So ein Leben wird nie langweilig 

So ein Leben wird nie langweilig

Auf nach Dresden, so wird mein Leben wenigstens nie langweilig!

16.01.2014
In Dresden angekommen, es war inzwischen 23:30 Uhr geworden, ging es erst mal zur Anmeldung in die Notaufnahme. Trotzdem es schon so spät war, waren die Schwestern in der Aufnahme sehr freundlich und verständnisvoll. Sie sollten mir auf Geheiß des Arztes, mit dem ich telefonisch gesprochen hatte, für das Labor Blut entnehmen und eine Flexüle legen. Ahnungslos "zwitscherte" eine der Schwestern, ich komme gleich und dann können sie sich sofort ins Bett legen, der Transport wird sie danach auf die Station Neurochirurgie 2 bringen, wo der Arzt schon auf sie wartet.

Es dauerte schon eine ganze Weile, das Blut ziehen! Ich rücke diesen, meinen Lebenssaft, anscheinend nicht gerade gern heraus, denn es gibt nur sehr, sehr selten jemand, der auf Anhieb Blut aus meinen Adern fließen lässt. Es halten sich viele Ärzte und Schwestern für wahre Draculas, aber es stellt sich immer wieder heraus, mein Unterbewusstsein macht da nicht mit, es hat seinen eigenen Willen.

Nach einigen Versuchen kam dann doch etwas Blut gelaufen, aber nur tropfenweise war es in die Glasröhrchen zu bringen. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis für alle drei Röhrchen wenigstens soviel zusammen gelaufen war, dass das Labor überhaupt damit arbeiten konnte.

Eine Flexüle zu legen, davon war nun überhaupt keine Rede mehr, wir waren froh, dass etwas Blut zusammen gelaufen war.
Aber was war denn das? Die Schwester hatte gerade das Röhrchen entfernt und war dabei, ein kleines Pflaster auf die Öffnung zu kleben, als das Blut geschossen kam und ich mit Mühe verhindern konnte, dass meine Sachen schmutzig wurden.

Sichtlich erleichtert, dass ich nicht mehr in ihrem Verantwortungsbereich lag half mir die Schwester ins Bett, rief einen Krankentransporter an, gab mir Bescheid, dass ich nun auf die Station gebracht werde und entfernte sich dann.
Ich wurde auf die Neurochirurgie 2 gefahren, dort warteten schon eine Schwester und der Arzt auf mich.

Der Arzt, mit dem ich telefoniert hatte, begrüßte mich mit: "Haben sie ihr Gerät mit? Dann zeigen sie mir mal, was es anzeigt!

Natürlich konnte ich ihm das zeigen und genauso natürlich hatte ich das Handbuch mit für dieses Gerät, wo er nachlesen konnte, was dieses Symbol bedeutete, denn er selber hatte von der Materie Parkinson nicht viel Ahnung, das gab er auch unumwunden zu. Er redete immer wieder davon, dass diese Patienten mit einer Tiefenhirnstimulation, wenn der Stimulator dann dieses Signal anzeigt, noch Monate damit herumlaufen konnten.
Ich blieb bei meiner Meinung, es sollte erst jemand, der Fachkenntnis hat, mit einem Gerät ausmessen, wie lange der Stimulator noch durchhält. Meine Bereitschaft zum Gehorchen geht immer dann eigene Wege, wenn es gilt, meine Gesundheit bzw. was davon noch übrig ist, zu verteidigen.
Mir war es in letzter Zeit nicht gut gegangen, neben den Schmerzen im Rücken und im linken Bein waren immer wieder Symptome da, als hätte ich wahnsinnig hohen Blutdruck. Das heißt, einen unheimlichen Druck im Kopf, Luftnot und das nicht nur, wenn ich mich gerade sehr angestrengt hatte, hochrotes Gesicht und dazu dann noch Parkinsonsymptome wie den Tremor, ganz wacklige Beine, Gleichgewichtsstörungen, ewiges Frieren, Steifigkeit.

Solange ich in Döbeln in der Klinik lag, habe ich öfter mal eine Schwester oder einen Pfleger bitten müssen, doch noch einmal, außerhalb der Reihe, meinen Blutdruck zu messen. Aber, der Blutdruck war weder viel zu hoch noch zu niedrig und ich kam mir manchmal schon selber vor als wäre ich eine Simulantin, aber die Symptome waren da, die anderen sahen es ja auch, nur erklären konnte sich das niemand, ich auch nicht!

