Rehabekanntschaft

02.09.2010

Rehabekanntschaft - Herr F.

Kennt Ihr Herrn F.? Nein, sicher nicht!

Ich habe diesen Herrn während meiner Reha kennen-gelernt.

Äußerst beleibt, nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass jemand, der so eine Leibesfülle aufzuweisen hat, mit so einer hübschen Frau verheiratet ist, aber ist Tatsache.

Und er hatte immer viel Besuch, dieser Herr F. An manchen Tagen ist seine Türklinke heiß gelaufen, so sehr ist sie beansprucht worden.


Herr F. hat eine Riesenleidenschaft, die Musik.

Er textet selber, er singt selber, er komponiert selber und das mit einer Anlage, von der er behauptet, der Herr Bohlen hätte auch keine bessere.

Nun ist ja gegen all dies nichts einzuwenden.

Aber, er hat seine Leidenschaft zu seinem Hobby gemacht!

Spricht eigentlich auch noch nichts dagegen! Wenn, ja wenn er nicht immer und immer Zuhörer brauchte.

02.09.2010

Sobald jemand an seinem Zimmer vorbeikam, wurde der hereingerufen und musste sich pausenlos anhören, was er wieder getextet und komponiert hatte.

Wäre auch noch auszuhalten, er hat eine sehr angenehme Singstimme, die Musik dazu geht ins Ohr, aber jeden Tag endlos lange Gesänge über die bienenfleißigen Schwestern und Pfleger, die fachkompetenten Reinigungskräfte usw. usf., nein das war fast nicht mehr zum Aushalten!

Man tut ja gern einem Kranken einen Gefallen, aber was zu viel wird ist auch zu viel.
Und so hat sich fast ein jeder ganz still und heimlich an seinem Zimmer vorbeigestohlen.

Als Herr F. dann nach Hause ging,war ich genauso erleichtert, wie alle anderen auch, überstanden und vorbei!
Das dachte ich aber auch nur!

Dieser Herr F. wohnt ca. 15 km entfernt von mir.

Denkt nur ja nicht, ich hätte vielleicht Adresse oder Telefonnr. ausgetauscht, nichts, aber auch gar nichts dergleichen.
Eines Tages aber steht meine Nachbarin vor der Tür, Telefonhörer am Ohr, ich wollte nur mal schauen, ob sie da sind, Herr F. ist am Telefon, ach, sie wussten wohl gar nicht, dass wir miteinander verwandt sind?

Und so hatten wir uns nun wieder, der Herr F. und ich.

Und ich kann Euch sagen, dieser Herr F. ist so ein richtiges Schlitzohr, das mit allen Wassern gewaschen ist.

Ruft er doch neulich mal hier an und behauptet, sein ganzer Körper steht unter Strom. Ob wir nicht alles stehen und liegenlassen könnten, er weiß nicht wie der Stimulator ausgeschalten wird.

Hilfsbereit, wie wir sind, haben wir uns natürlich auf den Weg gemacht. Dort angekommen, konnten wir feststellen, es ging ihm zwar nicht gut, aber das hatte mit dem Stimulator nichts zu tun.

Und dann kam das unweigerliche:" Kommt doch mal mit hoch."

Mit hoch, heißt in diesem Falle, mit in sein Arbeitszimmer, das er Studio nennt.

Und dann ging es von vorn los, bienenfleißige Schwestern usw.usf.

Es hat gar nichts genutzt, dass ich zwischendrin immer wieder behauptete, ich müsste in spätesten 10 Minuten gehen, er wollte uns unbedingt eine CD brennen und mit nach Hause geben.

Alles schön und gut, aber ich konnte schon nicht mehr stehen und ihm selber ging es von Minute zu Minute immer schlechter.

Aber alles Reden nützte gar nichts, er musste eben erst die CD fertigmachen, bevor er vor uns die Treppen mit einem Affenzahn herunterlief und ich glaubte jeden Moment, er fällt einfach um.

Bei ihm hat der Stimulator nicht das erwartete Ergebnis gebracht.

Er ist nicht gerade gut zu Fuß unterwegs und muss sich immer mal wieder mit dem Rollstuhl fahren lassen, außerdem spricht er so schlecht, dass man kaum etwas verstehen kann.

Er muss im Oktober noch einmal in die Dresdener Uniklinik, dort sollen die Pole dann nochmal ausgetauscht werden.

02.09.2010

Wenn ich das so höre, dann denke ich immer: "Was hast du nur getan, dass du soviel Glück hast mit allem, was diese OP betrifft.

Ich glaube, alle Glücksengel haben sich in Dresden um mich geschart und mir zur Seite gestanden, anders kann ich mir das ganze nicht erklären!