Kleines Geschichtenallerlei 2

Wie entscheiden?


Kennt ihr das Gefühl, ich möchte gehen, ich möchte bleiben?
Das kann regelrecht zermürben. Einerseits, ich möchte dazu gehören.
Andererseits, ich habe nie dazu gehört, ich war immer Außenseiter.
Andere behaupten, sie hätten in dem Verein ein Stück Heimat gefunden.
Heimat? Nein! Richtig wohl gefühlt habe ich mich hier nie, jedenfalls kann
ich nicht von Heimat sprechen.
Was wollte ich also hier? Infos über den Parkinson? Kann nicht sein, die finde
ich überall im Internet? Vielleicht eine Gemeinschaft finden, in der ich
wahrgenommen werde?

Ja, das war es wohl, wahrgenommen werden, nicht wichtig genommen, aber wahrgenommen.
Aber, das wird man hier nur, wenn man Dinge von sich gibt, bei denen andere,
ohne einmal nachzudenken, über einen herziehen können. Und es finden sich immer
welche, die haben eigentlich gar keinen Grund, aber sie ziehen mit Freude über jeden her.

Es gehört sicher zu einem Teil des Menschseins, sich Sündenböcke zu schaffen, gehört es auch dazu, dass sich viele immer dort anschließen, wo sie glauben, weil andere das machen, auch mit reinhauen zu müssen?
Ich habe hier nur wenige Menschen gefunden, denen ich hätte Freund sein können,
die ich mir zum Freund hätte gewünscht. Aber auch unter diesen sind nicht gerade viel,
die wenigstens versucht haben, mich zu verstehen.

Ja, früher hätte ich mich da reingehängt und hätte gekämpft,
hätte um Verständnis geworben. Aber auch früher ist schon länger her.
Ich kann und will nicht mehr kämpfen, ich merke immer mehr,
dass ich krank bin und ich weiß, wenn ich jetzt keine Rücksicht auf mich
selbst nehme, geht es noch viel schneller in den Keller!
Ja früher, früher war ich dem Baron Münchhausen zugeneigt,
mich selbst an den eigenen Haaren aus einem Sumpf zu ziehen, das hat zwar
etwas Mühe bereitet, aber ich habe es geschafft, immer, u.a. weil ich immer
wieder versucht habe, Verständnis aufzubringen. Aber sagt mir, warum sollte ich immer
Verständnis für andere haben, ich habe zumindest immer versucht, jeden zu nehmen
wie er ist. Das ist mir hier gründlich misslungen und es geht auch überhaupt nicht mehr. Ich habe in diesem Verein zu viele getroffen, die nur an sich denken, die glauben, sie seien der Nabel der Welt, die sich brüsten mit ihren Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich und dabei jämmerlich versagen, die niemals wirklich hinterfragen und immer nur ihre Sicht auf die Dinge gelten lassen..

Eigentlich ist diese meine Meinung ja schon eine Entscheidung, denn was soll ich da,
wo ich mich nicht wohl fühle. Am Anfang habe ich ja noch gedacht, ich könnte vielleicht ein klein wenig Umdenken mitbewirken, vermessen von mir, ein Nichts kann auch nichts ausrichten.

Aber ehe ich wirklich selbst daran glaube, ich sei ein Nichts, gehe ich lieber!