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07.09.2012

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Dass keine Schwestern mehr da waren, das bedeutete, den langen Weg zurück bis zur Rezeption, wie gesagt, die Wege hier sind endlos und mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich auf dem Weg in den Speiseraum war, immer langsamer wurde und dann nicht mehr weiter konnte, keine Kraft in den Beinen, es ging einfach nicht weiter.

Am Donnerstagabend war so ein Tag! Ich machte mich auf den Weg zum Abendessen in den Speisesaal und war in meinem Zimmer (nach 5 Tagen im Doppelbettzimmer konnte ich endlich in ein Einzelzimmer umziehen) noch guter Dinge, dass ich diesmal diesen Weg bewältigen konnte.

Draußen auf dem Gang fühlte es sich dann anders an, ich wurde immer langsamer und in dem Bereich Schwesternzimmer/Fahrstuhl konnte ich wieder keinen Fuß vor den anderen setzen. Ich setzte mich auf einen der Stühle dort und wartete, weiß der Himmel worauf, dass es wieder weiterging mit dem Laufen, vielleicht käme ja jemand vorbei, der mir helfen konnte.

07.09.2012

Wie schon erwähnt, am Nachmittag und Abend war immer nur das Schwesternzimmer in einem Obergeschoß besetzt, drei Geschosse gibt es hier.

Und dann, ich wollte meinen Augen nicht trauen, kam wirklich eine der Schwestern um die Ecke, sie trug einen Karton in der Hand. Und ich getraute mich auch, sie anzureden, nämlich: Schwester, ich komme mal wieder keinen Schritt weiter!

Da fuhr sie mich an: Sie sind im Moment nicht meine wichtigste Person, ich muss der Patientin hier hinten das hier bringen.

Das hier, das war ein spezielles Kissen, auf das diese Patientin schon tagelang wartete, wie ich später erfuhr, also nichts Lebensbedrohliches, das verhindert hätte, dass sie in einem etwas freundlicheren Ton hätte sagen können, ich bin gleich zurück und dann helfe ich ihnen.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und ließ natürlich sämtliche Scheuklappen nieder. Von dieser Person, würde ich mir nicht mehr helfen lassen, das stand fest! Leider kam ich aber auch nicht einen Schritt weiter und meine Knie wackelten, als würde ich jeden Moment zusammen brechen.

Zu meinem Glück kam eine Patientin vorbei, die mich fragte, ob sie mir helfen könne, sie holte einen Rollstuhl und brachte mich bis in mein Zimmer.


Andere Situation: Rückenschule ist vorbei, ich komme dort gut mit, auch wenn ich Schmerzen habe, bin ich eigentlich die Beweglichste in der ganzen Truppe!

Aber, wir wollen wieder gehen, alle anderen sind fort und ich bin immer noch nicht in der Hälfte des großen Raumes. Die nächste Gruppe wartet schon, sie möchten in den Gymnastikraum und sich nach Anweisung ihres Physiothera-peuten strecken und dehnen, aber Elke kommt schon wieder nicht vorwärts.

Sie ruft, die anderen möchten doch reinkommen, aber sie legen Wert darauf, einen leeren Raum zu betreten. Unsere Physiotherapeutin ist fort und ich gerate immer mehr unter Druck.

Als ich endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, den anderen nicht mehr im Wege bin, falle ich erst mal auf den nächsten Stuhl. Ich schwitze vor Anstrengung und ich fühle meine Beine nicht mehr! Aber, ich muss wieder aufstehen, es dauert nicht mehr lang, bis ich mal wieder eine Hand voll Pillen einwerfen muss, also weiter.

Sehr, sehr langsam geht es in Richtung Fahrstuhl als eine andere Patientin mich anspricht: Na, gestern sind sie aber schon mal besser gelaufen!

Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich Parkinson habe und dass es normal ist für uns, an einem Tag gut drauf zu sein und am nächsten eben nicht, dass es uns allen so geht.

Jetzt musste ich ihr erst einmal einiges zu unserer Krankheit erzählen, aber am Ende meiner Ausführungen schaute sie auch nicht klüger aus der Wäsche, da habe ich wohl mal wieder vollstens versagt!

