Gebessert

"Gebessert", das heißt nun wirklich nicht, alles ist in Ordnung!

"Gebessert" ist nur, ich kann wieder etwas besser und längere Strecken laufen als vor dem Klinikaufenthalt. Natürlich, ich hatte ja auch eine Parkinsonkomplexbehandlung, das heißt, jeden Tag Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie zu allen anderen Therapien und es hat sich auch die Sozialarbeiterin um meine Belange gekümmert, ohne dass ich sie angerufen hätte.

Ein Plus für die Klinik, denn die kann diese Parkinsonkomplexbehandlung anders abrechnen bei der Krankenkasse, ich als Patient hatte nicht den Eindruck, als profitiere ich davon. Im Gegenteil, so manches Mal musste ich denken, dass es allen ziemlich gleichgültig ist, was aus uns Patienten wird.

Aber ja, wir Patienten wurden immer sehr aufmerksam beäugt. Diejenigen, die kaum mal das Zimmer verlassen wollten, bekamen ständig gesagt, sie sollten doch endlich mal mehr laufen und sich bewegen und uns, die schon vor dem Frühstück einen Spaziergang durch bzw. um das Haus unternahmen, wurde bei der Visite völliges Unverständnis entgegengebracht, wir könnten doch laufen und uns selber helfen, warum dann hier ein stationärer Aufenthalt?!
Ich finde es toll, wie "einfühlsam" ausgerechnet Neurologen sind. Dagegen sind ja Chirurgen sehr taktvoll und können sich besser in einen Patienten hineinversetzen. Naja, ich will nicht schon wieder verallgemeinern, es gibt eben immer solche und solche, aber dieses Mal hatte ich es eben zum größten Teil mit "solchen" zu tun, was meiner Psyche ganz gut bekommen ist, denn nach der ersten Empörung meinerseits, konnte ich über alles nur noch lachen, ein Erfolg, den die Ärzte natürlich für sich verbuchten, denn "dank der Höherdosierung von Sertralin hat die Patientin zu einer guten Stimmung zurückgefunden".
Aber, auch das will ich nicht verschweigen, zumindest in meinem Abschlußarztbrief ist vermerkt, die bessere Stimmung könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass die Patientin wieder besser laufen kann! Na sowas, das ist doch wenigstens etwas Anerkennung in der Richtung, die Patientin hatte Recht.

Auch das Pflegepersonal müsste doch eigentlich froh sein, wenn sie durch einen ziemlich selbständigen Patienten weniger an Arbeit haben, sie haben schließlich dann auch mehr Zeit, sich um die anderen zu kümmern oder natürlich, auch um sich selbst. Aber, dafür fallen sie uns Patienten noch in den Rücken, und behaupten, dass wir Läufer gut drauf sind. Ja, sie sehen uns viel laufen, aber der Blick reicht nicht aus festzustellen, dass wir total verkrampft bzw. völlig wackelig auf den Beinen sind.
Bei so einem Klinikaufenthalt müssen die Patienten immer ein Bewegungsprotokoll führen. Das möchte man als Patient auch gar nicht aus der Hand geben, denn Ärzte, Schwestern, Therapeuten sehen den Patienten ganz anders als der sich selber. Dabei denke ich immer, ich weiß doch sehr gut, ob ich besser oder schlechter laufen kann und was dabei in meinem Körper vor sich geht - ich behaupte, ich weiß das besser als jeder Arzt.
Aber, ich will mich ja gar nicht beklagen, denn ich konnte mir schon während des Aufnahmegespräches mit der Ärztin ein Bild von dem machen, was mich hier erwarten würde. Ihre ersten Sätze waren, wir sind hier in der Parkinsonstation und der Patient könnte nicht erwarten, dass andere Beschwerden auch mit behandelt werden können und außerdem sollte man als Patient die Erwartungen auch nicht zu hoch schrauben, was die Behandlung dieser Beschwerden anbetreffe. Oberstes Gebot ist es natürlich, dass der Patient mitarbeitet und keine Therapien ablehne. Kein guter Anfang, denn abgesehen davon, dass ich sofort das Bild vor Augen hatte, ich könnte sogar im Rollstuhl landen und ich würde mich weiter vor Schmerzen krümmen, war ich natürlich auch gleich verstimmt, woher wollte sie wissen, dass ich Therapien ablehnen würde, das habe ich noch nie gemacht, auf meine Mitarbeit hat sich noch jeder Arzt verlassen können.

Dann sollte ich aufzählen, weshalb ich in die Klinik gekommen war. Ich erzählte ihr alles und zwischendrin bekam ich wieder und wieder zu hören: Das gehört nicht zum Parkinson, dies auch nicht und das ist auch ne andere Baustelle.

Das konnte heiter werden! Ich wusste in dem Moment selber nicht mehr genau, was ich eigentlich in der Klinik wollte. Hatten doch meine beiden Neurologen, über die der Aufenthalt zustande gekommen war, ihre eigene Verantwortung nur abschieben wollen? Wenn das alles nicht hierher gehörte, hätten sie nicht veranlassen müssen, dass ich in die einzelnen Bereiche - Orthopädie, Kardiologie, Gastroenterologie - überwiesen werde? Was hatten sie sich nur dabei gedacht!
Ihr könnt euch vorstellen, dass meine Stimmung anfangs nicht gerade die beste war! Aber - schließlich wurden auch meine Medikamente höher dosiert und mit einem Mehr an L-Dopa wurde das Laufen auch wieder besser. Allerdings war es für mich auch eine atemberaubend hohe Dosis.

Vor meiner THS-OP ist mir immer wieder gesagt worden, alle Beschwerden, die ich damals hatte, seien auf die Langzeitwirkung vom L-Dopa zurückzuführen und damals war ich austherapiert, denn es hatten keine Medikamente mehr geholfen. Und jetzt soll ich von dem L-Dopa 1500 mg nehmen!?
Hab das immer wieder angesprochen, wurde nicht geändert. Man begründete das so:

Sie sind in einem Stadium, wo ihnen das L-Dopa nicht mehr schadet. Sie können so viel nehmen, wie sie wollen, die Hauptsache sie fühlen sich halbwegs wohl und können auch ganz gut laufen!
Ich weiß heute noch nicht, was ich davon halten soll, was kommt denn nun noch danach, wenn diese hohe Dosis auch nicht mehr hilft??????!!!!!