ganz so steif wie gestern. Gestern hatte ich so ein kleines Erlebnis, dass ganz sicher dazu da war, mein Wohlfühlen hier nicht ganz und gar in den Himmel wachsen zu lassen, wäre ja auch unwirklich, wenn der Himmel nur voller Geigen hänge.

Ich bin es nun mal nicht gewohnt, mich nur um mich selbst zu kümmern, andere müssen leider immer wieder darunter "leiden", dass ich mich einmische, weil ich in dem guten Glauben bin, ich könnte ihnen helfen. So auch gestern.

Ich komme mit meinem Rollator aus dem Fahrstuhl, biege um die Ecke in Richtung Station 2 ein und höre: Hilfe, Hiiiiiilfe, Hilfe, Hilfe.

Die Rufe sind mal lauter, mal leiser und ich kann anfangs nicht ausmachen, aus welchem Zimmer sie kommen. Mich meiner Behausung nähernd, höre ich immer deutlicher, die Rufe kommen aus dem meinen gegenüberliegenden Zimmer.

Nun bin ich ja nicht das erste Mal in einem Krankenhaus bzw. in einer Reha und damit auch nicht das erste Mal mit vielen älteren und kranken Menschen zusammen auf einer Station. Ich weiß, dass solche Rufe da nichts Ungewöhnliches zu bedeuten haben, zumindest war ich noch nicht in einer Einrichtung, in der wirklich jemand, der um Hilfe rief, in Gefahr war.

Ich bin deshalb weitergelaufen und habe einen Pfleger gefragt, ob das "normal" wäre. Ich bekam das bestätigt und ging deshalb zurück und da die Tür weiter offen war, in das Zimmer der Patientin. In solchen Augenblicken verlasse ich mich immer auf eine "Gabe", in irgendeinem Krankenhaus sagte mir mal eine Ärztin, ich wäre eine wunderbare Krankenschwester geworden.

Ich sprach die Patientin an, sie sagte, sie hätte Angst. Nach kurzem weiteren Befragen stellte sich dann heraus, die Frau ist halt nicht gern allein. Also habe ich mich auf meinen Rollator gesetzt, ihre Hände genommen, immer mal ein wenig darüber gestrichen und habe mich mit ihr unterhalten.

Natürlich habe ich auch sehr schnell mitbekommen, dass sie vieles durcheinander bringt und sie hat eine Zuführung für Infusionen im Arm, durch die sie auch dementsprechend versorgt wird. Aber sie beruhigte sich und war sogar bereit, etwas zu trinken, finde ich bei dieser Hitze ganz wichtig. Ein Pfleger kam dazu, unterhielt sich eine Weile mit uns beiden, die Patientin meinte: ich glaube, ich kenne sie und er antwortete: na ich war doch heut früh schon mal da und habe sie gewaschen.

Dann kam die Schwester dazu, die für diesen Bereich verantwortlich war, ich hatte sie früh schon mal in diesem Zimmer gesehen als sie die Patientin fütterte. Auf meine Frage, ob ich das Zimmer verlassen sollte, sagte sie nein, wenn sie sich mit der Patientin unterhalten möchten, können sie das gern tun.

So plätscherte das Gespräch eine ganze Weile hin und her, bis Frau Sch..... sagte, sie hätte Schmerzen im Nackenbereich. Nun, das Kopfende des Bettes war noch ein wenig hoch oben, vielleicht noch vom Essen reichen, vielleicht hatte sie es auch selbst so gewollt, jedenfalls fuhr ich es ein Stück zurück, um ihr Erleichterung zu verschaffen.
Aber da sie auch weiterhin über Schmerzen klagte, machte ich jetzt einen entscheidenden Fehler. Anstatt sie jammern zu lassen, machte ich mich auf den Weg vor zu den Schwestern, dabei lief mir ein Pfleger über den Weg, dem ich sagte: Ich komme aus dem Zimmer von Frau Sch...... Die Patientin sagt, sie hat im Nackenbereich Schmerzen.

Vielleicht wäre nun nicht das passiert, was dann kam, wenn der Pfleger sich selber darum gekümmert hätte. Er rief die Schwester, die für meinen Bereich verantwortlich war und diese, in der Meinung, I C H hätte Schmerzen, kam auch sofort gelaufen. Nun mußte ich aber sagen, dass ich für eine andere Patientin gefragt


DAS ÄNDERTE SOFORT ALLES!

