4.4. Habe ich mir mehr erhofft?

Hallo an alle, die immer mal meine Ergüsse über meine THS lesen. Gestern hat mir jemand die Frage gestellt, ob ich mir mehr von dieser OP versprochen hätte, sie hätte manchmal den Eindruck.

Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit NEIN beantworten.
Erst einmal, es kann niemand wissen, wie sich diese OP letztendlich auswirkt. Der Neurochirurg versteht zwar sein "Handwerk" (hoffentlich nimmt er mir diesen Ausdruck nicht übel), aber sowohl er als auch die Neurologen sind unbedingt auf unsere Mitarbeit angewiesen.

Das geht schon in der Vorbereitung los, wirklich bis ins Detail erst mal zu schildern, welche Symptome liegen vor, gibt es noch andere Krankheiten, die bei so einer OP eine Rolle spielen könnten, wie verläuft ein Tagesablauf zu Hause, gibt es hier noch andere Dinge, die den Parkinson beeinflussen, wie sieht es mit der Krankengymnastik aus, mit sportlichen Tätigkeiten überhaupt, bin ich überhaupt bereit, selber etwas zu tun, oder überlasse ich mich den Ärzten und denke, naja, wenn sie mich operieren, dann ist ja alles getan.

Wer so denkt und tut, wird niemals in den erfolgreichen "Genuß" dieser OP geraten und ich glaube auch, dass es diese Patienten sind, die dann enttäuscht sind, nach dieser OP nicht das, was sie erwartet haben, vorzufinden.

Ich weiß noch, in der Reha hieß es immer wieder von meiner Stationsärztin: Sie müssen sich ausruhen, das ist eine OP, die einer schweren Herzoperation gleichzusetzen ist und da können sie auch nicht gleich wieder so losrennen.

An manchen Tagen habe ich gemerkt, wie recht sie hat, aber ich bin auch heilfroh, dass ich an den anderen losgerannt bin und zwar nicht nur im übertragenen Sinn, sondern richtig.

Es gibt dort einen Sportplatz, nicht weit entfernt, dort habe ich täglich im Dauerlauf meine Runde gedreht, die "Platzwarte", die jeden Tag da waren, haben mich schon immer angefeuert, ich sollte doch noch eine Runde usw., aber natürlich musste ich es bei einer Runde bewenden lassen.

Bin dann lieber noch mit meinen Nordic Walking Stöcken durch die Gegend gerannt, den Wald hinaufgeklettert, ja ihr lest richtig, es ging anfangs ziemlich steil nach oben und habe zuletzt den Wald durchstreift, um, dreimal dürft ihr raten, genau, um Pilze zu suchen.Nun ist es ja das eine, es sich in der Reha gutgehen zu lassen und das andere ist der Alltag zu Hause.

Auch hier gilt es noch mehr, sich selber zu disziplinieren. Ich habe mich z. B. sofort einer Sportgruppe hier im Wohngebiet angeschlossen, also keine Parkinson-gymnastik, sondern "volle Pulle". Dazu kommt 2x in der Woche Krankengymnastik, 1x Kraft- und Ausdauersport und einmal Wassergymnastik.

Sicher, manchmal möchte ich mich auch davor drücken, aber dann denke ich daran, wie es mir vor der OP gegangen ist und vergleiche und dann ist es ganz einfach, ich möchte nämlich diesen Zustand, in dem ich mich jetzt befinde, noch solange wie möglich beibehalten, ich möchte mein neues Leben, dass mir mit dieser OP gegeben wurde, nicht gleich wieder hergeben.

Ja, ich weiß schon, das riecht alles ein ganz schönes Stück nach Eigenlob, das soll es auf keinen Fall sein, möchte nur rüberbringen, dass diese OP wirklich einen Riesenberg an Eigeninitiative und Eigenmitarbeit benötigt, damit sie ein voller Erfolg wird.

Im Moment bin ich jeden Tag ziemlich steif und langsam, das ist so seitdem der Schnee uns fast begraben hat.

Vielleicht müsste ich auch meine Tablettendosis wieder erhöhen, aber noch habe ich den "Virus Lebensfreude" in mir, der mich mit Humor und vielem Lachen über den Tag hilft und so kann ich euch immer noch entgegenrufen, die OP hat alle meine Hoffnungen noch übertroffen, denn mir geht es gut!