1. Wieder zu Hause

Hallo, Sir, Mr. Parkinson!
Naaaaaaaaa, wie fühlst du dich denn jetzt? Ein bissel geschlagen, ein wenig deiner listdurchtränkten Möglichkeiten beraubt? Fühlst du dich immer noch als Herr im Hause?

Von wegen, ja, du bist recht kleinlaut geworden! Wie ist das so für Dich, einfach mal außen vor gelassen zu werden? Ich weiß schon, die ersten Tage nach der OP, da hast du dich übermächtig gefühlt. Du dachtest, dein Objekt der Begierde hätte absolut keine Kraft, sich gegen Dich zu wehren.

Aber, mein "allerliebster Freund" hast du nicht da schon gespürt, welche Kraft mir die im Hirn eingesetzten Elektroden gegeben haben? Hast Du, stimmts, auch wenn Du mal wieder darüber hinwegsehen wolltest.

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Naja, Du Weggucker, dass macht es für Dich ganz bestimmt nicht leichter und soll ich Dir mal was sagen: meine Freude darüber ist immer noch genauso unbändig wie an dem ersten Tag nach der OP, als ich merkte, dass zumindest fürs Erste Deine Kraft gebrochen ist.

2. Ein Virus namens Lebensfreude

Nun sind inzwischen viele Wochen ins Land gezogen und in mir steckt immer noch dieser Virus von Lebensfreude, wie Mausi das schon richtig erkannt hatte. Nach den Einstellungen am Hirnstimulator, die noch in Hetzdorf in der Rehaklinik erfolgten, bin ich nun wieder zu Hause gelandet und nun muss sich erweisen, ob dieses Meisterwerk der Technik auch alltagstauglich bleibt.
Zumindest ist der erste Eindruck, den ich mache und den ich wahrnehme, äußerst positiv. Na gut, ich habe auch etwas zugenommen, schließlich hat Deine Zappelei, die du mir vor der OP aufgezwungen hast, jetzt überhaupt keinen Einfluss mehr. Du weißt ganz genau, wie viel an Energie und an Kraft Du mir damit geraubt hast.

Tscha und dann bin ich halt auch die Ruhe in Person, kein Zappeln, keine Überbewegungen, weniger Medikamente, sicher, dadurch auch ein wenig steif manchmal, aber, ich bin schon wieder selber Auto gefahren und es ging ganz wunderbar, ohne einzuschlafen oder jegliche andere Ermüdungser-scheinungen, die vor dieser OP gang und gäbe waren und die mich nun schon 3 Jahre davon abgehalten haben, selber ein Fahrzeug zu führen, aus lauter Angst, ich könnte einen Unschuldigen in Mitleidenschaft ziehen.

Aber das ist längst nicht alles! Dienstag bin ich aus der Reha gekommen. Musste dann gleich noch meinen Neurologen aufsuchen, weil ich Tabletten brauchte und dieser lief an mir vorbei, zunächst, ohne mich zu erkennen.

Ich habe mich köstlich amüsiert, als es einige Minuten später hieß, oh, sie sehen aber gut aus, ich habe sie gar nicht erkannt. Aber mir erging es bei vielen Bekannten ähnlich.

Na gut, ich habe ein paar Pfund zugenommen, aber das kann es ja wohl nicht sein, dass sie mich alle auf einmal damit überraschen, dass es heißt:

du siehst ja wirklich gut aus. Naja, ich gebe zu, ich fühle mich auch so wohl wie seit Jahren nicht! Deshalb habe ich heut auch ein Fahrrad aus dem Keller geholt, Luft aufgepumpt, etwas abgewaschen und bin das erste Mal nach fast 40 Jahren mal wieder aufs Fahrrad gestiegen und gefahren!

Uiii, das war zuerst eine ziemlich wacklige Angelegenheit, aber wie könnte es anders sein - geschafft -! Ich glaube, ich muss ganz sehr aufpassen, dass ich nicht zu übermütig werde. Im Augenblick gelingt mir einfach alles.

Sicher, ich war auch vor dieser OP ein lebensbejahender Mensch, aber jetzt ist das einfach nicht zu toppen. Es ist kein Übermut im herkömmlichen Sinne, der mich antreibt, nein, ich genieße lediglich die Tatsache, wieder Mensch unter Menschen zu sein, mich wieder bewegen zu können ohne jegliche Verrenkungen und ohne den Zwang, normal erscheinen zu wollen, ganz einfach -

ICH BIN WIEDER NORMAL!