Erste Einstellungen

Mit Hilfe der Medizin kann man aus dem Menschen einen Clown machen


Es war eine sehr, sehr lange Nacht, die kein Ende nehmen wollte, aber irgendwann wurde es schließlich draußen doch hell und ich nahm wieder Geräusche wahr, die in den frühen Morgen gehören, das erste Vogelgezwitscher z. B. und ich konnte auch mit verfolgen, wie sie sich in den Baumwipfeln von einem Ast auf den anderen schwangen, wie es durch das Lüftchen, das dort draußen ging, sie sich in den Ästen wiegten.

Das ist etwas, was mir hier in diesem Klinikum sehr gut gefällt, bei allen Bauarbeiten wird anscheinend strikt darauf geachtet, dass der Baumbestand erhalten und weiter ausgebaut wird. Die Zimmer, in denen ich jeweils lag, hatten immer einen Blick ins Grüne, wenigstens auf eine Baumgruppe, einen kleinen Park und ähnliches.
Nochmaliges Klingeln und ich bat die Schwester: Holen Sie mich bitte endlich hier raus aus diesem Bett.

Wo wollen sie denn hin? Sie können doch jetzt nirgendwohin!

Egal, ich möchte aus dem Bett heraus, ich setze mich an den Tisch! Noch ein wenig Hin und Her, dann fand ich mich in meine Decke eingehüllt am Tisch am Tisch wieder.

2. Wieder eine falsche Hoffnung


Wenn ich aber Hoffnung hatte, dass es nach so einer Nacht ein Einsehen gab, dass vielleicht gleich jemand kommen würde, um mich zu waschen, denn ich selber konnte mich nach wie vor nicht rühren, ja dann hatte ich mich gründlich geirrt.

Starr und steif auf meinem Stuhl sitzend, den Oberkörper immer mehr nach unten sinken fühlend, saß ich nun da und harrte der Dinge, die da kommen sollten, vor allem - die Nacht sollte endlich vorbei sein, diese Quälerei musste doch endlich ein Ende haben.

Immer wieder kurz einschlafend und fast mit dem Kopf auf dem Tisch, hörte ich, wie eine Frühschwester kam, die nächste, wie sie sich alle im Schwesternzimmer trafen, wie sie redeten und dann endlich zu den Nachtschwestern, Tschüss und schlaft gut sagten!

Tiefes Luftholen - jetzt ist die Nacht wirklich vorbei, das hältst du nun auch noch durch!
Die ersten starken Geräusche, die man so in der Klinik früh hört, entfernten sich sehr rasch in eine andere Richtung. Naja, denkt man, da sind eine Menge anderer Schwerkranker, die müssen gewaschen und umgelagert werden,

aber - hätte nicht wenigstens eine Schwester den Kopf hereinstecken und sagen können, es dauert nicht mehr lang, dann helfen wir ihnen.

Naja, ist halt wieder typisch Elke - Wunschträume fürs Krankenhaus, Dinge, die man selber so machen würde, wäre man ..., aber man ist nicht, man ist Patientin.


3. Die Blase macht sich bemerkbar

Zeit vergeht, noch immer niemand da, jetzt muss ich aber trotzdem klingeln, die Blase macht sich bemerkbar.

Es kommt jemand von den Schülern, fragt nach Begehr und muss erst wieder gehen, um einen Rollstuhl zu holen, um nichts in der Welt setze ich mich auf diesem Stuhl dann auch noch auf eine Bettpfanne!

Es wird ein sehr schwieriges Unterfangen, ehe ich im Bad angekommen und auf der Toilette sitzen kann, ist es schon fast zu spät, gottseidank nur fast.

Wenn ich jetzt aber glaubte, sie bliebe gleich dabei, um mir beim Waschen zu helfen ......

4. Schüler und Praktikanten müssen fragen

Da muss ich erst noch die Schwester fragen gehen, na gut, Schüler und Praktikanten dürfen nicht machen, was sie wollen!!!

Das ich mich mit meiner Nachsicht wieder einer ziemlichen Wartezeit aussetzte, das wurde mir erst bewusst, als sie ewig nicht wiederkam und ich zu tun hatte, mit dem Oberkörper aufrecht zu bleiben.

Wieder glaubte ich, dass eine wahnsinnig lange Zeit vergangen war, als die Tür aufging und einer der Praktikanten kam, um mir beim Waschen zu helfen.


Ich bin ganz gewiss nicht prüde und habe auch nichts dagegen, mal von einem jungen Mann gewaschen zu werden, ist mir in vielen Kliniken schon passiert und es hat mich nicht gestört, aber nach dieser Nacht empfand ich es als Zumutung und wenig einfühlsam, mich dem auch noch auszusetzen.

