1. Sich etwas Gutes tun!


Du wirst mir sicher zustimmen müssen, SIR, wenn du irgendwo "eingezogen" bist, zwingst du deinen "Wirt" sich zu wehren, anders geht sonst gar nichts mehr!

Du pfuschst doch überall hinein, dass geht los mit deiner Einflussnahme auf die Motivation.

Du lässt alle Glieder bleischwer werden, so schwer, dass das kleinste Gewicht mich in den Boden ziehen muss.

Damit eröffnest du das Vorprogramm, alles schwer - keine Lust, mich zu bewegen! Denkste, kannst du ruhig zugeben, ich habe dich schon eine ganze, ja, eine schöne Zeit lang austricksen können!
Jaaa, natürlich habe ich gewusst, dass du doch wieder hinterher geschossen kommst und da brauchst du dich gar nicht so zu winden, indem ich alle "normalen" Gehhilfen ablehnte und beschlossen hatte, mich zweier Walking - Stöcke zu bedienen, habe ich mir etwas Gutes getan und das auf längere Sicht.

Läuft man mit Nordic Walking - Stöcken los und bedient sich dieser Stöcke und setzt sie ein, dann kommt ein Parki heraus, der vom Ansehen her keiner ist.

Wie das geht, das wirst du doch selbst am besten wissen, aber - ich kann es dir auch noch einmal erklären:

Unsere Muskeln sind immer sehr angespannt, selbst mit Anwendung der verschiedensten Entspannungstechniken fällt es uns sehr schwer diese Anspannung loszulassen.

Das passiert sowohl bei Steifigkeit als auch bei Überbeweglichkeit, zappeln, wie ich das nenne.

Diese Anspannung verursacht dann ganz schnell, dass der Rücken sich immer mehr rundet und Kopf und Oberkörper sich nach vorn unten beugen.

Unternimmt man nichts dagegen, wird diese Haltung immer ausgeprägter. Gerade zu Beginn meiner offiziellen, sprich diagnostizierten, Zeit mit dir, ist es mir nicht nur einmal passiert, dass ich mich arg zurückhalten musste, nicht jedesmal einen Spiegel zu zertrümmern, wenn ich im Korridor an der Garderobe vorbeiging.

Das konnte ich nicht so einfach hinnehmen, du weißt, dass ich immer darauf geachtet habe, sportlich zu bleiben und dafür habe ich schon ziemlich viel getan.

Nach der Arbeit, egal wie spät es auch geworden war oder ob es schneite, glatt war, regnete, stürmte, nichts konnte mich davon abhalten, abends noch im Laufschritt durch die Gegend zu rennen und ich glaubte immer, dass dies das Richtige wäre, ich war zwar nicht immer entspannt, aber ich konnte so meinen stärksten Frust abbauen, hinterher war ich viel zu kaputt und zu müde, um mich damit weiter zu beschäftigen.

2. Genau das wollte ich auch jetzt tun!

Um mit meinen Problemen fertig zu werden, die am Anfang ganz massiv auf mich einstürmten.

Aber das Laufen sollte ich lieber aufgeben, so der Tipp meiner Orthopädin.

Schwimmen, Walken, Gymnastik, Rückenschule, in Maßen Kraftsport, ähnlich wie bei den Schlaganfallpatienten, Entspannungstechniken.

Weißt ja, was dabei heraus kam und kommt. So oft wie nur irgend möglich habe ich die Physiotherapie genutzt, vor allem die Wassergymnastik und andere sportliche Aktivitäten, die in meiner Physiotherapie angeboten wurden.

Aber das reichte mir immer noch nicht. Der Gedanke, beweglich zu bleiben frass sich regelrecht ein in mein Gehirn.

Auch zu Hause wurde weiter gübt, du kennst das ja, Musik an, dann Streching, dann Reifen um den Bauch und im Hulahopp- Rhytmus, so lang wie möglich durchgehalten,dabei muß ich aber auch zugeben, als Kind war das wesentlich leichter.

