4.8. Nächtliche Gedankengänge

15.02.201

Nachtgedanken
Diese THS war ein Segen für mich, das muss ich immer wieder betonen. Und auch heute sage ich, ich würde sie jederzeit wieder machen lassen, denn mit dieser OP wurde mir ein neues Leben geschenkt, d.h., ich wurde no
ch einmal neu geboren und mein zweiter Geburtstag ist nun eigentlich der 9.6. jeden Jahres.
Ja, auch wenn sich inzwischen so einige Zipperlein eingestellt haben, ich genieße es immer noch, frei zu sein von so vielen Beschwerden, die vor der OP gang und gäbe waren, die mich gequält und gemartert haben.
Ich habe jetzt deshalb auch nie Lust, mich mit meinem Sir James, der nach wie vor in seiner dunklen Ecke lauert, zu unterhalten bzw. mich mit ihm zu beschäftigen.

Aber, auch wenn ich ihn manchmal gar nicht bemerke, er ist da und wird seine Zeit abwarten, denn bei allem, was man Negatives über ihn sagen kann, er ist ein sehr kluger Kerl und versteht es, seine Zeit zu nutzen.

Es gibt sogar Positives von ihm zu berichten. Auch wenn seine Lieblingsbeschäftigung darin besteht, sich immer wieder neue Quälereien und Querelen einfallen zu lassen, verhilft er aber vielen von uns zu einem neuen Selbstbewußtsein.
Ich stelle das nicht nur an mir selber fest, nein diese Krankheit bringt vielen das Gefühl, mehr Kraft zu haben, selbständiger zu werden, eine neue Herangehensweise an viele Dinge gefunden zu
haben, die positiver ist, die auch Widerstand gegen diese Krankheit hervorgebracht hat, die aber auch das Einsehen bringt, diesen Zustand anzunehmen und sich trotzdem so wenig wie möglich damit zu belasten.

Zumindest eine Person behauptet, dass sich meine Persönlichkeit mit dieser OP verändert hat, ich wäre noch viel härter, abweisender, verbohrter geworden.

Sie ist da die einzige, alle anderen bescheinigen mir die genau gegenteiligen Eigenschaften und sagen, ich wäre noch offener, aufmerksamer, fröhlicher, herzlicher jetzt.

Ich schäme mich nicht mal, dies anzunehmen, muss aber auch ergänzen, bei allem, was ich mir so vornehme, muss es immer sofort sein, dass ich loslege, in dieser Richtung bin ich noch konsequenter, man kann auch sagen, sturer als vorher.

Aber, es ist auch etwas eingetreten, womit ich nicht gerechnet hätte.

Ich nehme diese Elektroden, diese Drähte und auch den Stimulator so sehr als Fremdkörper in meinem Körper wahr, dass ich glaube, ich werde niemals das Gefühl los, hier ist etwas, was nicht mit dazu gehört, ja sogar, hier ist etwas was mir vielleicht auch mal gefährlich werden kann.

Ich habe regelrecht eine Angst, wegen einer akuten Sache ins Krankenhaus zu müssen und ich kenne die Routine dort viel zu gut, sie schauen nicht erst mal in die Papiere, sondern es geht immer "maschinentechnisch" los in der Aufnahme, woher wollen sie das wissen, noch dazu, wenn ich vielleicht nicht reden kann, was da gemacht werden darf und was für mich gefährlich werden könnte.

Ich stelle es mir ganz furchtbar vor, wenn das Gehirn an den Elektroden verbrennt und hoffe darauf, dass ich in nächster Zeit von Krankenhausaufenthalten verschont bleibe, weiß ich doch aus langjähriger Erfahrung, dass man in jedem Krankenhaus gut daran tut, selber auf sich und seine Gesundheit aufzupassen, aber, man muss natürlich dazu in der Lage sein.