Natürlich haben wir es geschafft, frisch geputzt, angezogen saß ich endlich in dem Rollstuhl, mit dem er mich nach unten bringen sollte, dorthin wo die Neurologen ihr Heiligtum haben.

Er tröstete mich noch, nachdem wir nur über eine andere Station in das für mich geltende Wartezimmer gelangten, denn obwohl ich einen Termin hatte um 7:30 Uhr, war die ganze Neurologie noch abgeschlossen.

Wir gelangten eben über die besagte nebenstehende Station dort hinein, es wäre bisher immer so gewesen, wenn wir einen Termin hätten, dann würde es nicht lange dauern und kämen zu diesem Zeitpunkt auch dran.

Schon hatte ich wieder so ein leichtes Anschlagen von Alarmglocken im Hinterkopf, aber ich bemühte mich sehr darum, es nicht zum Vorschein kommen zu lassen.

Mein Praktikant hatte es nicht geschafft, mir eines der Tücher um den Kopf zu wickeln, die ich sonst trug, um Verbände und den Kahlschlag auf dem Kopf zu verdecken.

Das wäre sicher auch zuviel verlangt gewesen, hätte er das auch noch machen müssen. Ich selber wurde immer mehr steif und konnte mich immer weniger rühren.

5. Endlose Wartezeit

Wieder Wartezeit, im Zimmer dort befand sich eine Uhr, deren Zeiger sich langsam in Richtung 7:45 Uhr bewegten, immer noch niemand, sollte diese Nacht nie ein Ende haben, nicht mal gefrühstückt hatte ich, oben auf der Station waren sie noch nicht so weit gewesen.

Dann kam endlich der verantwortliche Neurologe, aber - er sagte zwar, Guten Morgen, Frau Ratayski, aber hinterher folgte dann auch gleich, die Frau Dr. kommt gleich!

Weiter warten, langsam wird es kalt, ich bin kurzärmelig angezogen und ich kann mich nicht rühren. Es ist schon 8:00 Uhr als die Frau Dr. endlich auftaucht - hallo, Frau Ratayski, ich hole sie gleich nach!

Was ist schon gleich, lassen wir es liegen, ohne es auf eine Prüfwaage zu legen. Dann endlich, endlich bin ich dran, Guten Morgen, Frau Ratayski, schön dass sie da sind! -

Ich konnte ja nicht weglaufen, war das einzige, was ich noch herausbrachte.

Und dann begann das erste Einstellen des Hirnstimulators.

Strom auf die Drähte, immer wieder, mal eine kleinere Dosis, dann mehr und mehr.

Wenn ich dachte, es geht gar nichts mehr - mit einer kleinen Prise mehr an Strom, verzogen sich die Arme in alle Richtungen, verzog sich der Mund, die Zunge ließ sich schwerer und wieder leichter bewegen, die Augen verdrehten und verzogen sich, die Lider ließen sich nicht mehr verschieben bzw. nach oben ziehen, Strom in allen Körperteilen, Beine verkrampften sich, die Zehen krampften noch mehr.

Halte durch, du musst das aushalten, schließlich geht es um Deine Einstellung, sie müssen schließlich herausfinden, was das Beste für dich ist.

Immer wieder ein Ausprobieren bis in Verzerrungen, immer wieder das Aufzählen der Wochentage und sagen sie einmal: spitzer Stein.

Es geht auf 10:00 Uhr zu, als es endlich heißt wir müssen nur noch einen Pool durchlaufen, dann haben wir es geschafft.

Ich konnte nicht mal mehr "endlich" denken, sondern sammelte schon wieder an bösen Bemerkungen, die ich machen konnte, wenn die Frau Dr. immer wieder zwitscherte:


6. Oh, sie sind so schön im Off

Oh, Frau Ratayski, sie sind soooo schön im OFF, das bekommen wir nicht so schnell wieder, da probieren wir am besten gleich noch dieses und jenes!

Ich war völlig erschöpft und dachte daran, was sie jetzt macht, das macht sie für dich, also halte durch und an dich!

Und dann hieß es, ich bringe sie jetzt vor ins Wartezimmer und rufe auf der Station an, dass sie geholt werden!

Ins Wartezimmer! Da saßen um diese Zeit die Patienten von außerhalb. Sie schob mich dort hinein, jede Menge Leute, die mich anstarrten und schnell wieder beiseite schauten und dann nicht mehr hinsahen!

Zum Glück kam der junge Mann, den ich ja nun schon kannte, ganz schnell, und holte mich wieder hoch auf die Station, wo die Schwestern jetzt um mich herumtruselten, Frühstücksbrötchen schmierten.

Ich wollte nur meine Tabletten, mit denen ich halbwegs wieder alles in die Reihe bringen konnte, mit deren Hilfe mein Körper endlich wieder funktionieren sollte, dann konnte ich nur noch umfallen und schlafen.