Nichts Neues aus den Krankenhäusern

"Alte Neuigkeiten" 

14.07.2011                              


Hallo, alte Neuigkeiten aus den Krankenhäusern!
Entschuldigt, wenn ich mal intimer werden muss, aber alles, was den Darm anbelangt, ist nun mal ein wenig so gestellt, da lässt sich das einfach nicht vermeiden.
Sitze ich doch letzten Mittwoch gegen 17:00 Uhr auf der Toilette und gebe mir alle Mühe beim Pressen, denn in der Darmgegend drückt es und drückt schon den ganzen Tag, aber aller Presserei zum Trotz rührt sich überhaupt nichts.

Und das geht nun schon den ganzen Tag so. Eigentlich nichts Neues und auch nichts Unübliches für Parkinson-kranke.

Ist nur so, ich nehme ja schon dieses Allheilmittel Movicol, normalerweise müsste es deshalb flutschen, aber - es fluscht und rutscht gar nichts! Also - säubern und erst mal aufstehen und eine Runde laufen, vielleicht - !!!

Schockreaktion

Und dann Schock! Das Toilettenpapier ist voll von Blut! Das kann nicht sein, nochmal wischen! Ergebnis dasselbe, Blut wohin ich schaue. Rückblick ins Toilettenbecken - alles rot, ich kann es nicht fassen.

Ich kann keinen ordentlichen Gedanken fassen und bin wie erstarrt, weil ich denke, auch dass noch, hört es denn niemals auf?!

Auch meine Freundin, die anwesend ist und mich, wenn es schlechter geht, normalerweise versorgt, genauso starr!

Was machst du denn nun?

Eine Weile kann ich keinen klaren Gedanken fassen, dann der Griff zum Telefon - Hausärztin! Na toll, ist ja Mittwoch am Nachmittag - keine Sprechstunde mehr! Bleibt nur noch eine Möglichkeit - Krankenhaus!

Krankenhausaufnahme

Ich rufe die Notaufnahme an, schildere mein Problem und die diensthabene Schwester, natürlich können sie kommen, aber wenn, dann bringen sie schon mal eine kleine Tasche mit dem nötigsten mit, dann müssen sie schon ein paar Tage zur Diagnostik bleiben.

In meiner Angst höre ich nur eines heraus - sie wollen mir helfen! Also, nichts wie Tasche packen und ab ins Krankenhaus.

Die üblichen Informationen für die Aufnahme, eine freundliche, aber doch ziemlich abgehetzte Ärztin, die es auch noch eilig hat, denn sie möchte zwischendrin gern ein Weiterbildungsangebot wahrnehmen.


Zum Dracula muß man geboren sein

Blut abnehmen, Sache eines Gehilfen, der sich ziemlich sicher ist, ich schaffe das!

Linker Arm, rechter Arm, Handwurzel, Handrücken, überall wird probiert, zuletzt dann doch schon sehr kleinlaut, zum Dracula muss man vielleicht geboren sein.

Die Ärztin stellt dann noch fest, dass "dahinten" wirklich Blut ist, dann kommt eine Schwester und holt mich auf Station.

Friedliche Übereinkunft

Auch hier keine Ruhe, Aufnahme durch die Schwester. Oje, so viele Tabletten wie sie nehmen müssen und Parkinson-tabletten haben wir sowieso nicht da, die müssten wir erst mal bestellen und ehe sie da sind, sind sie vielleicht schon wieder weg.

Die kosten doch so unheimlich viel!

Ich weiß zwar genau, dass ich die Tabletten, die ich nehme, in so einem Fall aus dem Krankenhaus bekommen muss, aber ich bin ja ein lieber Mensch und habe ein Einsehen und vereinbare deshalb mit dieser Schwester, dass ich meine eigenen Tabletten nehme und dass ich sie auch bei mir behalte, damit ich sie pünktlich selber nehmen kann.

Jetzt ist endlich Zeit, meine Bettnachbarin in Augenschein zu nehmen. Sie schwatzt mich schon geraume Zeit voll und ihren Worten habe ich entnommen, dass sie am Nachmittag zum Darm spiegeln war und dass sie jetzt gerade aufgewacht war und nun vor Hunger fast sterben wollte.

Ich wurde gefragt, ob ich auch zu Abend essen wollte, aber mir war das Essen vergangen, ich lehnte ab.

Am Donnerstag zum Frühstück nur eine Brühe, eigentlich hätte mir noch ein richtiges Frühstück zugestanden, aber na ja, ich bin es gewohnt, Krankenhaus und hungern müssen, das hängt für mich schon irgendwie zusammen.

Zur Visite ein ausländischer Arzt, der lediglich äußerte, dass eine Darmspiegelung für mich ansteht und die Schwester sagte, es wird heut noch heftig. Sie meinte das viele Trinken (4 Liter) zusammen mit den Tabletten, damit der Darm dann sauber ist. Für mich war das nicht die erste Darmspiegelung, ich wusste, es wird hart, aber was dann kam, konnte ich vorher nicht erahnen.

Ich habe durch meinen Bandscheibenvorfall immer noch sehr starke Schmerzen und nehme so ca. 10 Schmerztabletten/Tag. Leider sind die Schmerzen dann auch nicht ganz fort und der Schmerz wirkt lähmend auf den Parkinson. Dazu das ständige Bauchgrummeln mit Toilettengang, die Tabletten flutschten auch einfach so fort, dass also die Wirkung gleich null war.

