Enttäuschung

10.11.2013

Und immer kommt es anders, Enttäuschung auf der ganzen Linie ...".

Und dann war alles wieder ganz anders ......

Es sollte ja schon lange wieder losgehen mit dem Schreiben, aber es war und ist wie immer:

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Als die Frau Doktor und ich am 26. April 2013 einig geworden waren, hieß das, ich gehe ins Klinikum Dresden zwecks Neueinstellung der Medikamente UND Neueinstellung des Stimulators, der von Anfang an ziemlich hoch eingestellt worden war.

Wir wollten endlich diesen unmöglichen Zustand, in dem ich mich befand, beenden und quasi noch einmal von vorn beginnen. Unmöglicher Zustand, das bewegt sich zwischen Tabletten zuführen nach unmittelbarem Bedarf, die fast immer zu spürende Steifigkeit und Unbeweglichkeit, die sich aber trotz der vielen Tabs, die ich inzwischen nahm, nicht besserte und gleichzeitiger Überbeweglichkeit, weil ich inzwischen auch bei einer Tablettendosis angekommen war, die nicht mehr zu vertreten war.

Dazu ständige Schmerzen, sie hörten überhaupt nicht wieder auf, es wurden immer mehr Schmerztabletten, die Nebenwirkungen immer stärker.

Die Frau Doktor ließ sich endlich davon überzeugen, dass die hohe Einstellung des Stimulators nicht ganz unschuldig an meinem Zustand war, so kam es zu einem stationären Termin in der Uniklinik. Am 20. Juni 2013 hatte ich endlich einen Termin in der Neurologischen Abteilung, ENDLICH dachte ich

Angekommen in Dresden, in die Patientenaufnahme, dann auf die Station. Dort auch nichts Neues, erst mal stundenlanges Warten im Patientenaufenthaltsraum, bis die Patientin ins Zimmer konnte, wie gesagt, gängige Praxis.

Dann Aufnahme durch den Stationsarzt, immer die gleichen Fragen und Untersuchungen, so hatte man aber wenigstens Vergleichsmöglichkeiten, von einem Aufenthalt zum anderen.

Wichtig vielleicht noch, ich hatte nicht, wie sonst, nur meine Nordic Walking - Stöcke mit, aufgrund meiner Steifigkeit konnte ich so schlecht laufen, dass ich mir mit dem Rollator helfen musste.

Der Stationsarzt hatte natürlich auch wieder zusätzliche Bögen auszufüllen, nicht schwierig, aber eigentlich doch, denn dort sind alle Fragen zu finden, deren Beantwortung unmittelbar auf unseren geistigen Zustand hin ausgewertet wurden.

Das erfuhr ich dann sofort, als der Herr Professor mit zur Visite kam, ich hatte mich bei unserem Stationsarzt darüber ausgelassen, was ich von der Diagnose manisch depressiv halte.

Wie ich das sagen könnte, ob ich mich besser kennen und auskennen würde, als meine Ärzte. Naja, habe ich nur gedacht, hier klappt die Kommunikation ja ausgezeichnet!

Und das ich mich und meinen Körper besser kannte und kenne als die Koryphäen in diesem Klinikum, dass sollte sich noch herausstellen, leider für mich auf eine sehr schmerzhafte Art und Weise.

Aber weiter im Text! Zunächst wurden die Medikamente so eingestellt, wie es nach dem letzten Plan der Frau Doktor im Bericht stand, für mich viel zu wenig Dopamin, aber zumindest keine Überbeweglichkeit mehr.

Ich war nur noch steif oder wie man hier sagt: unterbeweglich!

Das hielt mich aber auch nicht davon ab, mit meinem Rollator auf der Station hin- und herzulaufen und auch mal draußen eine Runde um die Gebäude zu gehen bzw. in einen der schön angelegten Parks, schließlich war zu dieser Zeit das tollste Sommerwetter, dass man sich vorstellen konnte.

Am Montag, 24. 06. erschien meine Frau Doktor auf der Station, die zusammen mit unserem Stationsarzt den Tiefenhirnstimulator neu einstellte.

Obwohl es immer sehr unangenehm ist, den Stimulator abzuschalten, Strom fließt dann durch den ganzen Körper und bei mir geht immer sofort ein riesiges Zittern los, aber es ging alles gut, ich war froh, nun nicht mehr so hoch eingestellt zu sein und die beiden LT´s brachten mich dann wieder in meine gewohnte Gangart zurück.

