Sir James und meine Bandscheibe

Hallo Sir James, da bist du ja wieder mein "Lieber"!

Du jubelst und ich kann deine Freude nur zu gut verstehen. Du hast mich mal wieder so fest umschlungen, dass es dir vorkommen muss, als wäre hier ein triumphaler Sieg angesagt.
Sicher, ich höre und vor allem ich spüre dich so sehr, du hast mal wieder sehr gut aufgepasst und dir die nächste Schwachstelle ausgesucht, nämlich mein linkes Bein, dass immer wieder schmerzt und in dem immer wieder Mißempfindungen eine Rolle spielen, sei es nun Taubheit oder der Schmerz, der auftritt, wenn das Wasser beim Duschen an ihm herunterläuft oder bei der Wassergymnastik so sehr weh tut, dass ich mit diesem Fuß nicht mehr auftreten kann.
Oder aber die Bettdecke ist einfach zu schwer und verursacht dadurch diese Schmerzen. Und diese ständigen starken Schmerzen sollen die Ursache sein dafür, dass ich immer mal wieder stocksteif bin? Die Frau Doktor hier auf dieser Station hat deshalb ständige Brainstorming - Zeiten, da wären EMG - Untersuchungen, au weia, da habe ich jetzt noch blaue Flecke und die Nadelstiche, mit denen in den Muskeln herumgewühlt wurden, werde ich auch so schnell nicht vergessen.

Dann kam die Idee mit dem Blutzuckertest, denn nach Angaben des Labors, die eine Blutprobe daraufhin untersuchten, hätte ich schon lange Zeit sehr hohen Zucker. Also nichts wie ran an das ekelhaft süße Zeug und den Becher auf "EX" ausgetrunken, dann 3x Untersuchung mit dem Ergebnis - dass die Werte nicht besser sein könnten. Also wieder Fehlanzeige, nur, dass ich mal wieder zum normalen Frühstück nichts zu essen bekam, sondern erst drei Stunden später, naja, ist ja nicht das erste Mal und ein paar Pfündchen weniger stünden mir auch gut zu Gesicht. Es gäbe noch einiges aufzuzählen, aber es wäre, glaube ich, langweilig!
Natürlich wird dieses Mal auch an meinem Hirnstimulator gedreht und vor allem, die Tablettendosis, an der wird heruntergeschraubt, noch und mehr. Ist auch notwendig, denn ich habe tüchtig damit geaast.

So, am 01.06.11 bin ich hier stationär aufgenommen worden und am 15.06.11 hatte ich endlich ein Erfolgserlebnis und zwar in der Art, dass ich endlich gesagt bekam, dass die Schmerzen von einem Bandscheibenvorfall herrühren. Na, wenigstens brauche ich mich nun nicht mehr darüber zu verwundern, dass das linke Bein so sehr schmerzt, dass ich oft mit diesem Bein nicht mehr auftreten kann.
Aber, mit diesen Schmerzen geht auch leider immer eine Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik einher. Hier kommt noch dazu, dass meine Medikamentendosis, die ich selber zu Hause in fast Unermeßliches gesteigert hatte, immer in dem Glauben, diese wahnsinnigen Schmerzen und meine darauf eintretende Steifigkeit hätten mit dem Parkinson zu tun, dass diese Medikamentendosis wieder reduziert wird.
Natürlich hatte ich mich gewundert, das auch die höheren Dosen an Parkinson - Medikamenten nicht so richtig helfen wollten, nicht einmal nachdem ich das Vierfache der Menge einnahm als es nach der OP der Fall war. Meine Steifigkeit besserte sich nicht und erstaunlicherweise wurde ich aber auch nicht überbeweglich, wie das sonst normal der Fall war.


Gegen diesen Bandscheibenvorfall ist leider nur ein "Kräutchen" mit dem tollen Namen "Lyrika" gewachsen. Das ist ein Schmerzmittel, welches als einziges gegen diese Schmerzen ankommt. Allerdings macht es auch sehr, sehr müde, so dass es im Körper nur schrittweise aufgebaut werden kann, ich will ja nicht den ganzen Tag nur schlafen! Und so verbringe ich hier meine Zeit mit Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und mit dem Kampf gegen das Einschlafen schon am Tage. Die Ärzte meinen, wenn der Körper erst daran gewöhnt ist, dann tritt auch die Müdigkeit kürzer.
Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, die Ärzte und das Personal bilden hier voll und ganz eine Einheit, wirklich ein ganz tolles Team.
Auch mit meiner Zimmerkollegin, die ganz frisch vom THS - Operationstisch gekommen ist, habe ich mal wieder sehr viel Glück, schon weil sie mein Faible für neue Klamotten teilt. Sie ist schon 74 und ist dabei noch so darauf bedacht, sich modisch zu kleiden und lässt sich überhaupt nicht ein bissel gehen, obwohl ihr, das ist ja klar, alles sehr, sehr schwerfällt, einfach toll. Leider wird sie morgen schon, Freitag, 17.06.11, nach Hetzdorf in die Reha gebracht, so dass ich mich für einige Tage dann wieder an jemand anders gewöhnen muss. Aber ich glaube, nächste Woche, am Dienstag oder Mittwoch habe ich es dann auch mal wieder überstanden und alles passt, das ist jedenfalls mal wieder meine Hoffnung!

Dieses Mal ist allerdings noch so ein Pulk an Neurologen und Psychiatern zu überstehen, eigentlich zwei, weil es so viele sind! Sie kommen mit der Visite und interessieren sich für alles. Ich will jetzt gar nicht meckern, schließlich bin ich diejenige, die immer wieder sagt, Ärzte und Neurologen müssten sich weiterbilden, damit sie uns Patienten besser auf diese Tiefenhirnstimulation vorbereiten Aber ich habe auch das überstanden und bin erst mal wieder zu Hause. So richtig komme ich nicht klar, aber das könnte natürlich auch der Stress sein, dem ich im Moment ausgesetzt bin. Darüber vielleicht ein nächstes Mal mehr.

.