Austherapiert

22.04.2012

"Austherapiert"

Wann ist man "austherapiert?"

Das ist eine Frage, die mich ziemlich lange beschäftigt hat. Ich muss dazu gleich erst mal vermerken, mein Neurologe hatte es nicht gerade leicht, mir die richtige Medikation zu verpassen.

Wenn er froh war, wieder eine Medikamentenzusammen-setzung gefunden zu haben, die wir ausprobieren konnten, musste ich ihm oft genug wieder in die Praxis rücken und ihm mitteilen, dass irgendeine Nebenwirkung so stark war, dass ich die Medikamente wieder absetzen musste.

Ich dachte immer, es gibt so viele Parkinsonmedikamente und dementsprechend viele Zusammensetzungen, da müssten doch noch lange Medikamente für mich da sein.

Aber ich hörte auch immer öfter, "sie sind austherapiert", ganz egal, ob ich mich bei meinem Neurologen oder in der Klinik befand, denn wenn er absolut nicht mehr weiter wusste, wurde ich von meinem Neurologen in die Klinik überwiesen zwecks Medikamenteneinstellung.

Ich weiß nicht so genau, was das sollte, denn ein positives Ergebnis kam für mich dabei nicht heraus.

Und dann wurde dieser Satz: Sie sind austherapiert! erweitert und lautete fortan so:

"Mit Medikamenten können wir ihnen nicht mehr helfen, aber wir haben es am Computer durchgecheckt: sie sind die ideale Patientin für eine Tiefenhirnstimulation".

Damals habe ich noch genauso gedacht wie du jetzt und so geantwortet: nein, das ist für mich die letzte Option, dann geht doch nichts mehr!

Ich habe mich so ca. zwei Jahre gegen diese OP verwahrt, dann war der Leidensdruck so groß, dass ich anfing, mich mit dieser Tiefenhirnstimulation zu beschäftigen.

Ich fand heraus, dass es NICHT die letzte Option war, dass ich viel eher hätte gehen sollen, weil sie mir ein fast normales Leben zurückgegeben hat, dass, wenn es weiter Fortschritte geben sollte in der Therapie dieser Krankheit, man auch hier Mittel und Wege finden könnte, trotzdem an solchen Therapien teilzunehmen und damit seine Lebens-qualität zu verbessern.

Andererseits war es auch ein Widerspruch für mich. Sie hatten gesagt, mit dieser Operation verbessern sich die Parkinsonsymptome und das hält wenigstens 5 bis 7 Jahre an. Hätten sie da nicht wenigstens sagen können, sie brauchen die nächsten Jahre keine andere Therapie!

Nein, das machen unsere Neuros nicht und deshalb bin ich gespannt, wann es das nächste Mal heißt:

"Sie haben zwar diese OP, aber sie hilft auch nicht mehr, sie sind mal wieder austherapiert!"