Sir James und ein gefallenes Mädel

10.04.2012

Sir James und ein "gefallenes Mädel"

Irgendwann ist es soweit, es wird kaum einen Parki im fortgeschrittenen Stadium geben, der noch nicht mit diesem fiesen Detail von Sir James Bekanntschaft gemacht hat.

Ich rede vom Hinfallen oder der Fallsucht oder dem Stürzen!

Man kann noch soviel trainieren, man kann Wert legen auf Gleichgewichtsübungen, darauf, wie man sich am besten ausbalanziert, wenn man denn erst mal ins Schwanken kommt.
Es ist ein seltsames Fallen! Man denkt - ja was eigentlich? Kann man in diesem Bruchteil einer Sekunde überhaupt noch etwas denken? Ich behaupte ja, man kann!

Ich weiß, dass ich gedacht habe, du musst etwas tun, aber als ich damit zu Ende war, da lag ich schon am Boden!
Aber der Reihe nach!
Der 19. März begann wie jeder andere Tag auch.

Fine war gegen 7:00 Uhr aus ihrem Bettchen gekrabbelt, reckte und streckte sich nach allen Regeln der Kunst, dehnte das kleine Körperchen bis in die letzten kleinen Glieder, schüttelte sich kräftig, um im nächsten Moment auf mein Bett zu springen und die vermeintlich noch Schlafende zu wecken.
Ich bemühe mich immer wieder nach Kräften, ihren ach so feuchten Küsschen zu entgehen und mich unter der Bettdecke zu verstecken, aber sie ist immer so flink und einfallsreich zugange, dass ich doch dieses oder jenes Schlabberküsschen abbekomme, auch wenn es mich schüttelt und ich dann versuche, schnell aus meinem Bett zu kommen.
Also, Füße raus und dann langsam aufrichten, Wirbel für Wirbel, ganz so, wie wir es irgendwann mal in unseren Physiotherapien gelernt haben.

Aber, kaum habe ich mich am Bett hoch und gerade aufgerichtet, ist Fine schon auf den Boden gesprungen und streckt ihre Vorderfüßchen an meinen Beinen bis hoch an die Knie und - möchte gestreichelt werden. Also den noch schmerzenden Rücken beugen und Fine streicheln!
Nun ab ins Bad, damit Fine dann endlich aufs Gassi kommt! Zum Glück ist es heut nicht ganz so kalt, die Luft draußen ist herrlich!

Fine rennt auf die nächste Wiese, um erst mal ein Pfützel loszuwerden. Klappt wunderbar, aber wie immer, möchte sie noch nicht gleich wieder ins Haus zurück.

Also Elke, reiß dich und deinen schmerzenden Rücken zusammen und lauf weiter, deine Gymnastik kannst du später machen, Fines Wohlsein ist oberstes Gebot geworden, darum dreht sich alles! Und schließlich wartest du ja auch darauf, dass sie noch irgendwo ein Häufchen hinbaut, dass du dann ganz brav einsammelst, weil man ja sowas nicht auf einer Wiese in einem Neubaugebiet liegen lässt.
Deshalb laufen wir weiter, biegen jetzt zwischen zwei große Neubaublöcke in den Weg ein, laufen ein Stück und ich denke auf einmal: du musst was machen, aber dann liege ich auch schon auf dem Boden.
Gar nichts habe ich machen können, ich habe mich gefühlt wie ein nasser Sack, der einfach zu Boden fällt, unbeweglich und mit einem harten Knall.

So kam es mir jedenfalls vor, als hätte ich so laut gemacht, dass man es im gesamten Neubaugebiet hören konnte. Vielleicht war es aber auch nur die Hundeleine, die mir mit einem lauten Knall aus den Händen gerutscht war. Fine war ganz erschrocken noch ein kleines Stück vorgelaufen und dann sofort wieder umgekehrt und hockte nun ganz schuldbewußt seitlich von mir.
Arme Fine, sie hatte wirklich keine Schuld an diesem Missgeschick. Als sie merkte, dass ich anfange, mich wieder aufzurappeln, kam sie langsam näher und näher.
Ich selber hatte inzwischen Sterne gesehen. Ich war auf mein Gesicht gefallen, das Kinn tat entsetzlich weh. Die Hände bluteten, die Knie konnte ich kaum beugen.
Das gesamte Neubaugebiet steckt voller Leben, d. h. voller Menschen, noch dazu an einem Wochentag! Heute ist Montag und ich dachte, es muss doch mal jemand zu sehen sein. Aber die Straße war und blieb menschenleer.

Mir blieb nichts anderes übrig, als mich selber an den Ohren zu packen und mich so nach und nach wieder aufzurichten. Natürlich schaffte ich es, auch wenn ich dieses Mal sehr gern Hilfe gehabt hätte.

Das Kinn schmerzte, die Knie genauso und die Hände waren über und über mit Schürfwunden bedeckt und bluteten lustig vor sich hin.
Nachdem der Kopf wieder senkrecht nach oben zeigte, nahm ich Fine an die Leine und wir trotteten gemeinsam nach Hause.

Das Kinn war während dieser kurzen Zeit schon ganz schön angeschwollen und zeigte dunkelblaue Streifen. Das sollte sich im Laufe der Woche noch ändern, denn es verfärbte sich insgesamt in ein ganz tiefes Dunkelblau, das auch mit dem besten Concealer nicht wegzuschminken war.

Ich merke auch jetzt noch jeden einzelnen meiner Knochen und dass mein Rücken mal nicht mehr schmerzte, dass gehört nun der Vergangenheit an.