Da wollte jemand helfen

18.08.2012

Da wollte jemand helfen, aber ...

Meine Orthopädin untersuchte mich gründlich, stellte einen neuen Bandscheibenvorfall und linksseitig eine Fußheberschwäche fest.

Sie erklärte mir, dass, wenn sie die Informationen über den Zustand meiner Wirbelsäule und Bandscheiben, die ich vor der Tiefenhirnstimulation noch einmal mit Hilfe eines MRT habe einholen lassen, zusammennimmt mit dem, was diese Untersuchung jetzt gebracht hat, ich um eine OP nicht herumkommen könnte.

Tolle Neuigkeiten! Ich will nicht auch noch hier eine OP! Eine Kleinigkeit daneben, dazugerechnet mein "vielge-liebter" Parkinson und ich sitze im Rollstuhl und das für immer!

Nein danke, das werde ich mir nicht antun! Natürlich kann es auch gut ausgehen, aber ich habe nicht erst eine Operation hinter mir und weiß, welch ein Risiko ich damit eingehen würde.

Deshalb habe ich ihren Vorschlag akzeptiert, mal wieder in eine stationäre Reha zu gehen, damit sich die Therapien konzentrieren und es somit möglich wäre, eine Operation zu vermeiden.

Und dann, mein lieber Mann, bin ich aus dem Staunen nicht wieder herausgekommen. Am 3.7.12 war ich bei der Orthopädin, am 16.7.12 lag der Kurantrag dem Medizinischen Dienst meiner Krankenkasse vor und eine Woche später hatte ich schon den Bescheid, dass der Kurantrag genehmigt sei!

Da soll doch noch einer sagen, unsere Krankenkassen haben die Bürokratie gepachtet. Schneller geht's ja nun wirklich nicht, denn mein Anreisetermin sollte schon der 10.08.12 sein.

Leider habe ich aber von Anfang an auch seit dieser Bewilligung kein gutes Gefühl gehabt. Auf der Bewilligung stand, dass die Klinik in Bad Schandau sich freuen würde, mich aufzunehmen.

Als ich dann in der dortigen Verwaltung nachfragte, ob sie auch einen neurologischen Bereich hätten, merkte ich an dem Herumgestotter, dass die Verwaltung hier gar nicht wusste, wovon ich rede.

18.08.2012

Ja, Bad Schandau ist eine orthopädische Klinik und sie denken und handeln hier auch in orthopädischen Dimensionen.

Chirurgen und Schwestern sind ja im allgemeinen dickschädlich und wie Hackklötzer, Sensibilität und ein klitzekleines Einfühlungsvermögen liegt zumindest einem Teil dieser Mannschaft hier nicht und Erfahrungen mit Parkinsonkranken fehlen fast völlig. Ab und an hätten sie schon mal einen "Parki" hier gehabt, aber der Kenntnisstand über diese Krankheit ist hier nach wie vor gleich Null.

Nun ist es im Augenblick bei mir so, dass ich mir vom Morgen bis zum späten Nachmittag sehr viel Mühe gebe und versuche mit großer Konzentration allen meinen vorgeschriebenen Aufgaben gerecht zu werden und es kostet mich eine wahnsinnige Anstrengung, bei allem mitzumachen und voll da zu sein.

Mein großes Glück ist, dass ich auch vor dieser Kur schon immer sehr sportbegeistert war, ansonsten wäre ich nicht in der Lage, all dem, wozu ich mich verpflichtet fühle, nachzukommen.

Die Physiotherapeuten haben immer noch ein Einsehen und sagen, wer die Übungen nicht mitmachen kann, sei es durch Schmerzen oder einfach nur Schwäche, solle lieber darauf verzichten.

Das ist schon wieder etwas, was mir natürlich "peinlich" wäre. Also, wie oben gehabt, anstrengen, konzentrieren und wieder anstrengen! Alles in der Hoffnung, dass es sich doch gelohnt hat, hierher zu kommen, alles in der Absicht, hier mein Gleichgewicht wiederzufinden.

Aber, aber, hört ihr meine Seufzer? Also ich bin hier überhaupt nicht zufrieden! Das geht bei meinem Platz im Speisesaal los, über die Aufnahme weiter und endet damit, dass die Elke schluchzend und heulend hier irgendwo auf dem Gang stecken bleibt und die Schwester dann noch berechtigt ist, mich klein zu machen, weil ich nicht mehr laufen kann, festfriere, die Knie fangen an zu zittern, ich kann mich nur noch mit größter Anstrengung aufrecht halten.