Austherapiert!

Klinikaufenthalt

1. Austherapiert

So mein "lieber Freund und Kumpel", jetzt werde ich mal anfangen, aus dem Nähkästchen zu plaudern!

Ein Klinikaufenthalt war mal wieder notwendig geworden aufgrund der arg verschlechterten Parkinsonsymptomatik und des dazugehörigen "Urteils":


Sie sind austherapiert!

Dazu eine Beschreibung, die nicht unbedingt vollständig ist:
starke, häufige und sehr krasse Wechsel von Off- und On-Phasen, was nichts anderes heißt, als dass ich in diesem Augenblick alle beweglichen Körperteile durch die Gegend schmeiße, alles, was dabei im Weg steht, finde ich irgendwo unten wieder.

Hab ständig das Gefühl, keine oder nicht genug Luft zu bekommen, der gesamte Brustkorb scheint sich zusammenzuquetschen, die Beine und überhaupt der ganze Körper sind wahnsinnig schwer und versuchen, mich in den Boden zu ziehen.

Die kleinste Handtasche wird zu einem Schwergewicht, kann nur verschwommen sehen, meistens auch mit schwarzen Flecken vor den Augen.

Wenn ich die Ecklinien zwischen Zimmerwand und Decke ansehe, da wimmelt es nur so von schwarzen kleinen Tierchen.

Wenn ich liege und nach oben sehe, kommt die Decke auf mich zu und senkt sich weiter und weiter, mal stocksteif sein, weder Arme noch Beine bewegen können.

Dann wieder losrennen, kleinschrittig, nach vorn gebeugt, mit verkrampftem, verzerrten Gesicht, die Ärzte nennen das grimmassierend, dazu der Blutdruck, der laufend hoch 'und runter geht, mal so = >200/>100 Puls= auch sehr unterschiedlich oder so= <90/<60, auch mit unterschiedlichem Puls.
Dazu so ein blödes Gefühl in Kopf und Körper, dass sich einfach nicht beschreiben lässt.

Manchmal, wenn jemand auf mich einredet, denke ich, der ganze Körper treibt auseinander, mich treibt und keilt es immer stärker in den Boden und habe dann auch schon mal jemand angeschrien, er/sie soll endlich aufhören zu reden, weil ich in dem Moment das Gefühl hatte, Spannung verstärkt sich ständig und ich kann das einfach nicht mehr aushalten, wenn das so weitergeht, dann falle ich sofort tot um.

2. Vorschlag meines Neurologen: Klinikaufenthalt

Ich hör jetzt auf mit der Beschreibung, wollte damit nur begreiflich machen, warum ich den Vorschlag meines Neurologen angenommen und mich vom 04. Dezember 2008 bis zum 09. Januar 2009
habe zwecks Einstellung auf eine Apomorphin - Pumpe in einer Klinik habe festhalten lassen.
Ansonsten ist meine Einstellung - Mediumstellung in der Klinik? Da fang ich ja zu Hause wieder von vorn an!
Ich hatte dem Vorschlag meines Neurologen zugestimmt nichts-ahnend, was mich damit erwartete!!!

Angekommen, angemeldet, angesehen, aufgenommen, Gott sei`s gedankt, endlich geschafft, dachte ich!
Nun, ich war zum letzten Mal vor 4 Jahren auf dieser Station untergebracht und es hat sich im Vergleich zu meinem letzten Aufenthalt in dieser Klinik einiges verändert, leider nicht nur zum Positiven!

Wo fängt man da am besten an?

Vielleicht doch mit der Station, wo ich untergebracht bin, denn das ist ja während so eines Aufenthalts mein ZUHAUSE!

Erster Eindruck: Normaler Klinikbetrieb!
Anmelden, auf die Station gebracht werden, vor dem Schwesternzimmer warten, zusammen mit den anderen aufzunehmenden Patienten und erfahrungsgemäß dauert das und dauert und dauert! Und wie gehabt!
Erste Untersuchung am Nachmittag mit etlichen Unterbrechungen, für die es zwar Entschuldigungen gab, die aber trotzdem sehr störend wirkten und das Gefühl erzeugten, nicht richtig ernst genommen zu werden bzw. "alles ist wichtiger als du!"

Wie sollte sich das auch geändert haben, schließlich gehöre ich nach wie vor in die Kategorie jener Patienten, die sich anmaßen, ihr Bett selbst zu machen, die, zwar mit Hilfe von Walking - Stöcken, aber jegliche Begleitung sonst ablehnend, allein in die Physiotherapie, zur Ergo und zur psychologischen Betreuung gehen wollen.

Die fast stocksteif - schließlich wird ja die eigene Medikation zurückgefahren, damit die Dosierung der Pumpe erhöht werden kann -trotzdem bis fast zum Umfallen die Gänge hin- und herlaufen.

