Kann sich ab heute alles ändern?

Hier bin ich genau richtig!

07.06.2010

Die Woche beginnt wie immer, eigentlich wie jeder Tag, der jetzt so abgelaufen ist.


Ich warte darauf, dass der 21. Juni herankommt, der Tag, der so entscheidend werden soll, der Tag, an dem sich mein Leben so ganz und gar ändern soll.

Dass ist zumindest meine große Hoffnung, denn an diesem Tag habe ich einen OP-Termin, der letztendlich alles, was bisher war, zum Stehen bringen und mir Besserung bringen soll.

Dieser Tag birgt alle meine Hoffnungen in sich, endlich wieder ein Leben führen zu können, was man lebenswert, abwechslungsreich, nicht in eingefahrenen Schienen einengend, nicht mehr dem täglichen Kleinklein eines Parkinsonpatienten zuordnen kann, ein Leben, dass nur noch darin besteht, einfach jeden Tag über die Runden zu kommen!

2. Wünsche und Zweifel

Noch habe ich so meine Zweifel, dass sich diese, meine damit verbundenen Wünsche erfüllen lassen.

Wann hatte ich eigentlich in letzter Zeit mal einige Stunden Ruhe vor dir, Sir Mister Parkinson!?

Immer und immer warst du da, immer gegenwärtig mit all deinen Launen, mit all deinen Schikanen, mit allem, was sich so schwer beschreiben lässt, weil es so unlogisch ist, weil ein jeder, der von dir heimgesucht ist, einfach nicht erklären kann, woher deine Heimtücke wieder stammt, woher deine Hinterhältigkeit kommt, wieso du bist, wie du dich gerade mal wieder zeigst.


Und , - das muss ich noch einmal betonen: Ganz sicher bist du mit deinen Auswirkungen nicht die schwerste Krankheit, die man bekommen kann.

Aber, mein lieber Freund, du bist derjenige, der sich am hinterhältigsten und heimtückischsten aufführt, du bist voll und ganz unlogisch, du bist unberechenbar.

Eigentlich kann man dich nicht vergessen, aber ich wünsche es mir so sehr, dich einmal wieder in den Hintergrund schieben zu können, einen Hebel umzulegen, um dann ganz allein und in aller Ruhe einfach nur entspannen zu können, nicht warten müssen auf den nächsten Schub, der sich schon gleich wieder anbahnt, einfach nur einmal ruhig dasitzen, abwarten und sich nicht fürchten müssen, dass du dir schon wieder etwas Neues ausgedacht hast.

Es muss ein herrliches Gefühl sein, es muss etwas von Unabhängigkeit besitzen, es muss sich anfühlen, als könnte man endlich wieder seine Entscheidungen allein treffen, ohne ständige Rücksichtnahme darauf, kannst du das denn wirklich machen, stehst du das denn wirklich durch, glaubst du, dass dies für dich zu schaffen ist?


3. Endlich wieder leben

Was sollen all die vielen Worte, alles ist darauf ausgerichtet, endlich wieder ein lebendiger Mensch zu sein! Endlich wieder leben, leben, leben!


Die letzten 14 Tage haben jedoch auch Zweifel gestreut. Vielleicht ist es ja doch nicht das, was genau das Richtige für dich sein kann.

Vielleicht solltest du doch besser Abstand nehmen von diesem Vorhaben?

Oder vielleicht findet sich doch noch eine andere Möglichkeit?

Ja, natürlich, die Neurologen sagen: austherapiert, mit Medikamenten können wir Ihnen nicht mehr helfen.

Aber ist es wirklich so? Wollen sie nicht nur ein weiteres Versuchskaninchen finden für ihre neue Methode? Wollen sie nicht nur weiter in dieser Richtung Erfahrungen sammeln, ohne Rücksicht darauf, ob es sich für uns Parkis genauso anfühlt, wie für sie selber?

Das ist Neurochirurgie, sie können etwas, sie haben etwas drauf! Das ist Anerkennung in höchstem Maße, ist es nicht auch anmaßend, einfach zu sagen, eine andere Möglichkeit gibt es für dich und dich und dich nicht mehr?

Ich kann und will das nicht beurteilen, ich kann nur hoffen, dass sie es nicht deshalb soweit kommen lassen, sich selber eine Krone aufzusetzen, ich möchte wirklich glauben, dass sie den vollsten Willen haben, uns Parkis zu helfen.

Wenn ich diesen Glauben nicht hätte, wäre diese ganze Angelegenheit sicher für mich schon gestorben, dann hätte ich mich niemals in diesen Irrweg einfinden können, dann wären meine Gedanken jetzt sicher auch ganz woanders.

Ich habe immer darauf gesehen, nicht nur Hilfe zu erwarten, sondern auch selber anderen zu helfen, uneigennützig, unentgeltlich, ohne wenn und aber.

Eigentlich hatte ich diesen Eindruck auch, als ich in Vorbereitung auf diese OP einige Tage in dem Dresdener Uniklinikum verbrachte.

4. Kliniken sollten wieder Ordnung bringen

Ich habe schon einiges an Kliniken hinter mich bringen müssen im Verlaufe aller Dinge, die wieder in Ordnung zu bringen waren in meinem Leben.

Da waren Darmoperationen, da waren gynäkologische Sachen in Ordnung zu bringen, da waren es Dinge, die sich auf die Wirbelsäule bezogen, die äußerst schmerzhaft werden konnten, aber bei denen mir letztendlich doch niemand Abhilfe schaffen konnte. Und wenn es manchmal auch nur um Verstopfungen ging.

Andere Krankenhäuser, anderes Personal, andere Einstellungen, andere Vorstellungen in puncto Berufsauffassung, manchmal gar nicht in die Nähe zu bringen von einem Berufsethos, das man eigentlich erwarten kann, wenn sich jemand in so einem Beruf ausbilden lässt.

Ich weiß es nicht, ob ich nicht immer Zuviel erwarte, wenn ich solche Ansprüche stelle. Leider gehe ich immer davon aus, wie mein Verhalten wohl wäre, hätte ich so einen Beruf erlernt, wäre ich in dieser Richtung tätig geworden.

Man kann ganz sicher nicht von anderen fordern, was man sich selber alles abfordern würde. Viele wären damit hoffungslos überfordert und würden sicherlich aufgeben wollen.

Und doch, ich hatte während dieser paar Tage hier in Dresden den Eindruck, als wäre genau hier der Platz, wo mir geholfen werden könnte, als wäre ich genau hier richtig aufgehoben.