Egal, ich musste zu meinem Tablettencocktail und hatte deshalb keine Zeit mehr, mich lange zu erklären.

Nach ein paar weiteren Schritten sprach mich die nächste Patientin an: Ihnen ist wohl nicht gut, sie können sich ja kaum noch auf den Beinen halten, kann ich ihnen helfen?

Automatisch kam von mir erst mal wieder dieses obligatorische : Danke, nein, ich komme schon zurecht! Aber kaum hatte ich das gesagt, da fiel es mir ein, ich nahm das Nein zurück und sagte: Doch, ja, wenn sie helfen können, ich meine, wenn es ihrer Gesundheit nicht schadet, sie sind doch auch Patientin hier.

Dann henkelte ich mich in ihren Arm und fing an, laut zu zählen: Eins, zwei, eins, zwei, Schritt, Schritt. Sie nahm das Tempo auf und so schaffte ich es doch noch bis zu dem Fahrstuhl, mit dem ich in mein Obergeschoß und dann in mein Zimmer gelangte.

Ihr könnt mir glauben, es liefen viele Physiotherapeuten und Schwestern an mir vorbei, es war ja inzwischen Mittag geworden, aber nicht eine sah, dass es mir schlecht ging.

Oh, es hätte ja auch ein wenig Arbeit gekostet, mich aufs Zimmer zu bringen. Wie war denn das mit dem Berufsethos der Krankenschwestern? Ob sie wohl in ihrem Arbeitsvertrag eine Klausel haben: den Patienten immer mit einem zur Faust geballten Gesicht zu begegnen? Na egal, nein, ist es nicht, ich war nur noch am Heulen und konnte fast gar nicht mehr laufen.


Deshalb beschloss ich, bei meiner Krankenkasse anzurufen, und darum zu bitten, dass ich diese Kur abbrechen könnte. So, wie die Situation war, konnte ich nur noch mehr krank nach Hause kommen. Gesagt, getan! Die Dame, an die ich zuerst geriet, zeigte sich sehr verständnisvoll und erklärte mir nach einigen Fragen, sie könnte das nicht allein entscheiden, sie müsste das dem MD für den Bereich "KUREN" vorlegen, versicherte mir aber, dass ich noch heute eine Antwort bekäme, auch wenn es Freitag wäre. Also wartete ich, ihr kennt das ja mit den Beamten: Ab Freitag um eins, ....
Zwischen halb und dreiviertel Eins klingelte dann endlich das Telefon. Die Krankenkasse, jemand aus dem Bereich "KUREN"!

Dieser Herr machte mir ganz unmissverständlich klar, wenn ich diese Kur abbrechen würde, bekäme ich keine mehr und dann war auch noch von finanzieller Beteiligung die Rede!

Schließlich wäre diese Kirnitzschtalklinik in Bad Schandau eine der besten im Land und wenn ich mit den Schwestern nicht klar käme, dann wäre das wohl meine Sache!

Wie bitte, ich hatte nichts weiter über die Schwestern gesagt, aber ich hatte ein kurzes Gespräch darüber mit unserem Oberarzt. Jetzt wusste ich auch, weshalb ich so lange auf das Gespräch warten musste. Was nun!? Was tun?

Hier stimmte mal wieder ein Sprichwort meiner Oma, dass da lautet: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Für mich fühlte sich das glatt wie eine Erpressung an und ich bin auch jetzt noch dieser Meinung. Deshalb bekommt meine Krankenkasse auch eine geharnischte Beschwerde.

07.09.2012

Aber zunächst hier weiter! Ich rief am selben Tag noch in der Uniklinik an, Schwester Claudia in der Anmeldung der ambulanten Sprechstunde Parkinson kennt sich da besser aus und merkte an meiner Stimme, dass es mir wirklich mieser als mies ging.

Sie gab mir für den kommenden Dienstag einen Termin bei meiner Ärztin, die mich dort sofort "einzog" und mich auf ihrer Station unterbrachte. Aber das ist wieder eine andere Sache und eine andere Geschichte.