Es war dieselbe, bei der ich mich schon einmal getraut hatte, etwas aus MEINEM Erfahrungsschatz beizusteuern.

In den ersten Tagen meiner Rollce Royce - Zeit hat es immer wunderbar geklappt, ich wurde zum Essen gefahren, wurde zu den Anwendungen gefahren, das klappte alles wunderbar. Aber, die meisten von uns haben auch, wenn sie Glück haben nur mit einer leichten, wenn es schlimmer ist mit schwerer Inkontinenz zu tun.

An einem der Tage sah und hörte ich die betreffende Schwester, wie sie dem "Fahrdienst" zeigte, dass sie immer darauf achten müssten, das unten beim Rollstuhl die Beine der Patienten erst sicher auf den Pedalen sitzen müssten, bevor sie losfahren. Toll, dachte ich, hier wird wirklich auf alles achtgegeben.

Dann erlaubte ich mir zu sagen: Schwester S......, ich hätte dazu auch noch etwas beizusteuern, könnten sie dem "Fahrdienst" nicht noch sagen, es wäre für die Patienten sicher ganz gut, wenn sie zwischendrin von den Fahrern auch mal gefragt würden, ob sie nicht auf die Toilette müssten, mir war es häufig so gegangen, dass ich, dann endlich wieder im Zimmer angelangt, mit dem Affenzahn, in dem es einem steifen Parki möglich ist, auf die Toilette rannte, wobei das Sturzrisiko sehr hoch war.

Hier bekam ich es schon mit der Antwort zu tun, dass sie ja schließlich 20 Jahre Diensterfahrung hätte, dass für die Patienten alles getan wird und dass sie auch in dieser Richtung gefragt werden.

Ich wusste, das ist nicht wahr, ich bin während dieser Zeit nicht einmal danach gefragt worden, lediglich AUF MEINEN WUNSCH UND MEINE ÄUßERUNG HIN einmal zurück ins Zimmer transportiert worden.

Nun hat ja nicht jeder Parki meine Gusche, so habe ich eben schon mehrmals gesehen, dass in diesen Bereichen der Hosen alles nass war, wenn die Patienten wieder hier oben angelangt waren. Na ja, an diesem Tag dachte ich auch nur, was ist denn der für eine Laus über die Leber gelaufen, aber das kann ja bei jedem mal vorkommen und diese Schwester ist sonst eigentlich ein ganz Liebe, die sich um alle und alles kümmert.

Hier aber war ich nun anscheinend in ein Fettnäpfchen getreten. Erst mal wurden wieder 20 Jahre Diensterfahrung aufgewärmt und trotz all meiner Versicherungen, dass ich nicht die Absicht hatte, ihr zu nahe zu treten, dass es nicht meine Absicht war, Ihr Vorschriften zu machen geschweige denn ihr überhaupt zu sagen, was sie zu tun hätte, war sie voll und ganz auf diesem Trip, und ich würde sie dazu bringen wollen, Dienstgeheimnisse auszuplaudern und ich würde von ihr Rechenschaft fordern über ihre Arbeit.

Ich wusste gar nicht so richtig, wie ich zu den Vorwürfen kam, noch dazu bei einer Krankenschwester, die ihre Arbeit sehr ernst nimmt. Oder sollte man lieber sagen, vielleicht zu ernst und zu einseitig?

Ich könnte vielleicht meine 20 Jahre Erfahrung als Patientin in vielen Krankenhäusern und einigen Reha - Kliniken dagegen setzen, das ist schließlich auch nicht so ohne!

Das Ende vom Lied, Elke merkte, sie wird zunehmend steifer und zog sich ins Zimmer zurück, um sich auszuheulen. Das ist so ein Mittelchen, das bei mir immer hilft, wenn die Tränen dann getrocknet sind, bin ich wieder in der Lage, vernünftig zu denken.

Ich bin zwar nach wie vor der Meinung, dass die Grundhaltung dieser Schwester nicht in Ordnung ist, aber was soll´s, ich kann auch damit leben und - vielleicht reagiert sie ja, wenn ich das nächste Mal mit so einem Ansinnen auf sie zukomme, gaaaaaaaaanz anders und überrascht mich aufs Neue.