Immer mal wieder

Klinikaufenthalt 22.04.15 bis 08.05.15 oder: Wenn ein Parki sich anstrengt, wird er dafür bestraft oder verlangen wir Patienten zu viel von unseren Ärzten und dem Pflegepersonal?

Oh, das hat mal wieder gedauert ehe es soweit war, dass in der Dresdener Uniklinik ein Bett für mich frei war. Nicht das ich mich unbedingt darum reiße, stationär behandelt zu werden, neeeeeeein, aber ...ich hatte schon seit vor Weihnachten enorme Huddeleien mit meinem Sir und seinem Handlanger, der THS: Da kamen mir schon ganz abenteuerliche Gedankengänge, um zu einem Bett zu kommen.

Aber es schien auch so, als wenn ich nicht allein auf solchen Wegen wandelte, während dieser 14 Tage musste ich auf dieser Station viermal umziehen, also von einem Zimmer in das andere, mich immer wieder auf andere Bettnachbarn einstellen, wobei nachts an schlafen kaum zu denken war!
Ich hatte mit den verschiedensten Charakteren zu tun und, das darf man auf keinen Fall vergessen, alles kranke Menschen! Wer kann schon etwas dafür, wenn er nachts solchen Stuhldrang bekommt, dass alle halbe Stunde nach den Nachtschwestern geklingelt werden musste, dass die Patientin, die sich am Tage wunderbar selber behelfen konnte, nachts keinen Schritt in Richtung Toilette laufen wollte, ja sogar das Po abwischen den Schwestern überließ?

Und wer ist da empfindlich, wenn er morgens am Frühstückstisch sitzt und sein Gegenüber lässt sich von der Schwester die Zähne bringen, die natürlich noch ordentlich abgeputzt werden müssen, um nach einigen Malen wieder Herausfallens dann endlich da zu landen, wo sie hingehören, nämlich in der Gusche meines Gegenüber.

Und dann ist es ja auch so, dass Parkinsonmedikamente die Patienten regelrecht verführen, des Nachts so sehr zu schnarchen, dass immer nur der Glück hat, der sehr zeitig tief und fest einschläft, der andere hat halt Pech, auch wenn er sich vorsichtshalber mit Ohrstöpseln eingedeckt hat, diese Dinger sind ihr Geld nicht wert, jedenfalls nicht, wenn man es mit Parkis zu tun hat.

Bei allem positiven" die können ja nichts dafür", ausgeschlafen ist man an keinem Tag dieses Aufenthalts! Das bringt natürlich auch nicht die beste Laune mit sich und auch wenn ein Herr Doktor mit der Visite kommt, man bekommt nicht mehr Lust zu reden, wenn da eine Wand von weißen Kitteln vor einem steht und der Stationsarzt eine indiskrete Frage nach der anderen stellt.

Zum Schluss stellt er dann natürlich auch noch fest, dass meine Wortkargheit schlechte Laune sein müsste und ich in einer Depression stecke! Ich versuche ihm klarzumachen, dass man nicht den ganzen Tag Lachen und Herumblödeln kann, wenn man schon lange ziemlich starke Schmerzen hat und dies auch der Grund ist, weshalb man schlecht laufen kann.

Das Laufen können beinhaltet vor allem ein Riesenstück an Selbständigkeit und wenn ich davon Stück für Stück abgeben muss, dann ist das ein großer Einschnitt in meine Lebensqualität. Von den Herren Doktoren konnte das aber keiner so richtig verstehen und schwupp, habe ich die nächste Krankheit am Hals bzw. in meine Akte geschrieben bekommen, jetzt bin ich auch noch manisch depressiv.

Nach dieser Diagnose wunderte ich mich gar nicht mehr, dass ich eines Nachts, endlich mal eingeschlafen, aufwachte, weil jemand ständig das Licht an- und ausknipste. Hell, dunkel- hell, dunkel und als ich mich aufrichtete, sah ich einen Mitpatienten, einen Herrn in Windelhose, an unseren Lichtschaltern spielen! Als er sah, dass ich wach war, kam er auf mein Bett zu, hob unten die Bettdecke hoch und bestaunte meine Füße. Ich bin eigentlich nicht ängstlich, aber auch nur eigentlich. Kann mich nicht erinnern, schon mal so schnell den Schwesternnotruf gedrückt zu haben. Die waren schon auf der Suche nach ihrem Patienten und deshalb auch sehr schnell da und brachten ihn in sein Bett zurück.

Das Ende vom Lied - ich konnte nicht wieder einschlafen und war so unruhig, dass ich lieber aufstand, mich anzog und meinen nächtlichen Laufstrecken durch die Korridore des Hauses 27 folgte. Nach ca. zwei Stunden konnte ich mich kaum noch auf den Beinen halten, schwache Gelenke, vor allem die Knie wackelten, die Beine schmerzten ganz fürchterlich und mir war taumelig und es tanzten schwarze Flecken vor meinen Augen. Vor meinem Zimmer angekommen, traf ich auf meine Bettnachbarin. Sie suchte die Toilette und sah aus, als wenn es schon sehr drängelte. Man muss dazu wissen, das auf dieser Station alle Zimmer eine kleine Nasszelle haben, in der sich auch die Toiletten befinden, sie hatte also vergeblich den Weg nach draußen genommen. Für mich hieß das, sie ist Nachts etwas verwirrt und da musst du aufpassen, dass ihr nichts passiert!

Die "Krönung" von allem, was ich dort wieder erlebte, passierte am kommenden Tag während der Visite. Der Stationsarzt war noch in Urlaub und als leitenden Arzt der Visite hatte man wieder einen Assistenzarzt aus einem anderen Bereich eingesetzt. Mir reichten die vielen Fragen sowieso schon, außerdem noch weniger als sonst geschlafen, gar nicht richtig aufnahmefähig. Umso mehr entsetzt war ich, als nach den Fragen seine Antwort kam:

Frau R., sie laufen viel und kerzengerade herum, sie machen fast alles selber, was wollen sie eigentlich hier?

Ich dachte, ich höre nicht recht, empfand das abwechselnd als eine Frechheit, dann dachte ich wieder: Na vielleicht hat er ja recht, du zwingst dich immer wieder, trotz Schmerzen in den Gliedmaßen, zu laufen, du versuchst so wenig wie möglich nach den Schwestern und Therapeuten zu klingeln, du gehst allein zum EKG, zum CT usw. Ist zwar alles im Haus, nur verschiedene Etagen, aber andere lassen sich mit dem Rollstuhl dort hinbringen.
Haben aber nur diese Patienten ein Recht auf Veränderung der Medikation und eine THS-Kontrolle?
Alle anderen, die sich bemühen, so selbständig wie möglich zu bleiben, sollten die nicht lieber zu Hause abwarten, bis sie mal halbwegs diesen jämmerlichen (für mich) Zustand erreicht haben? Schon am ersten Tag waren mir Zweifel gekommen, ob es denn rechtens von mir war, mich wegen aller Symptome, die ich hatte, stationär behandeln zu lassen, denn als ich meine Beschwerden aufzählen sollte, kam immer wieder, das gehört nicht zum Parkinson und dass auch nicht und dieses ist auch ne andere Baustelle!

Na zum Teufel noch mal, woher sollte ich wissen, wie das alles zusammenhängt, eine Arztausbildung hatten schließlich die Personen, die mir gegenüber saßen oder standen.
Zu meinem Glück kam dann aber der Stationsarzt aus dem Urlaub zurück. Er brachte so einige Dinge ins Rollen und letztendlich konnte ich dann doch noch "gebessert" entlassen werden.