Mitbringsel

24.04.2010

1. Noch einmal zum Thema

Nach diesem missglückten Versuch mit der Apomorphinpumpe hatte Sir James erst mal nicht ein Quentchen Einsehen!

Brauchst dich gar nicht zu melden! Von wegen petzen! Kannst du dir auch mal vorstellen, dass nicht nur immer du es bist, um den ich gerade kreisle?

Natürlich bist du wieder der auslösende Übeltäter, du musstest ja mit vollster Geschwindigkeit weitermachen, hast mich überhaupt nicht wenigstens ein bissel zur Ruhe kommen lassen, aber, ich muss jetzt erst noch loswerden, was man alles so erleben kann, wenn man glaubt, in einer Klinik ist man gut aufgehoben:


2. Ein Trauma


ist mein "Mitbringsel" von meinem bisher letzten Klinikaufenthalt, den ich nicht vermeiden konnte.



Die Situation hatte sich weiter verschlechtert!

starke Schmerzen am ganzen Körper, krass und häufig wechselnde ONs und OFFs, sehr schlecht laufen können, stark verschwommenes Sehen, teilweise Hallis und ein Neurologe, dem beim besten Willen nicht mehr einfällt, wie er mir noch medikamentös helfen könnte = austherapiert - ich kann es schon nicht mehr lesen, geschweige denn hören.

Das ganze über Wochen, so dass ich mich auch diesmal habe ziemlich willig einweisen lassen, in dem Glauben, da sind ein paar Köpfe mehr zum Denken da, es lässt sich vielleicht doch noch eine andere Zusammensetzung der Medikamente finden, ich muss bis zur OP über die Runden kommen!

3. Unsere "Koryphäe" war gerade in Urlaub

Die ganze erste Woche nur Bewegungsprotokoll führen, wobei meine Meinung und die des Pflegepersonals nicht selten weit auseinander strebte.

Unsere "Koryphäe" war in Urlaub und erst ab der zweiten Woche wieder in der Klinik, Vertretung machte ein junger Arzt, der immer ziemlich zackig daher kam -" es möge kein Patient an meiner Kompetenz zweifeln, mir ist nicht umsonst die Vertretung auf dieser Station übertragen worden".

Aber auch er stellte sich vor mich hin und posaunte:

"ER" = Wir können ihnen nicht mehr mit Medikamenten helfen, sie haben ja schon alles durch. Da hilft nur noch die OP und bis dahin müssen Sie durchhalten.

"Ich": Das würde ich ja gern, aber sie könnten wenigstens ein Mittel finden, dass mir die Schmerzen nimmt und diese arge Schwäche in den Beinen unterhalb der Knie vertreiben kann.

"ER"= Schmerzmittel ja, diese Schwäche, das ist der Parkinson, das können wir nicht ändern, da vielleicht hilft noch ein wenig Physiotherapie.

"Ich"= Wenn sie mir nur eine Schmerztablette/Tag geben, nützt mir das gar nichts, davon merke ich ja kaum etwas.

Antwort:" gut, ich trage es ein, sie melden sich bei Bedarf, aber die sind stärker, nicht mehr als drei Tabletten davon pro Tag."

Nächster Tag, Spätdienst ist da.


4. Was nun kommt, spottet jeder Beschreibung


Hatte gegen die Schmerzen schon zwei Tabs genommen, war dann ein Stück gelaufen (immer mit 2 Walkingstöcken) und die Schmerzen hatten sich wieder verstärkt, aber ich habe mir überlegt: hast ja vor dem Spaziergang erst noch eine genommen und da ich laufend auch zusätzlich zu den anderen Medikamenten noch Madopar LT konsumierte und deshalb immer wie benommen war, habe ich auch noch nichts gesagt, als die Spätdienstschwester im Zimmer war, ich wollte noch abwarten, ob sich nicht doch noch Besserung einstellte.


Aber dem war nicht so, im Gegenteil, es kamen noch heftige Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich dazu, so dass ich mich selber durch den langen Gang nach vorn quälte und im Schwesternzimmer um ein Hotpack und eine Schmerztablette bat.

Wollte die beiden Pflegekräfte ja nicht überbeanspruchen und das ist ehrlich gemeint, denn dies ist nicht mein erster Klinikaufenthalt gewesen, deshalb weiß ich, dass auf den Stationen einer Klinik aufgrund verschiedener Umstände immer Stress und Hektik das Zepter in der Hand halten.


5. Der Her Doktor hatte das Einschreiben vergessen!

Der Pfleger, der sich dort befand, zog schon ein Gesicht und fuhr mich an, was kriegen sie denn, da muss ich erst mal gucken, ob sie überhaupt was bekommen können.


Sprach´s, suchte mit verbissenem Gesicht meine Unterlagen und - der Herr Dr. hatte vergessen, das Ganze einzuschreiben!!!

Da brach ein Geschrei und Gezeter aus, wie ich es noch nie erlebt hatte, da mußte ich erst 60 Jahre alt werden und an jemanden geraten, der überhaupt kein Gefühl hatte für die Situation, in der wir uns als Schmerzpatienten befinden, der anscheinend alles vergessen oder beiseite geschoben hat, was sich mit dieser, seiner Berufswahl verband.

