Ein Anruf bringt Erlösung

Nachtgedanken und ein erlösender Anruf

1. Nachtgedanken

Mein Neurologe hatte mir die Einladung dorthin vermittelt, weil er eigentlich schon seit 2 Jahren redete und versuchte, mir diese Tiefenhirnstimulation schmackhaft zu machen.

Anders gesagt, er erzählt mir seit ca. 2 Jahren, ich wäre austherapiert, ich hätte alles an Medikamenten durchprobiert, was man einem Parkinson-patienten anbieten könne, es gäbe keine andere Therapie und keine Medikamente mehr, die mir weiterhelfen könnten , nachdem ich auch noch die Apomorphin - Pumpe probiert hatte.

Diese Therapie hatte überhaupt nicht angeschlagen, im Gegenteil, sie hatte alles noch viel schlimmer gemacht. Aber davon war ja schon anderswo die Rede.

Aber dass ich doch ein wenig skeptisch bin wegen der OP, ist auf eine Äußerung unserer "Koryphäe" in Chemnitz zurück zu führen

Ich weiß gar nicht, was hier bei uns los ist, DRÜBEN WOLLEN JETZT ALLE OPERIERT WERDEN, nur hier bei uns will niemand etwas davon wissen! -
Er schien nachgerade beleidigt zu sein, dass seine (östlichen) Patienten ihn nicht in dieser Hinsicht an dem Fortschritt und an dem, was damit für einen Neurologen, der in Bezug auf den Parkinson eine Kapazität darstellte, teilhaben lassen wollten. Brauchen sie also noch " Versuchskaninchen"?

In der Zwischenzeit , so ist es mir jedenfalls bekannt geworden, sind noch 2 von den Männern im Umkreis von Hainichen, die bei meinem Neurologen mit der Parkinsonkrankheit in Behandlung sind, hier im Uniklinikum Dresden angemeldet, angemeldet für dieselbe OP.

2. Es geht los!


An diesem 07.06.2010 kam im Laufe des Vormittags ein Anruf aus dem Uniklinikum Dresden, der Neurologe, den ich in Hetzdorf zusammen mit Herrn Oberarzt Dr. Koy gehört hatte:

wenn ich es schaffen könnte, bis 14:00 Uhr in Dresden zu sein, wäre die OP auf den 08.06.2010 vorverlegt. Kam pünktlich vor 14:00 Uhr an und wurde schon erwartet.

Das habe ich ihn nicht nochmal wiederholen lassen, hatte doch meine Angst in den letzten 14 Tagen enorm zugenommen und eigentlich müsste ich noch 14 Tage warten!
In aller Eile wurde meine Tasche gepackt und ich machte mich auf den Weg nach Dresden, wo ich überpünktlich eintraf.
Man wartete dort schon, denn es war noch einiges an Vorbereitungen zu erledigen. Ich kann mich dann nur noch an Hektik erinnern, alles musste sehr schnell gehen. So bekam ich nur sehr wenig von dem mit, was alles noch so mit mir veranstaltet wurde. Hatte noch eine Beruhigungsspritze bekommen, die, im Zusammenhang mit den anderen Spritzen, mein Gehirn soweit lahmlegte, dass ich bis zum nächsten Morgen kaum etwas mitbekam.

Ich habe jetzt diese beiden OPs hinter mir und sollte mich darauf einrichten, dass es mir ab morgen mit dem Einstellen besser gehen könnte.
Denn ich glaube, ab morgen werden die Neurologen mich in die Klemme nehmen.


Haben sie auch, Herr Dr. Wolz hat mich hier gestern im Haus gesehen und sofort angeordnet, ab 20:00 UHR Medikamentenentzug, damit ich morgen früh im Off bin und die Einstellungen beginnen können.

3. Medikamentenentzug

Ja, ich freue mich, wenn es vorwärts geht, aber Medikamentenentzug bedeutet auch, eine ganze Nacht, die nicht vergehen will, steife, bewegungslose Glieder, in den Beinen immer wieder ein Zucken, ein Kribbeln und Stromschläge, dazu sich nicht rühren können - kein Toilettengang, gar nicht möglich, dass zu schaffen, auch wenn die Nachtschwestern noch soviel mit helfen wollen.

Übrigens, ohne die Nachtschwestern hätte ich das, glaube ich, nicht geschafft. Immer wieder Umlagern, man kann nicht es nicht aushalten, "nur" auf dem Rücken liegen, "nur" auf der Seite liegen, es geht alles nur, wenn jemand mit zupackt, dich in die richtige Lage bringt, denn du selber kannst gar nichts dazu beitragen, es sei denn, du hältst alles aus, du hast ein unheimliches Empfinden dafür, dass die Nachtschwestern zu rennen haben und du nicht auch noch stören willst.

Aber mit diesem Gedanken kommst du nicht weit, dein Körper macht einfach nicht mit und du greifst das nächste Mal zur Klingel.
Dann ist es soweit, du klingelst, die Nachtschwester ist wieder da, sie hilft dir und geht wieder und auf einmal merkst du, dass die Klingel genau daliegt, wo du nicht mehr hinlangen kannst.


Absicht? Du hast selbst gehört, das in dieser Nacht der Teufel los ist, die Schwestern haben zu rennen, überall klingelt es, sie sind trotzdem immer wieder zu dir gekommen und nun?

Nun liegt die Klingel so, dass es absolut unmöglich ist, dass ich sie erreiche!

Ich nehme es zunächst zur Kenntnis, will glauben, das kann nicht sein, was dir da gerade durch den Kopf schießt, trotzdem versuchst du, an sie zu gelangen, aber, ich kann mich keinen Zentimeter nach rechts oder links drehen.

4. Hilflosigkeit und Angst


Zu der Gliederstarre kommt noch dieses Elektrogefühl dazu, elektrisierte Beine, ein ekelhaftes Gefühl!

Aber das ist noch nicht alles, der Brustkorb wird enger und Du schnappst nach Luft, du glaubst, im nächsten Moment machst du den letzten Atemzug, alles wird immer enger, du gibst es erneut auf, dich stark machen zu wollen.

Es kommen immer mehr Jammerlaute, bis du dann schließlich nur noch ein Winseln von dir selber hörst, aber deine Zimmerkollegin, die du gar nicht mit einbeziehen wolltest, ist natürlich davon wach geworden und drückt auf die Klingel!
Die Schwester kommt, die andere, und ich höre mich sagen, sie hat mir die Klingel weggenommen, mit Absicht!

Schon in dem Moment, als das raus ist, weißt du selbst - eine unsinnige Behauptung! Aber - du hast es so rausgebracht und wenn dich nicht alles täuscht, war sie gerade wieder mit dem Kopf in Richtung Tür verschwunden.

Schon tut es mir leid, aber gesagt ist gesagt!


Dieselbe Schwester reagiert dann heut noch einige Male, wenn ich mich per Klingel melde und als dann auch noch der halbe Nachtschrank unter Wasser steht, weil die Vase durch meinen Klingelknopf, den ich nicht mehr aus der Hand gegeben habe, umgerissen wird, ist es wieder diese Schwester Kerstin, die alles aufwischt und aufräumt.

An diesem Missgeschick gebe ich mir allerdings die wenigste Schuld, denn bei jedem Mal, wenn die beiden hier sind, um zu helfen, rücken sie den Nachtschrank weiter nach hinten.

So kam, was eigentlich absehbar war, worauf ich aber vorher auch nichts sagen konnte, ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, mit allem , worin ich gefangen war, mit allem wodurch ich mich so sehr geängstigt fühlte, mit allem, was mir Sorgen macht.