Im Stich gelassen

28.06.2012

Wenn es einem mal nicht so gut geht, naja, man nimmt es schon in Kauf, es kann nicht immer alles hundert Prozent sein.

dieses Unwohlsein an, wird Mensch langsam knietschig. Er versucht, sich irgendwie selber zu helfen, er will sich unbedingt wieder wohlfühlen. Nun kann Mensch ja nicht alles selbst kurieren, es mangelt ihm vor allem an dem Wissen um seine Wehwehchen.

Also geht er, wenn er es gar nicht mehr aushalten kann dorthin, wo er sich Hilfe erhofft, dorthin, wo er denkt: Hier bist du gut aufgehoben, hier kümmern sie sich um dich, hier setzen sie alles daran, dass es dir wieder gut geht!

Und dann sitzt du vor, seitwärts oder gegenüber einem Arzt, von dem du glaubst, dieser hier, genau der wird alles überdenken und eine gute Lösung für dich finden.
Schließlich gehört er zu den Ärzten, die vor dieser OP die THS nicht genug loben konnten, von ihm habe ich den Gedanken an ein kleines Wunder, dass nach der THS passieren wird, übernommen.

Und was soll ich sagen, nachdem ich diese Operation hinter mich gebracht hatte, war dieses Wunder auch da. Es waren herrliche Zeiten angebrochen, was konnte ich nicht alles wieder machen, was vor der OP gar nicht mehr ging!

Dass so nach und nach immer wieder ein Stückel davon abbröckelte, das hatte keine Bedeutung, denn im Großen und Ganzen fühlte ich mich wie neu geboren, endlich wieder normal leben!

Endlich wieder Dinge tun, die vor dieser OP absolut tabu waren. Welch ein tolles Gefühl, wieder mal auf einem Fahrrad die Umgebung zu erkunden, wie schön, mit den Nordic Walking Stöcken die Gegend abzulaufen, auch mal dort, wo es nicht ganz so glatt und eben ist.
Natürlich habe ich gewusst, dass diese Hochstimmung nicht anhalten wird, dazu kenne ich mich und mein Leben viel zu gut.

Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass die nahe und weitere Zukunft nur noch Sonnenschein für mich bereithält, dass es keinerlei Probleme geben wird, nein, so lebensfremd bin ich bei aller Begeisterung über die Ergebnisse dieser OP nun wirklich nicht.

Aber was ich wirklich geglaubt habe, ist, wenn es Probleme gibt, dass ich mich damit an meine Neurologen, Neurochirurgen, die mich operiert und die mich nach der OP eingestellt haben, wenden kann, dass sie zumindest versuchen, eine Lösung zu finden.
Tscha, das ist wohl mal wieder etwas, was ich in so einen Beruf hineindeute, was ich denke, wie diejenigen, die so einen Beruf ergreifen, sich dann eigentlich kümmern und sorgen sollten, ansonsten, so denke ich jedenfalls, sind sie fehl am Platz in so einem Beruf.

Die einzige, die dies ernst nimmt, ist meine Hausärztin, sie versucht wirklich immer alles, um ihre Patienten "gesünder" zu machen, trotz von der Politik verordneter Limits und aller Fesseln, die ansonsten ihren Wirkungskreis beschränken.

Leider ist sie nicht Neurologin oder Neurochirurgin!
Ich bedaure das umso mehr, weil dieser Fachbereich die Schwierigkeiten, die auftreten, sofern sie anscheinend noch nicht dokumentiert sind, nicht ernst nehmen, einfach darüber hinweggehen.

So ungefähr nach dem Motto: Was nicht dokumentiert ist, das kann gar nicht sein!

Ich verstehe das immer nicht, weil ich denke, auch wenn diese OP nun schon länger durchgeführt wird, bei Parkinsonkranken, von denen man sagt, jeder hat seinen eigenen Parkinson, müssen doch zwangsläufig auch die unterschiedlichsten Probleme anfallen und es kann nicht immer nach EINER wissenschaftlichen Abhandlung praktiziert werden, eben weil es auf viele Fragen noch keine Antworten gibt, weil Langzeitstudien bzw. "Längerezeitstudien" über viele Probleme noch gar nicht vorliegen.


Und außerdem, Ratten und Mäuse, an denen wohl vieles "ausprobiert" wird, können nicht reden und nicht sagen, wo sie Schwierigkeiten haben, wäre es da nicht ratsam
, uns Parkinsonkranken besser zuzuhören und uns ernst zu nehmen?

Ich jedenfalls wäre dann nicht so sehr enttäuscht und fühlte mich nicht so im Stich gelassen wie es zur Zeit ist.

Ich habe morgen einen neuen Termin bei einem Neurologen - wir werden sehen.