"Hier steht nichts drin, da steht ihnen das auch nicht zu, was soll ich denn jetzt machen, kümmern sie sich gefälligst selber drum, aber bei den Visiten kriegt ihr ja das M..... nicht auf."



6. Da sind sich Pfleger und Schwester mal einig!

Ich stand wie vom Donner gerührt auf meinem Flecken und konnte mich nicht bewegen. Dann gab die Schwester auch noch ihren Senf dazu, sie hätte diese Spielchen aber satt. Ich hatte schon kaum noch eine Stimme, als ich nachfragte, was sie damit meinte.


"Na, ich war vor einer Stunde bei ihnen im Zimmer, komisch, da hatten sie noch keine Schmerzen, gesagt haben sie da nichts."

Na toll! Die Schmerzen der Patienten sollten sich also gefälligst nach Arbeitslust und Arbeitslaune der Schwestern richten, wie können sich die Patienten denn erlauben, den Schmerz erst dann zu empfinden, wenn ich das Krankenzimmer schon verlassen habe.

Mann, bin ich froh, dass die allermeisten der Schwestern und Pfleger ihrem Beruf alle Ehre machen!


Mein Parki schlug da schon Purzelbäume, es schwoll im Inneren immer mehr an, bis ich dort auf der Stelle klebend (Freezing), zitternd und mit Tränen, mich nicht mehr rühren konnte.

Es mag nur ja niemand glauben, dass dies einen von beiden dazu gebracht hätte, mir wenigstens eine Sitzgelegenheit anzubieten, nein, ich möchte den beiden trotzdem nichts schlechtes unterstellen, aber sie schienen sich noch zu freuen, dass es mir so schlecht ging und haben mich genau dort, wo ich stand, auch stehen lassen.




7. Nur der Zivi hat geholfen!

Ich konnte mich nicht beruhigen, das Zittern und Heulen und Festkleben wurde immer schlimmer, ich wusste nicht, wie ich in mein Zimmer kommen sollte.

Einer der Zivis konnte es dann nicht mehr mit ansehen, er brachte mich zurück.
Von den eigentlichen Diensthabenden hat es den ganzen Nachmittag und Abend niemand interessiert, ob und wie ich ins Zimmer und ins Bett gekommen bin.


Am nächsten Morgen bat ich eine der Schwestern, sie möchte bitte vorn Bescheid geben, dass ich, im Beisein meiner Psychologin, die mich in dieser Klinik von Anfang an betreut hat, mit dem Stationsarzt sprechen möchte.



8. Bei der Visite kam ich aus dem Staunen nicht heraus


Der so coole, zackige Herr Doktor setzte sich auf meine Bettkante:

Doc: Sie haben Probleme, habe ich gehört, was ist denn los?

Ich: Herr Dr. ich habe um ein Gespräch gebeten, aber nicht hier und außerdem im Beisein meiner Psychologin.

Doc: Da müssen sie dann vorkommen, ich lasse Bescheid geben, wenn es soweit ist.

Es wurde Mittag und zeitiger Nachmittag, da bekam ich mitgeteilt, dass meine Psychologin nicht an dem Gespräch teilnehmen wird.

Der Herr Doktor wollte nur mit mir allein ein Gespräch führen? Mir war es nicht recht, aber da dachte ich noch, besser als gar nichts!


9.Für mich unfassbar das Verhalten dieses Arztes


Als ich geholt wurde und das Arztzimmer betrat, sah ich diesen in meinen alten Unterlagen blättern und er begann auch sofort in dieser Richtung das Gespräch. Er hätte sich die Unterlagen angesehen und ich hätte ja die Medis alle durch usw. Ich habe ihn unterbrochen und versuchte ihm klarzumachen, dass es in diesem Gespräch nicht DARUM gehen sollte, er ist immer wieder ausgewichen und hat sich dann letztendlich doch zu dieser Aussage hinreißen lassen:

Sie müssen das so verstehen, ich bin der Kapitän dieser Mannschaft und habe sie deshalb zu schützen!



Ich konnte es nicht fassen, das heißt für mich, die Patienten sind seine Feinde,

eine andere Interpretation ist hier wohl nicht möglich.

Kein Wunder, wenn sich dann ausgerechnet solche Pflegekräfte in ihrem Verhalten noch gestärkt fühlen und sich damit das Recht herausnehmen, alles das, was bis zu diesem Zeitpunkt die anderen bei dem/der jeweiligen Patienten/in mit viel Einfühlungsvermögen und Engagement schon aufgebaut hatten, wieder zunichte zu machen.


Ich bin mir bis heut noch nicht im Klaren, ob ich es dabei belasse oder doch noch etwas unternehme.


Aber, mein Respekt und meine Achtung vor dem Ethos dieser Berufe in dem Bereich des Gesundheitswesens haben sich zugunsten eines Traumas sowieso verabschiedet, was soll das also noch!


Aufgeschrieben von der Parkinsonpatientin elrawi/finia im Juli 2009