Ich war sehr schwach und müde, das linke Bein schmerzte wahnsinnig, so dass ich eine Schwester bat, mir beim Waschen zu helfen bzw. um 22 Uhr mal hereinzuschauen, nicht das ich meine letzte Tabletteneinnahme verschlafe.

Zugesagt wurde mir das bzw. es hieß, na wir warten erst mal ab, aber es hat sich niemand sehen lassen.

Die Schmerzen wurden stärker und stärker und außerdem hatte sich den ganzen Tag kein Arzt sehen lassen, obwohl hier ja eigentlich ein Beratungsgespräch erfolgen sollte, schließlich sollte ich ja auch unterschreiben, dass ich gut aufgeklärt worden wäre!

Ich hielt die Schmerzen nicht mehr aus und verlangte nach einem Arzt.

Ein Arzt ist nicht mehr da erhielt ich als Antwort.

Erst nach dreimaligem Nachfragen riefen die Schwestern dann endlich einen Arzt. Der kam, hatte auch schlechte Laune, wer weiß, wobei ich gestört hatte.

Er fuhr mich erst mal an, ich wäre schließlich wegen einer rektalen Blutung hier und nicht wegen einer anderen Sache. Erst als er ziemlich derb mit dem Bein umgegangen war und dabei feststellte, dass ich nicht mehr in der Lage war, den Fuß überhaupt zu bewegen, ordnete er Schmerz-tropfen an und verschwand.

Es standen dann auf einmal zwei Schwestern neben meinem Bett, ich sollte die Tropfen nehmen und eine halbe Tablette dazu. Der Ton, in dem die wortführende Schwester sprach, sagte klar und deutlich, du bist in unserer Gewalt, als mach, was ich sage.

Ich wollte wissen, was ich da schlucken sollte, und ich hatte nicht gleich verstanden, dass sie gesagt hatte, die halbe Tablette sei zur Beruhigung, sie musste dass nun noch einmal wiederholen.

Außerdem hatte ich darum gebeten, mich nicht wie ein dummes Kind zu behandeln. Na da erst, ich hätte die Tabletten so zu nehmen, wie sie mir vorgesetzt würden und als ich dann noch sagte, dass ich sowieso meine eigenen nehme, aber da spielte sie erst mal verrückt, so etwas gäbe es überhaupt nicht, das hätte ich sein zu lassen.

Die Schwester, mit der ich am Tag zuvor ausgemacht hatte, dass sie die teuren Tabletten nicht erst zu bestellen brauchten, stand daneben und sagte keinen Ton.

Ich war wütend und ärgerlich und ich hätte am liebsten meine Sachen wieder zusammengeräumt und wäre nach Hause gegangen.

Aber, ich hatte immer noch große Angst wegen des Blutes und ich wollte da Gewissheit haben. Also bin ich lediglich gegen 22 Uhr nach vorn ins Schwestern-zimmer gelaufen und habe meine Medikamente verlangt, schließlich sollte ich ja meine nicht nehmen.

Und sieh mal einer an, auf einmal hieß es, ich habe das nicht gewusst, ich hatte Nachtschicht und wir haben noch nicht darüber gesprochen.

Wie sollte ich denn das nun wieder verstehen? Die hatten bis 20 Uhr noch nicht darüber geredet, was in ihrem Bereich so anlag? Und die Schichtübergabe?

Etwas später kam dann der missgelaunte Herr Dr. doch nochmal nach mir sehen und jetzt war er auch gar nicht mehr so agressiv, richtig nett sogar!

Freitag früh, zur Visite die Frau Doktor, die mich aufgenommen hat: wir werden sehen, dass sie als erste dran sind, damit sie nicht solange mit den Parkinsontabletten aussetzen müssen.

Ich versuche ihr zu erklären, dass sich am Tag zuvor niemand darum gekümmert hat, ob und wie ich mit den Tabletten zurecht komme. Ziemlich verständnislose Reaktion, sie haben doch gesagt, sie kennen das Prozedere.

Natürlich kenne ich das, aber zuvor hatte ich noch keine Tiefenhirnstimulation, der Stimulator sitzt im Bauch, ich mache mir Sorgen, dass da etwas schieflaufen könnte.

Außerdem ist der Blutdruck ziemlich hoch, aber 170/100, das ist anscheinend nur für mich hoch, die Ärzte ignorieren auch das.

Achja, und was wird mit dem Stimulator? Ausschalten oder nicht? Der freundliche Arzt setzt sich telefonisch mit Herrn Dr. Tröger (mein Neurologe) in Verbindung, der ist auch der Meinung, das müsste in Dresden entschieden werden.

"Na Frau R., dann nehmen wir erst mal jemand anders dran, da schieben wir sie erst mal wieder raus, bis das OK von Dresden da ist."

Also wieder raus, ein Mann wird von Station geholt und soll nun vor mir dort rein.

Verdammt, dass hätte gestern schon alles erledigt sein können, wenn, ja wenn sich jemand gekümmert hätte.

DR. Tröger ist schnell, die Antwort aus Dresden heißt ausschalten, also bekommt Herr Dr. Neubert Kurzunterricht, damit er wieder einschalten kann, sobald er genug hat von meinem Darm.

Beim Aufwachen stelle ich fest, dass alles OK ist und deshalb möchte ich am Sonnabend auch nach Hause.