Wendezeiten

07.05.2010

1. Wie ich zu dieser Arbeit kam


Eine Frage an alle, hätte ich gern gestellt, wenn ich darauf Antworten bekommen könnte, an jene, die aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr arbeiten gehen - Wie habt Ihr diesen Abschied empfunden?

War es ein Abschied, auf den Ihr Euch schon lange mit Freude und weiterführenden Überlegungen vorbereitet hattet?

               

War es ein Ereignis, dem Ihr mit einigem Grauen entgegengesehen habt?

War es ein Abschied in eine ausweglose und deshalb sehr beängstigende Zukunft?

Wolltet Ihr die Arbeit aufgeben?

Bei mir hatte sich das wie folgt ergeben:


2. Unruhige Zeiten

In Wendezeiten war ich genauso wie die meisten Frauen hier in Ostdeutschland, die in der Textilindustrie gearbeitet hatten, durch Betriebsstillegung arbeitslos geworden. Habe dann an etlichen Basisweiterbildungen teilgenommen und schließlich eine Umschulung zur Fremdsprachensekretärin mitgemacht. Damals war ich mit 42 Jahren die Oma in der Klasse, denn die ältesten nach mir waren 25 Jahre alt.

                               

Dazu möchte ich noch anmerken, dass ich aber zu den 4 Personen aus der Klasse gehörte, die die Prüfungen an der IHK in Bonn, damals gab es hier bei uns im Osten Deutschlands noch keine Möglichkeit, dass die Prüfungen hier abgenommen werden konnten, ablegen konnten, also überhaupt zu den Prüfungen zugelassen wurden. Und ich bin heut noch stolz darauf, diese Prüfungen bestanden zu haben!

Mit diesem Ergebnis ausgerüstet bekam ich auch wieder Arbeit in einer beruflichen Einrichtung als Sekretärin, die es mit zwei Vorgesetzten (sowohl weiblich als auch männlich), mit ca. 150 Lehrern, Sozialpädagogen, Ausbildern und nicht zu vergessen, immer mal wieder mit einem Teil der damals ca. 200 Jugendlichen, zu tun hatte.

Das war eine Arbeit, die mir so gut lag und gefallen hat und ich fühlte mich wohl und dort wie zuhause, als hätte ich nie etwas anderes gemacht oder machen wollen!

Und dann kamen diese undefinierbaren, damals noch nicht zuzuordnenden Symptome, die ich mir aus damaliger Sicht nur altersbedingt erklären konnte.

Um mir alles merken zu können, war ich nur noch am Zettelchen schreiben. Trotzdem ging mir wesentlich mehr verloren als vorher. Meine Unzufriedenheit mit mir selbst nahm derartig zu, dass sich hier schon erste Depressionen zeigten. War ich doch immer sehr zuverlässig, korrekt, pünktlich, pingelig darauf erpicht, ja alles richtig zu machen, nach Möglichkeit soviel an Arbeit zu bewältigen, dass dies eigentlich schon über jegliche Schmerzgrenze hinaus ging.

Mit diesen Eigenschaften, so konnte ich dann nachlesen, ist im allgemeinen jeder Parki ausgerüstet!