Akkuwechsel

Stimulatorwechsel wegen Batterieermüdung

Ganz ehrlich, viel Lust oder Motivation zum Schreiben habe ich nicht gerade, aber ich will wenigstens einen Anfang machen. Zunächst noch einmal ein paar Sätze zu dem letzten Klinikaufenthalt in Dresden.

Man sollte doch meinen, wenn man nicht gerade die erste OP mitmacht, dann müsste das Personal im OP firm sein, was so eine OP bzw. die Patienten betrifft, die sich da , ja- doch- mit vollem Vertrauen unter das Messer legen. Dass man sich als Patient nicht in jedem Fall und nicht auf alles verlassen kann, das habe ich dort in Dresden mal wieder hautnah zu spüren bekommen.

Wie gesagt, ich hatte mich für die lokale Anästhesie entschieden. Zum ersten wollte ich nicht, dass mir noch Tage nach der OP schlecht war und ich mich übergeben musste, zum zweiten wollte ich von der Atmosphäre im OP-Saal etwas mitbekommen.
Das diese Entscheidung eine Fehlentscheidung war, sollte ich ganz schnell mitbekommen.

Am 02.01.2014 war es gegen Mittag soweit, die Schwestern kamen in mein Zimmer, um mich, natürlich mitsamt meinem Bett, in den OP-Saal zu fahren. Unten angekommen musste ich erst mal mein tolles modisches OP-Hemd ausziehen. Puh, so nackscht war es ganz schön kalt, aber eine der Schwestern brachte dann auch sofort eine angewärmte Decke, in die ich mich kuscheln konnte und die Welt schien für mich erst mal wieder in Ordnung zu kommen.

Nächste Station - Vorbereitung der Anästhesie! Wollen sie eine Tablette vorher zur Beruhigung? Nein, die Patientin wollte nicht, dann hätte sie ja auch gleich die andere Variante der Narkose wählen können! Na, dann werden wir ihnen erst mal eine Flexüle legen, sie haben ja überhaupt noch nichts derartiges!

Ich warne, wie immer, vor: Stellen sie sich das nicht so einfach vor, wer von mir Blut haben möchte oder andere Säfte in meinen Körper fließen lassen will, der muss schon ein richtiger Dracula sein.

Ach was, das wird schon nicht so schlimm werden, bisher habe ich das noch bei allen geschafft!
Der junge Mann hätte sich lieber vor seiner Rede mal meine Venen ansehen sollen, denn als er es jetzt tat, wurde ihm anscheinend in aller Härte klar, was er da vor sich hatte.
Er suchte beide Arme und Hände nach einer passenden Stelle ab, er ging immer mal wieder irgendwo mit der Nadel in eine der Venen, die sich zwar erstmal anboten, aber sich dann doch als dünne Fädchen herausstellten, die sofort wieder platzten bzw. die einfach wegrollten.

Nach etlichen Versuchen gelang es ihm, eine Flexüle im Handbereich zu legen und er schien glücklich zu sein, dass er es nun doch noch geschafft hatte. Aber meine Hand fing auch sofort an zu schmerzen, für mich ein sicheres Zeichen, dass die Flexüle diese OP nicht durchstehen würde.

Aber der junge Herr Doktor wusste dies natürlich besser, schließlich war er der Arzt und ich nur die Patientin! Zudem war sehr viel Zeit vergangen und im OP-Saal wartete man schon auf mich, es waren schon mehrere Anfragen gekommen, wann ich denn nun endlich so weit wäre.

So bekam ich noch eine Spritze und wurde in den OP-Saal geschoben. Aber schon während der noch folgenden Vorbereitungen wurden die Schmerzen in meiner Hand übermäßig, ich musste sagen, dass die Hand ganz schlimm weh tat. Die Ärzte stellten fest, dass diese auch schon ganz dick angeschwollen war und dass die Flexüle hier nicht steckenbleiben konnte.