Die gewohnte Gangart, das hieß auch Physiotherapie und andere Behandlungen. Ich nutze das immer sehr gern, ich weiß, dass ein Parki viel Bewegung braucht, wenn er "lauffähig" bleiben will und so gehörte ich zu den "Freiwilligen", die schon früh ab 7:00 Uhr vor der Physiotherapie "herumlungerten", um ihre Übungen zu absolvieren.

Aber, ab dem 25.06.13 hatte ich Schmerzen im linken Oberschenkelbereich bis in die Hüften, dass Laufen wurde immer schwieriger und ich konnte vor Schmerzen mit dem linken Bein überhaupt nicht mehr richtig auftreten.

Ich sagte das bei den Visiten, zusammen mit unserem Stationsarzt war der Herr Professor dabei.

Die beiden Herren gaben sich redliche Mühe mit meiner Medikamentenneueinstellung, die Medikamente wurden immer weiter heruntergefahren - u.a. auch die Schmerzmedikamente!

Obwohl ich bei jeder Visite immer von neuem auf meine Schmerzen hinwies, obwohl ich in der Physiotherapie darauf hinwies, dass die Schmerzen immer mehr wurden, erklärte man mir daraufhin immer wieder, der Stimulator wäre zu hoch eingestellt gewesen, dass hätte unter anderem zu Dystonien, die auch sehr schmerzhaft sein könnten geführt und das würde sich mit der Neueinstellung der Medikamente schon geben.

Sowohl die Parkinsonmedikamente als auch die Schmerzmittel, die ich bis dahin genommen hatte, wurden immer weiter runtergefahren und ich konnte jeden Tag schlechter laufen.

Unser Stationsarzt hatte inzwischen ein Einsehen sagte, na gut, ich verständige die Orthopäden, sollen die mal ein Auge auf das Bein werfen. Von den Orthopäden kam keine Antwort, auch nicht nach mehrmaligem Nachhaken unseres Stationsarztes.

Trotz allem habe ich jeden Tag mit meinem Rollator einen Spaziergang gemacht, ich wollte mich nicht unterkriegen lassen.

Es war wunderschönes Sommerwetter und unser Physiotherapeut hatte einen Spaziergang an die Elbe in Aussicht gestellt, um uns zu zeigen, welche Ausmaße das Hochwasser gehabt hatte.

Am Anfang habe ich noch, wenn auch schon mit großer Mühe, Schritt halten können mit den anderen männlichen Patienten, die mitgelaufen sind. Als wir aber fast am Ziel waren, musste ich meinem Physiotherapeuten sagen, dass ich nicht weiter mitlaufen könne, weil ich Schmerzen habe und ich würde langsam wieder zurück in die Klinik laufen. Gesagt, getan- ich drehte um und die anderen liefen weiter!

Als ich mit viel Mühe fast vorn an der Strasse angekommen war, redete mich eine Frau an, die sich mit ihrem Hund auf dieser Elbwiese befand. Sie war ganz verzweifelt, denn sie hatte ihren Hausschlüssel verloren, der anscheinend zu einer Schließanlage gehörte, denn sie beschrieb , dass sie dann auch da und dort den Raum nicht mehr öffnen könnte und dass somit ein neuer Schlüssel ein teurer "Spaß" wäre.

Natürlich hätte ich weitergehen können, aber es ging mir wie immer, wenn ich direkt oder indirekt um Hilfe gebeten werde - ich musste ihr helfen, auch wenn es ziemlich aussichtslos schien, den Schlüssel zu finden.

So suchten wir zuerst zusammen vorn am Weg das Gras ab, dann hatte sie die Hoffnung aufgegeben, den Schlüssel hier zu finden und entfernte sich immer mehr.

Sie war mit ihrem Hund schon ziemlich weit von meinem Standort entfernt, als ich den Schlüssel doch noch im Gras liegen sah. Ein Glücksgefühl wollte sich bei mir nicht einstellen, denn die Schmerzen waren inzwischen fast unerträglich für mich geworden.

Ich rief so laut wie ich konnte und juchuute, denn auch mit dem besten Willen, ich war nicht mehr in der Lage, ihr hinterherzulaufen und ihr den Schlüssel zu bringen. Es dauerte eine Weile, bis sie reagierte und den Weg zu mir zurück nahm, anscheinend konnte sie gar nicht glauben, dass der Schlüssel wieder da war.