So, nun war ich also hier auf der Station, auf der ich auch gelegen habe, als der Hirnstimulator eingesetzt wurde. Ich habe damals einen Neurochirurgen gehabt, der aus meiner Sicht, völlig vertrauenserweckend, sehr pingelig und penibel war, alles Eigenschaften, die ihn in meinen Augen dazu prädestinierten, diese OP bei mir durchzuführen, aber dieser Neurochirurg hat das Dresdener Klinikum verlassen.
Und nun saß wieder ein Arzt vor mir, behauptete, ich könnte mit diesem Stimulator noch lange herumlaufen, erzählte mir, dass sowieso keine Neurochirurgen im Haus wären, die einen Wechsel vornehmen könnten, meinte damit die Fachärzte auf diesem Gebiet und naja, man müsste so ein Gerät ja auch erst mal anfordern, das würde schon eine Zeit dauern. Aber vielleicht wäre ja auch irgendeiner von den Neurochirurgen bereit, mir den Stimulator zu wechseln, es wäre doch auch nichts weiter dabei, das könnte jeder Neurochirurg machen.

Auf einmal????????!!!!!!!!

Nach dieser Rede hätten mich keine zehn Pferde mehr aus diesem Bett vertreiben können. Keine Ahnung haben, aber lange Reden schwingen, so etwas hat mich schon immer misstrauisch gemacht.
Und hier war irgendetwas faul! Also sagte ich noch einmal, dass ich bleibe, bis jemand gemessen hat und daraufhin verabschiedete er sich und verschwand aus dem Zimmer. Aufatmen meinerseits, wenn mir hier etwas nicht Vorauszusehendes passieren sollte, dann konnte schnell gehandelt werden.

Am nächsten Tag, es war immerhin der 1. Weihnachtsfeiertag, war bis auf das Erscheinen der Visite Ruhe angesagt, so eine Ruhe, die mich schon wieder kopflos machen wollte, anders gesagt, ich bekam zu essen und zu trinken, irgendjemand kam nachfragen, ob ich mir bei der Körperpflege selber helfen kann oder ob ich Unterstützung brauche und dann kümmerte sich keiner mehr um mich. Ich weiß nicht mal, ob sie mich überhaupt wahrnahmen, auch wenn ich viel draußen auf dem Gang hin- und hergelaufen bin.

So verging auch der 2. Weihnachtsfeiertag. Was hatte ich auch anderes erwartet! Notbesetzung an den Feiertagen ist gang und gäbe in den Krankenhäusern, warum sollte es hier anders sein. Aber, ich hatte doch mehr ein Gefühl von Sicherheit, ich wollte an der "Quelle" sein, wenn etwas passierte, wobei ich nicht wusste, was passieren könnte. Überhaupt, seitdem ich diesen Stimulator in meinem Körper habe, bin ich ziemlich verunsichert, was so alles geschehen könnte, wenn ...!
Aber- sagen kann das niemand und wissen auch nicht, jeder Parkinsonkranke geht seinen eigenen Weg, kein Arzt, kein Neurologe könnte da "mit Sicherheit etwas voraussagen". Sie können immer nur erzählen, was sie von den anderen Patienten gehört haben und natürlich auch das, was in den Büchern steht.

Andererseits, meine Verunsicherung ist noch nicht so weit gegangen, ernsthaft zu zweifeln, ob die OP nun richtig war. Was mich immer wieder in Rage bringt, ist, dass ich als Patientin eine andere Auffassung von Nachsorge habe als unsere Ärzte. Das aber nur nebenbei.
Jedenfalls kam nach den Feiertagen eine der Stationsärzte um mir mitzuteilen, dass meine Neurologin aus der Parkinsonambulanz im Laufe des Vormittags kommen und den Stand der Batterie ausmessen würde. Endlich mal was Erfreuliches, das hieß, es geht endlich weiter!
Als meine Frau Doktor dann kam, war ich so erleichtert wie selten. Endlich jemand, von der ich wusste, sie hat Fachkompetenz. Das Gerät zeigte einen sehr niedrigen Batteriestand an, das hieß im Klartext, ich muss bleiben, bekomme am 02.01.14 einen neuen Stimulator.
Wurde noch gefragt, ob der Wechsel unter Vollnarkose oder Lokaler Anästhesie erfolgen sollte. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, als wenn ich geahnt hätte, dass mir diese Art wieder mal einige unvergessliche Erlebnisse bringen sollte. Als "Dauerpatientin" erwartet man gar nicht, dass alles reibungslos abläuft und letztendlich - ich habe einen neuen Stimulator im Bauch und ich fühle mich von der Parkinsonseite her wieder wohler.
Über die "unvergesslichen Erlebnisse" und über Änderungen zu Ungunsten der Patienten ein anderes Mal mehr.