Also raus damit und eine andere Stelle gesucht, was wieder jede Menge Zeit in Anspruch nahm, es war die Rede davon, dass die nächsten OP´s sich zwangsläufig für eine längere Zeit verschieben müssten.
Ich weiß, dass dies nicht meine Schuld war, ich hatte an den Tagen vorher auf der Station darauf hingewiesen, dass es schwierig sei, mit Nadeln meinen Körper zu malträtieren, auch dass es nicht so einfach war, von mir Blut zu bekommen. Reaktion natürlich gleich Null oder: die will sich nur wichtig machen!

Und trotzdem war es mir jetzt peinlich, dass andere Patienten warten mussten, weil das Pflegepersonal und die Ärzte auf der Station wieder diesen Besserwisserdünkel gehabt haben. Ich war richtig froh, als eine junge Ärztin dann endlich eine Stelle fand, wo sie hineinstechen konnte und wo es dann endlich klappte, dass die Flexüle dort bleiben konnte. Beide Arme und Hände waren zwar fürchterlich zerstochen und die Stellen fingen jetzt schon an, sich zu verfärben. Aber dann gab es endlich noch eine Spritze und dann konnte der operierende Arzt, nachdem er meinen Stimulator ausgeschalten hatte, seines Amtes walten.

Er begann, die alte Narbe zu öffnen. Es war ein unangenehmes Gefühl, ich merkte jeden Messerschnitt. Die Narkoseärztin fragte immer wieder nach, ob sie nochmal nachspritzen sollte, aber ich lehnte jedes Mal ab, es hatte mir einfach zu weh getan. Außerdem dachte ich, viel schlimmer kann es ja nicht kommen.
Das dachte ich aber auch nur und obwohl ich weiß, dass meine Wunden supergut verheilen und alles "Eingepflanzte" sehr gut anwächst, hatte ich nicht damit gerechnet, dass in dieser Zeit, der Stimulator so fest im Bauchraum verwachsen war.

Als der Chirurg begann, den Stimulator zu lösen, hatte ich das Gefühl, es würde mein Herz herausgerissen werden. Ich hörte mich auch sagen: Um Gottes willen, sie reißen mir ja mein Herz raus! Natürlich konnte der Chirurg nicht darauf Rücksicht nehmen, zum einen war er sowieso in Zeitnot, zum anderen, der alte Stimulator musste entfernt werden, sonst hatte der neue keinen Platz.

Und wo kämen wir hin, wenn wir sämtlichen Müll in unseren Körpern sich selbst überlassen würden, nein, das geht natürlich nicht. Es bedurfte anscheinend auch einiger Mühe, den neuen Stimulator wieder in diese Tasche einzufügen, aber endlich war es soweit, es hieß, wieder zunähen!
Ich merkte jetzt auch immer mehr, dass mein Körper anfing, zu zittern und das wieder in großen Wellen, es wurde Zeit, dass der Stimulator endlich wieder eingeschalten wurde. Hatte mich schon gewundert, dass ich solange ziemlich ruhig daliegen konnte, normalerweise geht dieses wahnsinnige Zittern sofort nach dem Ausschalten los.
Der Neurochirurg hatte immer mehr zu tun, meinen Körper ruhig zu halten. Ich merkte, wie er sich immer mehr auflehnte, damit er mit dem Nähen fertig wurde. Als es endlich soweit war, stellte er auch sogleich noch den Stimulator ein und ich merkte ganz langsam, dass wieder Leben durch meinen Körper floss.

Mir kam es vor, als wäre eine kleine Ewigkeit vergangen, bis man mich wieder auf die Station zurück holte. Pfleger und Schwestern waren so sehr beschäftigt, dass ich noch eine ganze Weile im Aufwachraum zubringen musste.

Aber ich merkte während dieser Zeit auch, dass ich mich immer wohler fühlte, also hatte es doch etwas für sich, den neuen Stimulator sozusagen "erkämpft" zu haben.

Auf der Station zurück, konnte ich nach zwei Stunden schon mein Bett verlassen und bin anschließend wieder die Gänge hoch und runter gelaufen und das ohne meine Walkingstöcke, das beste Zeichen, dass alles wieder in Ordnung war.