Sie bedankte sich und fragte, ob sie etwas für mich tun könnte, ich lehnte ab und machte mich nun endlich auf den Weg zurück in die Klinik.

Hinterher habe ich es sehr bedauert, dass ich sie nun meinerseits nicht um Hilfe gebeten hatte, mich zurück in die Klinik zu begleiten, denn die Schmerzen wurden immer mehr, das Bein wurde immer schwächer.

Der Rücken drohte fast durchzubrechen, ich kam immer langsamer vorwärts, jeder Schritt wurde zur Qual und ich musste sehr oft innehalten, immer mit dem Gefühl, jetzt klappst du zusammen und dann liegst du hier und kannst nicht weiter.

Als ich aufgeben wollte, einfach auf dem Fleck bleiben wollte, auf dem ich mich gerade befand, sah ich rechter Hand über die Straße einen Taxistand und welch ein Glück für mich, es standen drei Taxis dort, die anscheinend auf Fahrgäste warteten.

Ich dachte nur noch - alle drei können ja nicht weg sein, wenn du drüben angekommen bist und setzte mich mühsam wieder in Bewegung. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich am Ziel angelangt, mit dem Taxifahrer einig geworden, dass er mich ins Klinikum ins Haus 27 bringt.

Dort angekommen, wartete noch eine Strapaze auf mich. Ins Haus und den ersten Fahrstuhl genommen, musste ich, auf der richtigen Etage angekommen, noch einen ewig langen Gang bis in meine Station bewältigen, an den Sprech-, Ärzte- und Wartezimmern und den Patienten-aufenthaltsräumen der Urologie vorbei, an der Station der Parkis vorbei, die stark pflegebedürftig, versorgt werden müssen, an den Zimmern vorbei, die den Ärzten vorbehalten sind.

Ich war unendlich erleichtert, meinen Stationsarzt noch in seinem Zimmer mit jemandem sprechen zu hören, nein, nicht das jemand auf den Gedanken kommt, ich hätte gelauscht, die Türen zu diesen Zimmern stehen meistens offen und man findet eigentlich immer einen Arzt vor, der dort am Computer arbeitet oder Gespräche führt. Auch wenn ich es nicht so gern mache, meine Ärzte außerhalb der Visiten anzusprechen, ich befand mich in einem Zustand, in dem ich dringend Hilfe brauchte.

Der Herr Doktor versprach, dann noch einmal auf die Station zu kommen und nach mir zu sehen. Auf ihn konnte man sich auch unbedingt verlassen, er kam, schaute, ließ sich erzählen, was los war und versprach, den Orthopäden der Klinik Bescheid zu geben und sie zu bitten, meinen Zustand zu begutachten. Das alles geschah am 27.06.13.

Von den Orthopäden kam keine Antwort, bei nochmaligen mehrmaligen Nachhaken geruhten die Herren Orthopäden per Stationscomputer, ohne mich gesehen zu haben, zu antworten, das wäre nicht lebensnotwendig, die Patientin solle zuhause ihren Orthopäden aufsuchen.

Bis dahin waren aber schon einige Tage vergangen, ohne dass die Bemühungen meines Stationsarztes Früchte getragen hätten, die Herren Orthopäden verweigerten mir ihre Hilfe. Unser Herr Doktor hat in dieser Zeit 15mal in der Orthopädie angerufen, das Ergebnis war gleich null!

Der Herr Professor, der sich mir gegenüber so geäußert hatte: Der Herr Doktor S. wird es heute nochmal versuchen und wenn sich dann niemand meldet, rufe I C H dort an, hatte das entweder gleich vergessen oder hatte auch keinen Erfolg, ich will da niemandem etwas unterstellen!

Ich war entsetzt, nachdem mir übermittelt worden war, es wäre nicht lebenswichtig. Sicher, ich war nicht dem Tode geweiht und aber auch sicher, ich habe nicht genug gejammert!

Auch sicher, ich war mit Schmerzen in diese Uniklinik gekommen und ich hatte so viel Hoffnung, dass ich wieder mobiler nach Hause gehen würde, denn bis jetzt hatte das immer geklappt.

