Erste Bilanz

19.07.2010

Erste Bilanz ziehen nach erfolgter THS

Irgendwann ist es immer soweit, man will Bilanz ziehen, man will wissen, hat sich der ganze Aufwand gelohnt, ist überhaupt etwas dabei herausgekommen, haben sich die Hoffnungen, mit der man der ganzen Sache entgegengefiebert hat, erfüllt?

Musste man vielleicht Kompromisse eingehen oder ist das Ganze so ausgefallen, dass lediglich die Ärzte sagen können, OP erfolgreich, Patient endlich in einem Zustand, in dem er ganz uns gehört , folgsam, brav und als weiteres Versuchsobjekt!
Ich will mal nicht so gehässig werden, denn ich für meinen Teil kann den Ärzten, ob hier in der Reha, oder auch im Klinikum Dresden nur bescheinigen, dass sie das Beste für den Patienten herausholen wollen.

Ich weiß auch, dass es viele von uns Parkis gibt, die mit dieser Hoffnung gekommen sind:
Stimulator rein, einstellen, Medikamente weg und dann ist alles wieder gut.
Wie schon in einem Beitrag zuvor erwähnt, das ist der Unwissenheit vieler geschuldet und in erster Linie der Unwissenheit vieler Neurologen.

Sie sind die Kontaktpersonen vor der OP, sie müssten Auskunft geben können, wie das Ganze funktioniert. Aber sie verstecken sich und ihre Unwissenheit hinter Allgemein-plätzen.

Nachdem ich nun bis hierher gekommen bin, kann ich da nur sagen, die Medizin ist ein Bereich mit unermesslichen Möglichkeiten, etwas für die Menschheit zu tun. Aber, sie ist auch ein Gebiet, das voll behaftet ist mit Irrtümern, das so sehr abhängig ist vom Wissen, vom Können der einzelnen Ärzte in Person.

Die Medizin ist ein Gebiet, vollstens mit Stress in jeglicher Art behaftet, ein Bereich, in dem jeder einzelne, der damit zu tun hat, gut daran tut, sich zu informieren, selber auf sich aufzupassen und immer wieder zu kontrollieren:

Sind sie noch dran, ist das auch noch MEIN ZIEL oder halten sie sich schon längst in anderen Regionen auf!

Das geht los, bei der Medikamentenkontrolle, schon hier passieren viele Irrtümer und jeder Patient sollte es sich zur Angewohnheit machen, seine "Pillendose" gründlichst unter die Lupe zu nehmen.

Hier ist Misstrauen immer angesagt und wenn man eine neue Form, eine neue Farbe entdeckt, tut man gut daran, erst mal fragen zu gehen, was da schon wieder neues zu schlucken wäre, bevor man sich "vergiften" lässt.

Das nächste sind die Zeitabstände, die sehr wichtig sind bei uns Parkinsonpatienten. Zumindest hat man mir das so "eingebleut".

Das Klinikpersonal denkt da anders und ich sage absichtlich - Klinikpersonal - weil das in allen Kliniken so gewesen ist, in denen ich gelegen habe.

Da heißt es am laufenden Band:
Ach, hier sind noch Tabs, die hätten sie eigentlich schon vor dem Essen nehmen müssen, tut mir leid, aber wir waren so im Stress usw. usf.

Erste Bilanz

19.07.2010

Hier sind immer die die "Dummen", die nicht mehr in der Lage sind, ihre Medikamente, die Einnahmezeiten und überhaupt irgendeine Form der Kontrolle auszuüben.

Das gehört in den Bereich:
Naja, das sind Parkinsonkranke, da ist sowieso nicht mehr viel zu machen, da ist das alles ja nicht so schlimm!
Ich habe auch darüber schon einmal geschrieben.

Zeit nun, zu dem zu kommen, worauf ich eigentlich hinauswollte. Die Einstellungen gehen ja jetzt erst so richtig los. Wer sich erinnern kann, ich habe von einer magischen Zahl gesprochen, die da 6 Wochen beträgt. Dazu muss ich jetzt sagen, diese Wochen braucht man wirklich, um erst mal wieder auf die Beine zu kommen.