3. Angstzustände

Weil da die kalte Angst da ist, aus dem Schlaf aufwachend zu merken, dass gar nichts mehr gehen will, dass man wieder als einziges nur noch ein wenig atmen, weder Kopf, noch irgendein ein anderes hilfreiches Teil sich bewegen kann, der Klingelknopf demzufolge in unerreichbare Ferne gerückt ist .

Die Zimmernachbarin ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie
erst nach einer halben Stunde merkt, da scheint doch irgendwas nicht zu stimmen und dann endlich, wenn schon eine Ewigkeit vergangen ist, auf den Knopf drückt.

Abgesehen von allen anderen widrigen Umständen,will nun ausgerechnet noch die Blase Punkte sammeln, so dass die erwartete Erlösung doppelte Erleichterung bringen soll!

Na, denkste aber auch bloß, statt der Schwester steht auf einmal ein "Kleiner Junge", der sich Zivi nennt, neben deinem Bett und will dich, nachdem er, auf Nachfrage im Schwesternzimmer mit aufgelöster LT ausgestattet, es auch irgendwie geschafft hat, das dieses Zeug sich endlich Richtung Magen auf den Weg machte, auf eine Bettpfanne hieven!

Entsetzen!!! Schließlich hat man schon drei große Darmoperationen hinter sich und noch einige andere Sachen, die nicht ambulant behandelt werden konnten, aber Bettpfanne- nee, um Gottes willen, nein das hat man immer ablehnen können, da gewöhn ich mir das doch nicht jetzt, mit fast 60 Jahren noch an, was denkt dieser Junge sich denn!

Was dann kam, machte mir deutlich, dass Zivi Micha nicht zum ersten Mal mit solchen Ansichten zu tun hatte.

Kurz und bündig: "Das ist doch lächerlich, sowas peinlich zu finden" und ehe ich mich versah, war das ganze trotz meiner schweren Glieder schon passiert und vorbei.

- Aber- um oben angefangenes fortzusetzen:


solche ansonsten ziemlich selbständigen Patienten brauchen ja nicht unbedingt Aufmerksamkeit, selbst wenn die mitten auf dem Gang irgendwo festfrieren, man läuft ganz vorsichtig um solche Patienten herum, manchmal sehen die Gesichter aus wie:

warum stehst du denn hier herum,?

oooh nein, red mich bloß nicht auch noch an, hab schon genug Stress!
Na und was macht der stets hilfsbereite und höfliche Patient:
Na klar doch , nimmt Rücksicht, bleibt stehen, sagt kein Wort, gibt sich Mühe, nicht gerade jetzt umzufallen, schließlich macht man dann noch Arbeit.


Die Stunden vergehen, die 1. Woche ist vorüber und das geht so, bis sich nach einigem Hin und Her der Herr Oberarzt persönlich der Patientin annimmt und, auch dienstfreie Wochenenden ignorierend, selbst auf der Station erscheint, zu beobachten, ob die Einstellung
Fortschritte macht oder ob das Rechthaben mal wieder auf seíten der Patientin bleibt

Obwohl sämtliche untersuchende Ärzte und in diesem Fall das gesamte Pflegeteam der Station sich völlig einig waren, da ist nicht ein bissel Bauch da bei dieser Patientin und schon die "dicken Bäuche" haben jeden Tag eine neue Nadel setzen nicht vertragen, sich entzündet und schlimmeres ausgebrütet, wie soll ein Bauch, der gar keiner ist, das vertragen, aber, sie können das ja immer noch ablehnen!


4. Vielleicht wird's doch noch ein Erfolg?!

Und ich Patientin, die inzwischen heilfroh ist, dass Kommunikation endlich halbwegs klappt, probiere natürlich weiter, vielleicht stellt sich der Erfolg ja doch noch ein!
Der Bauch hatte nicht mehr gerade viele Stellen, an denen keine Knoten zu fühlen waren, dazu das Apomorphin als Hauptmedikament, das mich sedierte, mich völlig ruhig stellte und das bei mir als einer ansonsten sehr beweglichen Person, die in den ersten Tagen noch lebhaft, quirlig, sich interessierend, viele von den Patienten ansprach, besonders einige, die ziemlich teilnahmslos und im Rollstuhl sitzend den Tag verbringen mussten.

Andere Nebenwirkungen, wie am Anfang schon beschrieben, fügten sich nahtlos an und als 5 Wochen vorüber waren, ging es dann mit all diesen Ungemächlichkeiten heim -

vielleicht ändert sich ja alles noch zum Positiven!
Ende des Ganzen - Pumpe musste abgesetzt werden, in Bauch und Kopf völlige Unverträglichkeit, danach mal wieder Phase Medikamentenumstellung und es wird immer schlimmer!