Der Herr Professor hatte mir einen Riesenvortrag gehalten über Depressionen, weil ich nach wie vor der Meinung bin, die Diagnose manisch Depressiv trifft für mich nicht zu und dann ließen sie mich jeden Tag mehr Schmerzen erleiden, ich konnte jeden Tag schlechter laufen, weil ich mit dem Fuß nicht mehr auftreten konnte.

Und - ich hatte mir diese wahnsinnigen Schmerzen erst während meines Aufenthaltes in der Uniklinik Dresden zugezogen, warum sollte ich sie da wieder mit nach Hause nehmen?

Vielleicht die Unlogik einer Patientin, die trotz dieser wahnsinnigen Schmerzen nicht doch noch in Depressionen abgleiten wollte. Aber- Herr Professor - hier ist der Weg nicht sehr weit davon entfernt, ich hoffe, dass man nicht auf diesem Wege mit seiner Diagnose Recht behalten wollte.

Dies alles geschehen in der Woche vom 01. - 07.0813.

Am 04.08.13 musste unser Herr Doktor das Gespräch mit mir führen, dass es an der Zeit wäre, die Klinik wieder zu verlassen und nach Hause zu gehen.

Nach allem, was ich hier erlebt hatte, war mein Bedarf an Uniklinikum bis oben ran gedeckt und ich willigte ein, am 06.08.13 die Klinik in Richtung Heimat zu verlassen.

Am 04.08.13 kam ein glücklicher Herr Doktor in unser Patientenzimmer, um mir mitzuteilen, er hätte nun doch noch, nach 15maligem Anrufen erreicht, dass ein Orthopäde sich dieser "Sache" annimmt. Ich hätte am 05.08.13 einen Termin in der Orthopädie.

Ich konnte diese Freude leider nicht teilen und äußerte mich auch, die wollten mich nicht anschauen und sie werden jetzt auch nichts finden, sie wollen nicht.

Der Herr Doktor sah das anders und da er sich so viel Mühe gemacht hatte, wollte ich ihn nicht enttäuschen.

Einen Tag, bevor ich nach Hause gehen sollte und wollte, das hätten sie sich wirklich sparen können.

Ein Herr Dr. Seifert war in der ambulanten Sprechstunde der Orthopäden mein "behandelnder Orthopäde". Ich war im Rollstuhl dort in die Ambulanz gefahren worden, in diesem Rollstuhl blieb ich auch bis auf eine kurze Untersuchung, in der wie üblich das linke Bein gestreckt und in den Knien wieder angebogen wurde.

Das wären Schmerzen, die nicht vom Rücken kämen, sondern da muss irgendetwas im Bein sein, ich schick sie noch zum Röntgen! Natürlich fand sich beim Röntgen nichts in dem Bein.

Es war auch dort in der Orthopädie bekannt, dass ich schon über viele Jahre Schwierigkeiten mit der Bandscheibe habe, auch meine Osteoporose ist bekannt.

Und was die Koryphähen in der Orthopädischen Abteilung des Klinikums Dresden nicht finden konnten, meine Hausärztin ist drei Tage später mit nur einer Hand über meinen Rücken gefahren, hat DIE STELLE dabei sofort gefunden, an der es hakte und auf Anhieb festgestellt, dass diese wahnsinnigen Schmerzen doch vom Rücken kommen.

Auch meine Orthopädin sah mich aufstehen und laufen und sagte sofort, das ist wieder der Rücken und wies mich in eine orthopädische Klinik ein.

Wie es weiter ging, ein anderes Mal, denn ich kann vor Schmerzen nicht länger sitzen, das, obwohl inzwischen reichlich 4 Monate vergangen sind, dazu kommt, dass Schmerzen und Konzentration meine Dopaminlager leer fressen und ich mich schon wieder in einer Phase der Steifigkeit befinde.
Und das alles, weil mir die Orthopäden des Uniklinikums Dresden die Erste-Hilfeleistung versagt haben, was sind das bloss für Ärzte!!! Sie machten durch ihre Verweigerung alles kaputt, was die anderen Ärzte auf meiner Station, die Schwestern und das gesamte Team der Neurologischen Station schon wieder aufgebaut hatten und ich habe immer geglaubt, in so einer Klinik, noch dazu in einer Uniklinik, die auch ausbildet, hat man es mit Fachkompetenz und mit dem Berufsethos von Menschen zu tun, die den Hippokratischen Eid abgelegt haben, mir hätte schon eine einfache Schmerzinfusion geholfen und ich wäre jetzt nicht mehr in diesem schlimmen Zustand.