Es war eine harte Zeit für mich, hier immer wieder Geduld aufzubringen. Ich bin ein sehr tätiger Mensch, der immer versucht, zwanzig Dinge auf einmal zu tun und der sich, wenn ihm das nicht gelingt, auch regelrecht kasteien kann.

Und jetzt hieß es hier immer wieder, sie können noch nicht losrennen, sie dürfen sich nicht überanstrengen, das müssen wir auf später verschieben, dafür sind sie noch viel zu schwach und immer noch mehr und mehr, worin ich mich in Geduld üben sollte.

Auch wenn es dann so manches Mal in mir gekocht hat, wenn ich dann mal wieder mit dem Kopf durch die Wand wollte, merkte ich doch immer sofort, wie Recht die Ärzte haben, diese OP ist nicht so ohne und man sollte froh sein, wenn die Ärzte das so einschätzen, wie sie es in diesem Fall auch tun.

Aber, wenn der Stimulator implantiert ist, zeigen sich ja erste Ergebnisse, auch wenn er noch gar nicht läuft. Schon allein das Andocken an den einzelnen Polen im Gehirn bewirkt eine Änderung der ganzen Situation.

Man befindet sich schon allein deshalb in Hochstimmung, weil die Merkmale, die Symptome, die vor der OP zu der OP geführt haben, nicht mehr da sind.

Für mich hieß das, diese wilde Zappelei, das wilde Ummichschlagen mit anschließenden Offzuständen waren wie weggeblasen.

Ihr könnt mir glauben, das ist ein herrliches Gefühl, es macht sicher, man kann sich wieder unter die Menschen mischen, ohne dass man sich vorkommt wie ein dressiertes Zirkusäffchen, das da ist, um die Massen zu unterhalten.

Endlich wieder ein Mensch unter Menschen zu sein, allein dies ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es macht glücklich, es trägt Dich in einen siebten Himmel, es ist Lebensfreude pur!

Kein Wunder, wenn man da im Allgemeinen davon spricht, dass die Operierten sich in einem Zustand der Begeisterung, in einem nicht enden wollenden Rausch befinden.

Waren doch die meisten von uns in den Jahren bzw. Monaten vor der OP der verzweifelten, hoffnungslosen, deprimierenden Situation ausgesetzt, nicht einmal mehr die Dinge tun zu können, die man für den Alltag so braucht, das geht los mit der Körperpflege und dem Toilettengang bis hin zu allem, was das Leben bisher wenigstens noch ausgefüllt hatte.

Ich weiß nicht, wie andere regieren, Mausi hat mir nach einem Beitrag aufgeschrieben, ich hätte mich ganz eindeutig mit dem "Virus Lebensfreude" angesteckt.

Und sie hat Recht, wie sie immer alles richtig einschätzt. Dieser Virus steckt in mir und nichts und niemand konnte ihn bisher verscheuchen.

Natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, die nicht so toll sind. Bisher war da immer wieder Steifigkeit vorhanden, wo sonst Zappelei vorherrschte, aber diese Steifigkeit kostet mich längst nicht soviel Kraft, wie mich vorher die Zappelei gekostet hat.

Und auch, wenn es manchmal soweit führt, dass die Atemnot wieder da ist, dass ich so weit runter bin, dass ich mich kaum noch bewegen kann, mir gelingt es immer öfter, diesem Zustand die Angst zu nehmen, mir fällt immer öfter ein, was Frau A...., eine Psychologin, die mich von Anfang an im Klinikum Chemnitz betreut hat, gesagt hat:

Irgendetwas geht immer und wenn es nur die Atmung ist. Wie recht sie hat, auch wenn es schwer ist, Luft zu holen, mit ruhiger, zielgerichteter Atmung komme ich aus diesem Zustand wieder heraus! Das beste Zeichen, dass ich mich auf dem Weg der Besserung befinde.

Alles in allem, ich weiß nicht, was noch auf mich zukommt. Ihr werdet es erfahren!


Aber ausgerüstet mit dem, was ich bis heute an Gefühlen und Empfindungen hier investiert habe, ausgerüstet mit den Erfahrungen, die ich bisher sammeln konnte, kann ich nur sagen, die OP ist erfolgreich gewesen und auch wenn es viele schmerzliche Augenblicke gab, ich würde mich jederzeit wieder dem Messer von Herrn Dr. Koy anvertrauen.