06.10.10

1. Zwei Monate nach der Reha


Der Alltag hat mich wieder! Immer noch ist es da, dieses wunderbare Gefühl, einfach weil es der Alltag eines Fastnormalos ist. Wenn ich Bekannte treffe, heißt es immer: "Du siehst aber gut aus!
Es ist doch erstaunlich, was die Medizin heute in der Lage ist zu leisten, was die Medizin alles so an Wundern vollbringen kann."
Ja, der Neurochirurg und die Neurologen haben hier wirklich ein Wunder vollbracht. Genauso sehe ich das auch und für dieses Wunder bin ich allen Beteiligten sehr dankbar.
Trotzdem weiß ich immer nicht so recht, was ich dann antworten soll. Meistens stehe ich etwas hilflos herum und lächel die Leute an und höre mich sagen: ja, auch für mich ist ein Wunder geschehen, eines, dass mich wieder in ein fast normales Leben zurückgeführt hat.

Aber - ich empfinde es trotzdem als ein wenig ungerecht, hier nur den Ärzten ein Wunder zu bescheinigen. Es spielen immerhin auch einige andere Faktoren hierbei eine Rolle.

Ich bin zwar sehr undiszipliniert, was das Essen und Naschen betrifft, aber was die OP angeht und alles, was damit in Verbindung steht, das nehme ich schon sehr genau und sage bei Widrigkeiten, die jeden Tag auch auftreten, da musst du einfach durch.
Es ist durchaus nicht so, dass ich hier und jetzt jeden Tag den Himmel auf Erden habe.

Sir James wirbelt immer noch ganz kräftig in meinem Körper herum. Jetzt nicht mehr mit Zappeln und mit um mich schlagen, oh nein, dieser hinterhältige Ränkeschmied nimmt sich jetzt das genaue Gegenteil heraus.

Ich habe meine Tablettendosis reduziert von 1500mg Levodopa/Cardidopa auf 500mg Levodopa/Cardidopa.

Natürlich habe ich da ganz schöne Schwankungen in meinem Befinden mitzumachen. Die ersten Tage verliefen sehr gut, da war noch ein gewisser Medispiegel vorhanden.

Aber, ich sitze ja nach wie vor nicht nur vor dem Fernseher und lasse mich berieseln. Ich bin ständig in Bewegung, mal beim Töpfern, dann beim Schreiben und Lesen hier am Computer, dann fahre ich mal wieder eine Runde mit dem Fahrrad, gehe 1x in der Woche in unsere Sportgruppe , dazu kommt , auch 1x in der Woche Wassergymnastik, 2x Krankengymnastik, 1x Logopädie und das ist schon ein ganz schönes Programm, immerhin ist die OP noch nicht soooooo lange her.

Auch hier in meinem Haushalt packe ich immer mehr zu, so dass ich so manches Mal sehr erschöpft und müde bin.

Und dazu kommt dann diese Steifigkeit. Ich hasse das wie die Pest und renne dann extra mit meinen Walkingstöcken los. Auch wenn anfangs die Beine und Arme schwer sind wie Blei, nach einer gewissen Zeit gibt sich das wieder und ich kann dann wieder normal laufen.

Wenn es mal ganz schlimm kommt, na ja, dann nehme ich zwischendurch einmal eine Turbo LT. Aber das ist bisher nur zwei Mal passiert, lieber quäle ich mich noch ein Stück länger durch die Gegend, meinem Mr. Parkinson zum Trotz.

2. Ich fühle mich gut!

Trotzdem bin ich sehr zufrieden und immer noch ganz glücklich, dass es ist wie es ist. Allein das ständige Zappeln hat mich soviel Kraft gekostet, das ich vor der OP nur Haut und Kochen war.

Jetzt habe ich ganz schön zugenommen, es hält sich zwar immer noch im Rahmen des Möglichen, aber auch das wird mir langsam zu viel. Wo ich vorher gut in alle meine Jeanshosen "gleiten" konnte, da muss ich heut mit aller Kraft ziehen und mich zurecht ruckeln und dann kneift auch noch der Hosenbund.

Ich habe ja den eigentlichen Schrittmacher in den Bauchraum gesetzt bekommen, dadurch drückt der Hosenbund noch mehr.

Außerdem bin ich ziemlich wackelig auf den Beinen, und dann bin ich immer froh, dass ich meine Walkingstöcke habe. Das hält mich jedoch nicht davon ab, auch noch mit in den Wald zu laufen, um Pilze zu sammel n. Unser Gefrierschrank ist so voller Pilze, das beim besten Willen nichts mehr reingeht. Wir haben deshalb jetzt schon dreimal die Pilze, die wir gefunden haben, an Bekannte verschenkt. Trotzdem geht es die Woche auch noch zweimal in den Wald.

Tscha, ich denke das ist ein ziemlich volles Programm und wenn dann noch Besuch kommt oder wir sind eingeladen, dann weiß ich dass ich zwar den Bogen überspanne, aber ich kanns nicht lassen, auszuprobieren, wo jetzt meine Grenzen sind.

Und da kann ich den Bogen immer weiter spannen und auch wenn ich schon völlig erschöpft bin, ich genieße diese Zeit immer noch, denn noch habe ich nicht vergessen, wie sehr Sir James mich vor der OP gequält hat dagegen gesetzt ist mein jetziger Zustand sehr gut zu ertragen und gipfelt dann in der Aussage,
mir geht es gut!