Was Geburtstage zum Vorschein bringen

18.05.2010
Endlich mal wieder ein schöner Tag!

1.Was so ein Geburtstag alles zum Vorschein bringt!

Hallo Sir James, ich muss zugeben, dank meiner Medikamenteneinteilung hast du dich ziemlich fair verhalten! Denn immerhin, ich habe fast den ganzen Tag durchgehalten! Geburtstagsbesucher, die ersten waren am 15. ca 9:30 Uhr da und die letzten haben nach 20:00 Uhr die Wohnung verlassen.Aber nein, da mache ich mir etwas vor, wenn ich eine mir wohler gesonnene Seite in dir sehen möchte. Dieses "Durchhalten" habe ich meinen Gästen einerseits und mir und meiner Medikamentenzuteilung andererseits zu verdanken.Ich muss auch zugeben, dass Geburtstage, seitdem du dich hier eingenistet hast, in jedem Jahr erneut sehr zwiespältige Gefühle in mir auflodern lassen.
Menschenansammlungen meide ich schon seit einiger Zeit wie die Pest.

Dabei behaupte ich aber doch, dass ich es in der Zwischenzeit gelernt habe, mit dir umzugehen!?
Wie dem auch sei: Der erste Stress, den ich mir vor dem Geburtstag immer wieder mache, der ist meistens überstanden, wenn die ersten Gäste da und versorgt sind!

Natürlich, eines wird immer schwieriger:
Bevor du, Sir, dich in meinem Körper breitgemacht hast, wurde mir oft bescheinigt,

ich hätte einen Kopf wie ein Computer.

Ojemine - muss das lange her sein!

Auch wenn ich mir keine Demenz bescheinigen möchte, das, was ich jetzt so alles vergesse, die Umständlichkeit, meine Gedanken in die Tat umzusetzen, überhaupt reagieren zu können, entspricht ganz und gar der Parkinorm.

2. Kommunikationsschwierigkeiten

Mit mehreren Personen gleichzeitig kommunizieren zu können, das ist überhaupt nicht mehr drin! Ich kann mit voller Aufmerksamkeit immer nur einer Person oder einer Sache folgen.

Und das bringt Schwierigkeiten in für mich enormen Dimensionen mit sich. In jeder Geburtstagsgesellschaft sind die verschiedensten Charaktere versammelt und das macht das Ganze ja eigentlich erst so richtig interessant.

Aber, dann sollte auch jemand da sein, der dafür sorgt, dass bei allen Unterschieden ein Faden da ist, der versucht, eventuelle Klippen zu umschiffen. Vor deiner Zeit habe ich es zumindest versucht!


Naja, da stiehlt sich bei mir selbst ein Schmunzeln ins Gesicht - versucht - ist schon richtig, mehr war es aber auch nicht!

Dabei fällt mir auf, nach außen wirkte ich damals schon sehr selbstsicher, was ich aber keineswegs war! Es ist mir immer sehr schwer gewesen, offen und bereitwillig auf andere zuzugehen, habe mich immer zurückgehalten.

Dafür gibt es sicher so einige Begründungen, die plausibelste scheint mir zu sein, dass ich immer einen Käfig um mich herum ziehen wollte als Schutz gegen Verletzungen.

Nein, ich spreche nicht von äußeren Verletzungen, ich meine jene, die tiefer gehen, die schmerzhafter sein können, die auf die Dauer zermürben und letztendlich ins Irrenhaus führen können.

Ein spöttischer Blick zum Beispiel, reicht mitunter schon aus, allein die Vorstellung, dass sich andere lustig machen, wobei man selbst nicht einmal das Ziel sein muss.

Es genügt schon die pure Einbildung und es schneiden sich messerscharfe Klingen in den Körper.

Und das war etwas, was ich unbedingt vermeiden wollte, niemand sollte wissen und nachvollziehen können, wie es aussah in mir!

Ich hatte so eine dicke Mauer um mich herum gebaut und so festbetoniert, dass wirklich ein jeder glauben musste:

sie ist so stark, so selbstsicher und selbstbewusst, durch nichts zu erschüttern und unterzukriegen, aber auch so eine arrogante und eingebildete Eule!

Du lieber Himmel, wollte ich das wirklich so? Ich hatte doch nichts zu verbergen!

3. Ich lerne auf andere Menschen zuzugehen

Kann eine Kindheit, in einem Kinderheim verbracht, weil die Frau, die man eigentlich Mutter nennen sollte, mich zu ihrer Mutter abgeschoben hat und dann verschwand und sich überhaupt nicht mehr kümmerte, die Oma nach 3-mal Schlaganfall nicht mehr in der Lage war, sich selbst und schon gar nicht noch zusätzlich ein Kind zu versorgen und zu betreuen.

Wie auch immer, aus dieser "Starre" hat mich das Kümmern um andere herausgeholt und ich muss meinem Untermieter erneut bescheinigen, dass er hier durchaus Positives bewirkt hat.

Denn "aufgetaut" bin ich erst so richtig, nachdem ich mich von meinem Neurologen, der mit einem Verbündeten von einer Krankenkasse solange "mauerte", bis ich mich bereit erklärte, hier in unserem Ort eine Parkinson-Selbsthilfe-Gruppe aufzubauen.

Eigentlich wollte ich mich auch nur um das Organisatorische kümmern und hatte jemanden im Visier, der anfangs auch die Leitung der Gruppe übernehmen wollte und schließlich doch wieder absagte.

Zu diesem Zeitpunkt waren meine Verhandlungen und Bemühungen aber schon soweit vorangekommen, dass ich meinte, jetzt alles wieder rückgängig zu machen, wäre ein Unding.

Eine Gruppe aus dem Nichts aufzubauen ist nicht so einfach: Es ist kein Geld da, man muss trotzdem einen Raum finden, der für Behinderte nicht allzu schwierig zu erreichen ist und auch der Weg zu den sanitären Anlagen darf nicht zu umständlich werden, es gilt Fördermittel zu beantragen und noch vieles mehr.

Das sollte alles umsonst gewesen sein? Also habe ich mich entschieden, die Leitung selbst zu übernehmen.

Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich es gelernt habe, ganz beiläufig und ohne Zwang, offen auf meine Mitmenschen zu- und einzugehen. Wir haben vieles gemeinsam unternommen, unsere Treffen fanden immer mehr Zuspruch und Zulauf.

3. Ich musste leider aufgeben

Leider ließen sich meine Vorstellungen und Handlungen als Leiterin so einer Gruppe auf die Dauer nicht mit meinem eigenen Gesundheitszustand vereinbaren, irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich nicht mehr weitermachen konnte, ohne dass ich selber arg in Mitleidenschaft gezogen wäre, auch ein Abschied, der mir sehr, sehr schwergefallen ist.

Das Schöne daran ist jedoch, aus dieser Zeit finden sich immer noch und bisher jedes Jahr von neuem Mitglieder aus meiner ehemaligen Gruppe ein. Das allein bereitet mir schon große Freude und wenn dann auch noch meine ehemaligen Vorgesetzten und einige Arbeitskolleginnen sich dazu gesellen, dann ist es sicher für niemand mehr verwunderlich, dass ich als Parki so einen Stresstag ohne allzu große Schwierigkeiten zu bekommen, durchstehe, die positiven psychischen Momente wiegen hier viel viel schwerer!

Ein Grund mehr nach jedem Geburtstag sagen zu können, es war wieder ein sehr schöner Tag!