Auch ein kleines Trampolin musste dran glauben, meine Parki - Bekannten haben mich für ziemlich verrückt erklärt. War ich im gewissen Sinne auch, Bewegung war mein Schlagwort, wenn ich kaum aus dem Bett kam, weil ich meinen Rücken kaum hoch- und dann geradebiegen konnte, Bewegung war es auch, wenn die Beine vor Schwäche versagen wollten, wenn mir schlecht und schwindlig war.

Man mag darüber denken wie man will, übertrieben oder nicht, ich glaube schon, dass dieser Eifer mir über einige Jahre mehr ein gutes Gefühl gebracht hat, dass ich mich gar nicht so sehr mit meiner Krankheit befasst habe, behaupte ich doch heute noch, dass ich beweglich bin wie eine Spitzensportlerin!

Dann, als es trotzdem mit dem Laufen bergab ging, habe ich mir diesen Takt der Walking-Stöcke zunutze gemacht, weißt schon: eins-zwei, eins-zwei und wenn ich laufe und bin allein auf weiter Strecke, dann erzähle ich mir Geschichten im Zweier-Takt.

Auch wenn beim Start die Koordination noch nicht ganz stimmt und die ersten Schritte immer schwerfallen, nach einem Stück Weg bin ich dir und vielen anderen einfach davon gelaufen.

Nichts mehr von fehlender Motivation und, da hier der Einsatz beider Arme, beider Beine, überhaupt des ganzen Körpers gefordert ist, richtet sich der Rücken auf, Schritte werden größer, während du uns zu Trippelschritten verurteilt hast, damit wir schneller das Gleichgewicht verlieren und fallen, dazu werden beim bewußten Lauf auch noch beide Gehirnhälften beansprucht und das ist nicht nur für chronisch kranke Menschen gut, auch den Gesünderen kommt so ein Training entgegen.

3. Ein Besuch in der Eisdiele!

Aber du, Sir James, bist ein rachwütiges Etwas, als hättest du mir in den letzten Monaten nicht schon genug Tiefen beschert.

Mein Gott, das war doch wirklich nur ein ganz kurzer Spaziergang, den ich mir heute bei diesem herrlichen Wetter mal erlauben wollte und ich habe mich so sehr gefreut, dass ich nach den ersten Startschwierigkeiten wieder so laufen konnte, dass es mir auch wieder Spaß gemacht hat!

Konntest du schon wieder nicht ansehen, nicht wahr? Hast gedacht, wenn du ein paar Krämpfe in meine Beinmuskulatur schickst, dann gibt sie auf?!

Und dann wollten die unterwegs auch noch einer Eisdiele einen Besuch abstatten und sie steuern doch wirklich darauf zu!!

Aber da hat doch jeder für dich Verständnis, das konntest du doch wirklich nicht zulassen!

Das hast du mir schon zu verstehen gegeben, als meine Freundin noch in der Schlange stand und wartete.

Zuerst hast du die kleinen spitzen Nadelstiche geschickt, die auf beiden Füßen und Beinen ausschwirrten, dann kroch Taubheitsgefühl von den Zehen an die Beine hinauf, dann etwas, dass sich anfühlte wie Blutleere, alles wurde schwer und schwerer und dann kam die Schwäche dazu.

Ich habe es gespürt, mit welcher Freude du miterlebt hast, dass ich kaum aufstehen konnte und dann nichts mehr ging. Und regelrechte Begeisterung, als ich mich sofort wieder auf eine Bank fallen lassen musste.

Zum Glück waren wir nicht weit von meiner Wohnung entfernt, so das ich nicht sehr lang warten musste, bis meine Freundin mit dem Auto wieder da war.Trotzdem, das Angestarre wird mir irgendwann mal zum Verhängnis werden, das weiß ich genau. Ich fühle mich immer wie ein dressiertes Zirkusäffchen.

4. Sternbild Stier und in der Altmark beheimatet!

Aber noch ist es nicht soweit, sich in ein Mauseloch zu verkriechen, du hast mich 12 Jahre nicht kleingekriegt, und ich bin Sternbild Stier!

Rechne schon von daher nicht damit und dann, meine eigentliche Heimat ist die Altmark, ich sags mal grob:

Zwischen der Magdeburger Börde und dem Lande der Fischköpfe gelegen! Hast du noch nichts von den Altmärker Sturköpfen gehört?!

Na, dann pass mal schön auf in nächster Zeit!