2. Abschied von der Arbeit u.m.

Gespräch mit meinem Sir!

Hallo Sir James, ich muss mit dir reden. Was sollte denn das Theater gestern wieder?! Du weißt genau, wie wichtig mir der Termin gestern bei meiner Hausärztin war.

Bitte???? Nun halt aber die Luft an:

ICH war es zwar, die mit soviel Zappelei, dass der Stuhl auf dem ich saß, fast auseinander gegangen wäre und er derartige Geräusche von sich gab, dass die eine Patientin, die sich neben mich gesetzt hatte, aufstand und ohne ein Wort einen anderen Platz suchte, sah echt aus wie Flucht.

Und hast du nicht gesehen, dass die andere immer mehr in sich zusammengekrochen ist, aber du weißt ja nie, wann du aufhören musst!

Jetzt ningel mir aber ja nicht dagegen. Hast denn du überhaupt kein Gespür dafür, wie sehr man sich deinetwegen schämt?

Ich versuche jetzt seit 12 Jahren, mit Dir und mir und allem, was dazwischen liegt, zurechtzukommen. Und immer habe ich geglaubt, dass ich mit der Zeit gelernt habe, dich mit allem, was du mir antust, irgendwann akzeptieren zu können. Kannst du denn nicht einmal im Hintergrund bleiben, gerade jetzt?

2. Veitstanz?

Du zwingst mich zu solchen Verrenkungen, so dass mir von einer Ärztin gesagt wurde - das glaube ich nicht, dass sie Parkinson haben, mir sieht das eher nach Corea Huntington aus!

Und das, obwohl ich da schon vorbereitet und mit Beruhigungs-mitteln bedacht, vor einem OP-Saal darauf wartete, hineingeschoben zu werden, um eine Augen - OP hinter mich zu bringen!

Der volkstümliche Begriff für diese andere Krankheit ist auch "Veitstanz", eine neurologische Erkrankung, die ich nicht auch noch haben möchte, die nach den Informationen, die ich habe, noch viel größere Schwierigkeiten verursacht als du und bei der die Lebenserwartung so gering ist, dass die meisten davon Betroffenen nicht mal richtig Luftholen können, um sich auf diesen Kampf einzustellen.Da soll ich froh sein, dass ich an dich geraten bin???

Was bildest du dir eigentlich ein!!!

3. Keine wirksamen Parkinsonmedikamente

Ist es noch nicht genug, dass mein Neurologe keinen Rat mehr weiß, mich in irgendeiner Weise medikamentös einstellen zu können?

Bei den vielen Medikamenten, die auf dem Markt sind, ist keines mehr dabei, dass mir in irgendeiner Zusammensetzung eine Verbesserung bringt, bei jedem Termin sehe ich ein Schulterzucken und höre diesen Satz:

"Sie sind austherapiert, ich kann ihnen mit Medikamenten nicht mehr helfen!"

Und dann bist du auch noch stolz darauf, dass ich gestern nach einer Stunde des Wartens das Wartezimmer, ohne mich abzumelden, wieder verlassen habe?

Nur weil du mal wieder "Monster" spielen musstest und dich und damit meine Symptome so hochgeschaukelt hast, das ich das erste Mal, seitdem du mich in deinen Fängen hast, richtig davon gelaufen bin.

Da hat es gar nichts gebracht, dass ich dort war, weil Auswertungen anlagen, im Bereich Kardiologie, MRT Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule, Mammographie, alles noch einmal vorbereitend auf die bevorstehende Tiefenhirnstimulation im Juni.

Danach darf ein MRT nicht mehr gemacht werden und einige andere Untersuchungen sind zwar möglich, aber doch nur mit Einschränkungen!

Und die Bereiche HWS und LWS mussten dringend noch mal "beleuchtet" werden, diese starken Schmerzen sind nicht weniger geworden, oftmals wirken nicht einmal mehr die Morphium - Medikamente.

Zu meinem Glück habe ich eine ganz liebe Hausärztin, sie ist schon so manches Mal nach der Sprechstunde noch zu mir nach Hause gekommen, damit ich nachts wenigstens ein paar Stunden halbwegs schlafen kann.


4. Hausärztin in Sorge

Sie rief später noch an und zeigte Verständnis, versetzte mir aber den nächsten Treffer: sie könnte jetzt so richtig verstehen, woher meine Schmerzen kommen!
Das MRT hätte ergeben, dass der Spinalkanal verengt und auch ziemlich zerfleddert ist, sie müsste mich deshalb vor dem Juni noch einem Neurochirurgen vorstellen mit diesem Befund, da kann ich nur hoffen, dass ich vor meiner OP im Juni nicht noch eine andere zu bewältigen habe!

Und schon sind die Gedanken wieder da, bist du Freund oder Feind, es ist nicht das erste Mal, dass ich mir darüber Gedanken mache, eine Entscheidung treffen konnte ich bisher nie!

Nachtrag:

3. Meine Frage ist: "Freund oder Feind?"

Muss etwas oder jemand, was so einfach "über uns kommen" kann, von vornherein als Feind eingestuft werden? Wie verhalten wir uns, wenn ganz plötzlich jemand vor unserer Tür steht, der uns schon beim ersten Anblick nicht besonders sympathisch ist, der aber Gastrecht beansprucht wie jeder andere, den wir schon hereingelassen haben, auch?
Fest steht, du Parki, hast niemand um Erlaubnis gebeten, du hast dir Zugang verschafft, ohne dass ich es bemerkte und hast dich erst zu erkennen gegeben, als es für mich zu spät war, dich wieder vor die Tür setzen zu können.
Also doch Feind? Dann stellt sich die Frage, wie gehe ich mit so einem Belagerungszustand um, akzeptieren, dagegen ankämpfen!?
Dazwischen liegen Welten und Zeiten und Abgründe und Hoffnungen und Kompromisse! Und dazwischen liegen Persönlichkeiten, starke und schwache, sich ausbildende, aber auch sich zugrunde richtende; so manches Mal fast verzweifelnde, immer wieder auswegsuchende oder aufgabebereite Menschen.
Sicherheiten gibt es in dieser Situation nicht, manchmal glaubte ich, dass ich dich "überlisten" könnte, um dann doch festzustellen, du bist mir wieder einige Schrittlängen voraus.

Desöfteren schaut es aber auch schon so aus,

als hättest du auch Gutes gebracht, hättest neue

Türen geöffnet, in mir und für mich, neue Kräfte

in mir wachsen lassen und mich stärker gemacht,

da sind wir wohl ein einziges Mal einig, aber du

belehrst mich auch immer wieder eines anderen

und das klingt wie ein Vorwurf:

"Du hast achtlos zugelassen, dass ich offene Türen fand bei dir. So konnte ich unbemerkt einziehen. Warum hast du nie auf die Signale achten wollen, die dein Körper dir gesandt hat. Du hast sie immer ignoriert, hast sie nie verstehen wollen. Krankheit? Das durfte überhaupt nicht sein und jetzt brauchst du dich wirklich nicht mehr abzumühen, mich loszuwerden.

Dir bleiben nur noch Kompromisse und mit denen musst du dein Leben einrichten und es noch so lebenswert wie möglich gestalten.

Freund oder Feind - das ist jetzt nicht mehr die Frage!"

Zu dramatisch? Auch das ist nicht mehr die Frage, das Leben hat mich dabei längst überholt, es geht nur um dieses "lebenswert", etwas, das jeder einzelne von uns Parkis für sich selbst zu formulieren hat, denn du, Sir James, richtest in jedem Körper anderes Unheil an!