Einzelheiten

20.08.2012

Einzelheiten

Anreise, Freitag, 10.08.12, der Shuttle-Bus der Klinik holt mich vor der Haustür ab. Wir fahren bis Dresden, in die Friedrichstadt - Klinik , nehmen noch eine Frau mit, die an der Hüfte operiert ist und fahren dann in Richtung Bad Schandau.

Die Umgebung ist sehr schön, viel Wald, zum Teil an schroffen Felsabhängen. So richtige Stimmung will bei mir nicht aufkommen, ich denke immer nur, hoffentlich geht das gut!

20.08.2012

Das ist ein rein orthopädisches Haus, keine Neurologie, kein Neurologe!

Ankunft, der Fahrer lädt unsere Sachen aus, wir gehen an die Rezeption, müssen unsere Namen nennen, werden in einer Liste abgehakt und dürfen uns dann setzen und darauf warten, das eine Schwester von der jeweiligen Station kommt, um uns abzuholen.

Es dauert ein Weilchen, es ist Mittagszeit, dann kommt eine und ruft meinen Namen.

Ein freundlicher Gruß (ist wichtig zu erwähnen, weil mir hier ansonsten nicht viel Freundlichkeit begegnet ist.) Wir gehen los und der Schwester fällt plötzlich ein, dann könnte ich ja gleich Mittag essen gehen.

Also Schwenker in den Speiseraum, wir bleiben am letzten Tisch in der linken Ecke stehen - hier ist ihr Platz!

Ein Vier-Personentisch, natürlich von den anderen Dreien keine Spur mehr und ich sitze so, dass ich die Wand anstarren muss.

Meine Seele macht einen Hopser ins Negative, ich bin psychisch angeschlagen und habe jetzt eine Mauer mehr vor mir. Die Schwester sagt noch, wenn sie gegessen haben, sagen sie dem Service Bescheid, sie sollen nach oben rufen, sie werden dann abgeholt.

Ich werde von einer anderen Schwester mitgenommen, die gerade einen Patienten im Rollstuhl geholt hat und wir laufen einen ewiglangen Gang entlang bis zu den Fahrstühlen.

Sie nennen diesen Gang hier den blauen, weil er mit leuchtend blauem Linoleum ausgelegt ist. Ich mag blau, eine schöne Farbe, aber wenn man psychisch gehandicapt ist, wird dieses Blau zu einem Grauen.

Ich merke, wie ich immer langsamer werde, komme fast nicht mehr vorwärts, aber da sind wir endlich an den Fahrstühlen angelangt.

Im 2. Obergeschoß muss ich vor dem Schwesternzimmer Platz nehmen und habe die Zeit zu lesen, was da als Aushang an der Tür angebracht ist.

Das nächste Grausen ist ganz nahe, sagen mir doch diese Zeilen, dass die Schwesternstationen nur von 7:00 Uhr bis 14:00 Uhr besetzt sind.

Was machen diejenigen, die an Hüfte und Knie und wer weiß wo noch, frisch operiert sind und Schmerzen haben? Was machen die Patienten, die nicht nur eine orthopä-dische Sache mitgebracht haben?

"Waaas - mit den Nerven sind sie runter? Sind wir auch! Und wir Schwestern und Ärzte sind auch nur Menschen"!

Stimmt, aber was sind dann wir Patienten? Kleine Tierchen, die ganz lieb stillhalten und possierlich zu allem ja und amen sagen?

In diesem Moment werde ich in das Schwesternzimmer gerufen, es ist schon nach 13:00 Uhr und es ist Freitag. Man merkt es!

Ganz schnell einen Fragebogen durchgehen, dann den Aufnahmearzt anrufen, ja, die Patientin soll gleich noch kommen.

Ich brauche dazu noch ein paar Unterlagen, die sich in meinem Koffer befinden. Na, dann müssen wir schnell gehen und sie holen.

Bis jetzt ist es noch niemandem vom Personal aufgefallen, dass die Patientin schon auf ihrem Stuhl hin- und her rutscht, nach so einer ziemlich langen Fahrt verlangt auch die Blase ihr Recht!

Aber, erst mal ins Zimmer und die Unterlagen holen, Gang ein Stück weiter laufen, Tür auf! - das kann doch nur ein Irrtum sein - da sitzt doch schon jemand in meinem Zimmer!

Mein psychischer Pegel sinkt auf null, aber mein Kopf wird immer unruhiger und ich habe Mühe, mich zu beherrschen. Von einem Doppelzimmer war keine Rede, das kann ja heiter werden.

Unterlagen aus dem Koffer genommen und erst mal schnell wieder raus! Wieder eine Strecke, für mich und meine Lauffähigkeit ein unendlicher Zeitraum, bis wir dort angekommen waren, wo die Ärztin mich untersuchen wollte.

Das dauerte ziemlich lange, denn die Ärztin fragte immer wieder nach, weil sie nicht so richtig verstand, was ich jeweils meinte, entweder habe ich mich zu undeutlich ausgedrückt oder - sie ist aus unserem Nachbarland, vielleicht auch deshalb!

Kurz vor 15:00 Uhr sind wir fertig, ich möchte nochmal ins Schwesternzimmer, weil ich noch einige Erklärungen brauchte - Telefon, PC usw. - aber, das Schwestern-zimmer war schon zugeschlossen, keine Schwester mehr da in unserem Obergeschoß, ich wusste wirklich nicht, soll ich lachen oder weinen.