Immer wieder Kampf

27.05.2011

Immer wieder Kampf - ich bin so müde!

Du lieber Gott! Nein, das ist es auch nicht! Der liebe Gott wird dir nicht helfen! Er kann es nicht, denn er kennt
sich hier überhaupt nicht aus! Aber wer dann? In den letzten Tagen kamen mehrere Botschaften über Bekannte,
die gestorben sind.

Eine davon auch noch ausgerechnet an meinem Geburtstag. Die Anruferin wollte gar nicht wieder aufhören, der Nachbar war gestorben und nein, sie sagt ja immer nichts, aber wenn es so weiter ginge, schließlich ist es immer schlechter geworden und ihr gänge es so schlecht, nein, schlimmer könnte es gar nicht werden!

Ob ich ihr sage, sie solle endlich ruhig sein, ich habe Geburtstag und möchte mit meinen Gästen feiern? Und
dass ich heute nichts von Sterben und zur Trauerfeier gehen oder nicht, hören möchte?

Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass es mir schon seit Wochen nicht so gut geht, wie ich immer nach außen hin
tue?

Dass ich keine Lust, nein richtiger, keine Kraft mehr habe, jeden Tag weiter zu kämpfen, mich immer wieder mit Sir James anzulegen, jeden Tag zu versuchen, mich immer wieder aus seiner Umklammerung zu lösen.

Täglich ein paarmal die zentnerschweren Knochen überwinden, trotzdem mit einem Lächeln aufstehen, am besten dann gleich erst mal in die Sauna, vielleicht hilft dir die Wärme ja über die Runden.

Aber nein, auch nach diesem Wärmeschock geht nichts, aber auch gar nichts leichter und besser, das Laufen, das Duschen, die Haare machen, die Arme wollen nicht so hoch, wie ich das gern möchte, sie sind unendlich schwer, der ganze Körper fühlt sich an, als hätte er zigtausend,
Eisenklammern an ihm haften, größere Bewegungen sind nicht möglich.

In der Dusche stehen kannst du vergessen, die Beine sind viel zu schlapp, gleich knicken dir die Knie weg und dann liegst du hier lang! Also, Duschhocker her, sei froh, wenn du nicht da runter rutschst!

Schau in den Spiegel, altes Mädel, schau dir die starren Gesichtszüge, die starren Augen richtig an!
Die Tabletten müssten doch eigentlich schon längst wirken, so dürftest du jetzt schon längst nicht mehr aus der Wäsche gucken, zieh gefälligst ein anderes Gesicht! Mach a, e, i, o, u, na los, zieh ein paar ordentliche Grimassen, lach doch endlich mal,
ja lach, lach, ist es denn nicht zum Totlachen, wie du dich verändert hast?
Oder sollte ich mich lieber bewegen? Ja, Bewegung hat mir doch immer geholfen, vielleicht löst sich diese unglaubliche Starre dann endlich?! Ja, das könnte die Lösung sein!
Hol deine Sportsachen, nimm dir deine Walking Stöcke und dann raus an die frische Luft! Und nun los!

Verdammt, die Schultern sind total verkrampft, das Genick ist völlig steif, die Schrittlänge zu kurz, die Arme lassen sich nicht weit genug nach vorn schieben, die Bewegungen sind abgehakt, ich komme mir vor wie eine hölzerne Puppe.


Lauf, lauf weiter, niemand soll etwas merken, erfahrungsgemäß löst sich das Ganze auch bald auf und du wirst sehen, dann geht es wieder locker und leicht in flüssige Bewegungen und einen eleganten Laufstil über.
War doch bis jetzt immer so!
Aber die Schultern wollen sich nicht lockern, das Genick bleibt steif und schmerzt mit jedem Schritt mehr, auf Tempo machen ist gar nicht drin, der ganze Körper
wird immer mehr schlapp, bei jedem Schritt denke ich, das schaffst du nicht bis nach Hause, ruf doch endlich an, dass du abgeholt wirst.


Aber mein alter Widerstand ist anscheinend doch nicht ganz tot zu kriegen. Nein, denke ich
du kannst nicht aufgeben, du darfst nicht aufgeben!!!!!!!

Ich schleppe mich bis nach Hause, bis an meine Wohnungstür. Nur noch umfallen und sich irgendwo hinlegen. Schlafen können, das wäre es jetzt. Warum eigentlich nicht?

Nur, weil du bis hierher immer geglaubt hast Mittagsschlaf sei nur was für "alte Leute", kannst du nicht mal kurz ein Nickerchen machen?

Mach dich nicht lächerlich, wirst sehen, es geht dir hinterher besser!Ja, zwischendrin W A R es besser, aber das ist schon wieder vorbei!

Also was bleibt denn jetzt noch, na gut, löse ich also noch eine Madopar LT auf, vielleicht geht es ja dann!
Ob das aber die Lösung ist? Sicher nicht, eine Lösung werde ich wohl zusammen mit meinem Neurologen finden müssen, bleibt nur, dort anzurufen und um einen Termin
außerhalb der "normalen" vierteljährlichen Bestellzeit zu bitten und auch das heißt wieder kämpfen, diesmal mit den Schwestern im Vorzimmer, die absolut nicht
einsehen wollen, dass es notwendig ist, zwischendrin die Sprechstunde aufzusuchen.

Immer nur Widerstand, ob das wohl jemals aufhört?