14.01.2011

4.5. Ein halbes Jahr zurück ins Leben?


Kann man das wirklich so sagen? Diese Monate haben nicht nur goldene Seiten gehabt. Da ist vieles an Kleinigkeiten, dass sich auch als ziemlich unangenehm herausgestellt hat, wobei ich nicht bei allem sagen kann, dass es eine "Nachwirkung" der Operation ist.

Ich war inzwischen zweimal zu einer Nachuntersuchung in Dresden. Wonach ich dort unter anderem immer wieder gefragt werde, ist nach Süchten.

Haben sie bemerkt, dass sich in ihrem Kaufverhalten etwas geändert hat, spielen sie jetzt mehr Scheine im Lotto usw. usf.

Für mich heißt das, dass dies etwas sehr Wesentliches ist, das dieses Suchtverhalten eines der Ergebnisse ist, das anscheinend mit dieser OP in uns abgelegt wird.

Nun, was das Kaufverhalten anbelangt, ich bin früher gern einkaufen gegangen und ich gehe jetzt genauso gern, ich konnte früher kaum widerstehen, wenn ich eine Tasche gesehen habe, die mir gefällt und die sich noch nicht in meinem Kleiderschrank befand und das ist nach wie vor so.

Aber ihr wisst ja, dass dies nicht alles an Süchten ist, und ich kann mir vorstellen, da ist so mancher schlimm dran.

Ob diejenigen, die mit anderem Befinden zu kämpfen haben, wenigstens VOR DER OP informiert waren, dass sie nach diesem Eingriff schwerer zu tragen haben, dass ihre Sucht noch schwerer zu beherrschen ist?

Ich glaube es nicht, denn ich habe vor der OP von niemandem gehört, dass ich damit vielleicht zu rechnen hätte. Mag sein, dass auch viele von denen, die damit zu tun hatten und haben, sich nicht getrauen, mit ihrem Neurologen darüber zu reden, dass sie Angst haben, dann abgestempelt zu werden.

Ich könnte mir vorstellen, dass man in so einem Fall eine ziemlich große Hemmschwelle zu überwinden hat, mir ging es schon so, als ich Hilfe brauchte wegen meiner Blasen-inkontinenz.

Es war für mich äußerst unangenehm, dieses Thema anzusprechen, aber da sich dieser Zustand nach der OP noch mehr verschlimmerte, nahm ich mein klopfendes Herzchen in beide Hände, tat so, als wäre es etwas ganz Selbstverständliches, darüber zu reden und habe es nach einigem Hin- und Her-überlegen angesprochen, denn auch wenn ich mich schämte, ich brauchte Hilfe, die mir natürlich auch zuteil wurde.

Ich komme heut wieder gut zurecht, aber es hat schon gedauert, ehe ich dies Problem herauslassen konnte.Gestern bin ich nun bei meiner Hausärztin gewesen, um ein anderes Problem beseitigen zu lassen.

2. Veränderungen

Ihr wisst, dass ich vor dieser OP ungefähr 20 Jahre fleischlos gegessen habe.

Noch während meiner Reha-Zeit verspürte ich mal einen unheimlich starken Appetit auf Kurzgebratenes.

Ich lass da nicht gern etwas anbrennen, hatte Zeit zwischen den Anwendungen und machte mich auf den Weg in die nächste Gaststätte.

Da ich zwischendrin Zeiten hatte, in denen es mir schon schlecht wurde, wenn ich nur über irgendeinen Markt gelaufen bin, über dem der Geruch von Rostbratwurst und anderem Fleisch schwebte, bestellte ich mir zunächst ein Kinderschnitzel.

Es kam, es roch nicht unangenehm und mir wurde auch nach dem Essen nicht schlecht. Auch wenn sich das etwas seltsam anfühlte, es hatte mir geschmeckt.

Nach Hause gekommen, klatschten natürlich alle, die der Meinung waren, ich wäre durch das fleischlose Essen so dünn gewesen, Beifall und begrüßten es, dass ich nun doch hin und wieder meinen Gefallen an Kurzgebratenem fand.

Ja, mir schmeckte es auch wieder, aber mit jedem Mal bekam ich jetzt meinen Magen zu spüren, dieses Brennen, dass beim Essen den Verdauungstrakt hinunterlief und sich dann im Magen ausbreitete, wollte nun nicht wieder verschwinden.

Es wurde mehr mit der Zeit und nachdem ich nun auch noch wegen meiner Erkältung hatte Antibiotika schlucken müssen, ging gestern gar nichts mehr und ich musste mich mal wieder in die Hände meiner Hausärztin begeben.

Ich bin überzeugt, dass mein Magen seine Säureüberproduktion nun endlich einstellt. Wieder ein kleines Problemchen gelöst, das aber ganz wesentlich zum Wohlfühlen beiträgt.Wenn nun irgendwann auch noch meine Luftknappheit, die ich, seitdem der Hirnstimulator sich in meinem Bauch befindet, verspüre, unter ferner liefen zu verbuchen ist, dann bleibt mir ja wirklich nichts mehr zu jammern, also muss dass noch eine Weile halten, zumindest bis ich wieder etwas schlanker geworden bin, denn damit hat diese Sache ganz sehr zu tun.