1. Über die Operationen

Ich werde von vielen gefragt, wie denn die beiden Operationen abgelaufen sind und anscheinend erwartet dann auch jeder Frager, jede Fragende eine Horrorgeschichte. Leider kann ich damit nicht dienen, mir würde es vielleicht auch gefallen, wenn ich erzählen könnte, dass es ganz schlimm und furchtbar gewesen wäre.
Tut mir leid, ist es aber nicht, und das hat folgenden Grund:
wer meine Beiträge gelesen hat, weiß dass sich trotz des Vertrauens, das der Neurochirurg in mir aufgebaut hatte, ich in den letzten Wochen vor der Operation wieder viele Zweifel hatte aufkeimen lassen, Zweifel, ob die Operation doch das Richtige für mich wäre, Zweifel, ob es nicht doch noch eine Tablettenzusammenstellung gäbe, die mir helfen könnte, Zweifel, dass während der Operation eine Blutung auftrete könnte, Zweifel vor allem, dass ich hinterher wie ein Roboter behandelt werden könnte, so ungefähr, man schaltet den Hirnschrittmacher ein, dann läuft die Elke mit hölzernen Schritten los und man schaltet aus und ich bleibe abrupt stehen. Ja, und es waren auch Gedanken da, ob die Neurochirugie uns nur operiert, um wieder ein Versuchskaninchen mehr zu haben. Ich kann euch versichern, nichts von dem hat sich bei mir bewahrheitet, im Gegenteil, ich habe gar nicht soviel und bis zum Ende der Operation mitbekommen.

2. 14 Tage vor dem eigentlichen Termin

Am Montag, den 7. Juni (mein eigentlicher Termin war der 21. Juni) rief ein Neurologe aus der Uniklinik Dresden an, und sagte mir, dass ich am 8. Juni schon operiert werden könnte, wenn ich bis 14:00 Uhr in Dresden wäre. Er wollte mir fairerweise eine Stunde Bedenkzeit einräumen, aber ich sagte sofort zu, weil ich nicht wollte, dass meine Bedenken noch ins unermessliche steigen. So habe ich alles, was man im Krankenhaus so braucht in eine Tasche gefeuert und dann sind wir losgefahren oder besser gesagt, losgerast. Meine Freundin hat mich dorthin gebracht und diesmal habe ich nicht mal aufgepasst, dass sie alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält, worauf ich sie sonst IMMER aufmerksam mache. Deshalb kann ich auch nicht dafür garantieren, dass wir gefahren sind und nicht gerast.

3. Komplikationen


Jedenfalls waren wir noch vor 14:00 Uhr in Dresden. Angemeldet und dann ging es gleich los mit Blut ziehen. Die erste Ärztin gab nach einiger Zeit auf, meine Adern gaben kein Blut her. Dann kam noch eine zweite Ärztin, die auch sehr lange unter meiner Haut in den Adern rumwühlte, ehe das Blut endlich gelaufen ist.
In der Zwischenzeit standen schon die beiden Sanitäter hinter ihr, die mich zum MRT bringen sollten. Natürlich wurde da die Nervosität noch gesteigert, denn sie hatte noch eine Flexüle zu legen.
Diese war notwendig, um mir vor dem MRT noch eine Beruhigungsspritze zu verpassen, damit die letzten Bilder von meinem komischen Nischel nicht wieder verwackeln, denn der Neurochirurg hatte die ersten MRT-Bilder nicht nutzen können, eben weil sie nicht deutlich waren.
Aber damals bei der Vorbereitungsuntersuchung waren Ärzte und Schwestern ja mal wieder schlauer als die Patientin. Sie dachten, wenn sie mir nochmal für eine Nacht die Medikamente entziehen, bin ich ja stocksteif und damit wäre dann das MRT gut gelaufen. Ich hatte ihnen gesagt das dies nicht funktionieren könnte, weil der Kopf sich nicht an diese Anweisungen hält und genauso war es auch, ich war am ganzen Körper stocksteif, nur mein Kopf bewegte sich, was ich nicht beeinflussen konnte. Mit dieser Beruhigungsspritze waren die Aufnahmen dann in Ordnung, aber ich war den ganzen Tag nicht mehr zu gebrauchen. Die Aufregung vom Vormittag hatte sich mit dem Beruhigungsmittel vermischt und ich war den ganzen Tag nur noch am Schlafen.

3. Alles, was ich mitbekam


Dieser Zustand hatte sich noch nicht völlig aufgelöst, als der Neurochirurg dann am nächsten Morgen erklärte was nun desweiteren passieren würde. Ich habe noch mitbekommen, wie mir dieser eiserne Ring angepasst wurde, kann mich daran erinnern, dass der Bohrer ein äußerst scheußliches Geräusch machte. Von da an hatte ich einen Filmriss. Hinterher aber behaupteten die Ärzte, ich hätte doch gut mitgearbeitet, ich kann mich jedenfalls an nichts mehr erinnern, was in dem OP-Saal nach dem Ansetzen des Bohrers so passiert ist. Des nachts bin ich erst ein bissel munter gewesen, allerdings so halb im Tran habe ich gehört, wie mein Bettnachbar auf der Intensivstation die Schwester anklingelte, sie sollte doch mal kommen, ich würde mir die Verbände vom Kopf reißen.
Dann hörte ich nur noch wie die Schwester fast entschuldigend immer wiederholte: Frau Ratayski, hallo
Frau Ratayski, es tut mir so leid, aber ich muss sie festbinden. Mein Bettnachbar hat mir also möglicherweise das Leben gerettet, denn, wie er mir hinterher erzählte hatte ich den Verband schon ziemlich übel strapaziert.
Außerdem sind ständig diese Klammern um meine Finger abgefallen, auch dass macht ja immer ziemlichen Krach. Ich habe also die ganze Nacht die anderen nicht schlafen lassen. Immer wieder stand auch die Schwester an meinem Bett , um mir etwas Flüssigkeit einzuflößen oder mich wieder richtig zu lagern. Wieder bei Bewusstsein, allerdings erst am nächsten Morgen wurde ich erst wieder richtig wach, als der Neurochirurg neben meinem Bett stand und die Verbände kontrollierte. Die Nachtschwester hatte alles zu seiner Zufriedenheit wieder in Ordnung gebracht. Das war es nun, was ich über meine OP berichten kann, denn die Zweite OP, die dann am Donnerstag erfolgte, verlief ohne Komplikationen.