Ein halbes Jahr nach der OP

1. Ein halbes Jahr nach der OP


Es ist jetzt fast ein halbes Jahr her, manchmal denke ich schon eine Ewigkeit, dass ich die THS hinter mir habe.

Wenn ich daran denke, mit wie vielen Ängsten und mit welchen Hoffnungen ich in diese OP gegangen bin!

Aber niemals wäre mir der Gedanke gekommen, dass ich als neuer Mensch daraus hervorgehen könnte. Sicher, so ganz einfach war die OP nicht und vor allem die Wochen hinterher hatten es auch in sich.

2. Es war und ist ein Sieg auf der gesamten Linie.

Sicher, ich bin insgesamt langsamer als vorher, ob das nun das Laufen betrifft oder einzelne Handlungsweisen, ich gehöre jetzt zu den Menschen, von denen man sagt: Komm ich heut nicht, komm ich morgen und wenn es gar nicht anders geht, dann ist übermorgen auch noch zeitig genug.

Manchmal komme ich mir dabei selber etwas seltsam vor. Vor dieser Zeit konnte mir alles nicht schnell genug gehen, habe gleich mal jemanden etwas aus der Hand genommen und selber fertig gemacht, damit es voran ging.

Heute merke ich bei anderen, dass sie fast am Überkochen sind, wenn ich etwas mache. Aber zum Glück nehme ich heute auch alles leichter und ich bin nach wie vor am Genießen und mich des Lebens zu freuen, einmal angesteckt mit diesem Virus bin ich arg in Versuchung, ihn nie wieder loszulassen.Wie lange braucht man eigentlich, um Unschönes und Qualvolles zu vergessen?

Sicher, die Drähte in meinem Kopf und der Stimulator in meinem Bauch, werden dafür sorgen, dass ein Vergessen nicht möglich ist.

Die ganze Kopfhaut ist ständig äußerst straff und ich merke jeden einzelnen Draht. Aber mein Körper und mein Gehirn scheinen sich nun auch langsam damit abzufinden, dass ich stur wie Oskar meinen einmal eingeschlagenen Weg weiter gehe.

Als ich mich das letzte Mal mit so einem Bericht meldete, musste ich noch zugeben, dass ich doch zwischendrin mal Madopar LT genommen hatte.

Na klar, ich hätte es vielleicht einfacher gehabt, wenn ich diese Tabs zwischendrin immer mal wieder genommen hätte. Aber, wenn ich mir einmal etwas vornehme, dann stehe ich das auch in den meisten Fällen durch, eher würde ich mich selber zum Teufel wünschen, als mir etwas durchgehen zu lassen.

War aber nicht nötig, dann wäre ich doch mit meinem Untermieter wieder am selben Ort gewesen, denn wenn ich mich richtig entsinne, habe ich ihn damals zum Teufel gewünscht. Bis jetzt hat er sich auch nicht getraut, hier wieder anzutreten.

Die Knochen und Glieder sind zwar nach wie vor oftmals sehr schwer, aber schon wesentlich besser zu ertragen, denn sobald ich mich dann bewege, fällt so nach und nach die Schwere ab und ich fühle mich dann wieder wie ein Sieger.

Kein Wunder, dass ich immer gute Laune habe und mich wieder an vieles getraue, was ich vorher schon fast aufgegeben hatte.

Was soll ich noch sagen, mir geht es gut, es ist schon fast unheimlich!