1.3. Erste Gedanken nach der Diagnose

Erste Gedanken nach der Diagnose

20.04.2010

1. Nach dieser Diagnose


Die Wegstrecke von meiner Wohnung zur damaligen Neurologischen Praxis war normalerweise in 15 höchstens 20 Minuten bewältigt. Für mich ist nicht mehr nachvollziehbar, welche Umwege ich damals gegangen bin.

Zu Hause angekommen, konnte ich lediglich feststellen, dass viel länger unterwegs gewesen war, für mich eine kleine Ewigkeit!
Geblieben ist in meiner Erinnerung ein riesiges Feuerrad, das immer schneller lief, bis es meinen ganzen Kopf ausfüllte, mit Hitze, Brennen und sich überschlagenden Gedanken, die eigentlich immer nur dieselben waren:

Warum ich? Strafe? Wofür? Alles vorbei? Was soll nun werden?

Aus heutiger Sicht: ja nachvollziehbar, aber, quälende Gedanken, dabei hatte ich nicht den leisesten Hauch von Ahnung, was mit dieser Krankheit dann so alles in den nächsten Jahren auf mich zukommen würde!


2. Parkinson - was ist das?

Was wusste ich denn schon darüber! In meiner Familie gab es niemanden mit dieser Krankheit und, kaum jemand, der nicht ziemlich eng damit konfrontiert wird, beschäftigt sich intensiv damit.

Parkinson, das sind die, die immer so zittern! Eine chronische Krankheit, es wird dir immer schlechter gehen mit der Zeit, sie haben ja immer noch nichts gefunden, was alles wenigstens aufhalten könnte!

Ausgerechnet jetzt!

Die Umschulung hättest du dir sparen können, mit 42 warst du sowieso die Oma in der Klasse und dann noch diese Sprachenprüfung in Bonn, dieses Zittern damals, dein Körper wollte sich gar nicht mehr beruhigen, dieses Zittern kam ganz tief von drinnen und dann herausgequollen wie ein dicker klebriger Brei. Aber, wo kam das her?

Bloß gut, dass nicht so viele Leute hier sind. Nee, so soll dich niemand sehen!

3. Wirre Gedanken

Niemand darf wissen, warum du so bist, wie im Moment, du weißt doch selbst kaum etwas über diese Krankheit und alle denken, das ist Alzheimer, dass kannst du überhaupt nicht gebrauchen! Meine Arbeit - was soll denn werden und warum wollte ich denn auch allein bleiben oder ist es besser niemandem zur Last zu fallen?

Jetzt reicht´s aber, wenn du so weitermachst, drehst du beizeiten durch, machst dich damit total fertig, als wenn du nicht schon genug durchhängst! Vielleicht will Dich jemand bestrafen!!?? Aber warum denn, hör endlich auf damit.

Es hat trotzdem noch eine ganze Weile gedauert, bis ich mich endlich eingeholt hatte und wenigstens ansatzweise wieder versuchte, mit mir und den neuen Umständen klarzukommen. Dass ich mich dabei sehr verändert hatte, habe ich selbst, im Gegensatz zu den anderen, erst viel später wahrgenommen.

Für mich war eine Welt zusammengestürzt!